Zukunft des Telefonherstellers Gigaset nach Insolvenzverfahren ungewiss

Zu den Produkten des 175 Jahre alten Unternehmens mit rund 850 Mitarbeitern gehören analoge und IP-basierte Digital Enhanced Cordless Telecommunications (DECT)-Telefone, Android-Smartphones, Cloud-basierte Smart-Home-Systeme sowie DECT-Telefone und Kommunikationssysteme für Unternehmen und mittelständische Betriebe. [MZinchenko / Shutterstock]

Ein deutsches Amtsgericht hat ein Regelinsolvenzverfahren gegen den europäischen Marktführer für Schnurlostelefone, Gigaset AG, eröffnet. Damit stellt sich die Frage, wie – oder ob – das angeschlagene Unternehmen restrukturiert werden soll.

Das Amtsgericht Münster hat ein ordentliches Insolvenzverfahren gegen die Gigaset AG eröffnet, berichteten deutsche Nachrichtenagenturen am Mittwoch. Auch das Unternehmen bestätigte dies am Dienstagabend auf seiner Internetseite.

Zu den Produkten des 175 Jahre alten Unternehmens mit rund 850 Mitarbeitern gehören analoge und IP-basierte Digital Enhanced Cordless Telecommunications (DECT)-Telefone, Android-Smartphones, Cloud-basierte Smart-Home-Systeme sowie DECT-Telefone und Kommunikationssysteme für Unternehmen und mittelständische Betriebe.

Im September haben der Vorstand der Gigaset AG, die Holdinggesellschaft des Herstellers, und die Gigaset Communications GmbH, das operative Geschäft, Insolvenzanträge gestellt.

Im Falle der AG wurde nun das Regelinsolvenzverfahren „eröffnet“.

Ebenfalls im September hat die Gigaset Communications GmbH einen Antrag auf Eigenverwaltung gestellt, „mit dem klaren Ziel der Fortführung der Geschäfte“, so Raphael Dörr, verantwortlich für die Unternehmenskommunikation von Gigaset, gegenüber Euractiv.

Die Gigaset Communications GmbH befindet sich noch in der Antragsphase der Eigenverwaltung. Das Verfahren ist noch nicht eröffnet worden. Das Verfahren der GmbH ist auf die Fortführung des Geschäftsbetriebes ausgelegt.

„Stand heute befinden wir uns in Verhandlungen mit potenziellen Investoren, welche erfolgreich und zielgerichtet voranschreiten. Wir sind zuversichtlich, dass wir im Januar einen starken neuen Partner vorstellen können, mit dem wir gemeinsam eine vielversprechende Zukunft für die Gigaset Communications GmbH gestalten werden“, so Dörr.

Einbruch der Geschäftstätigkeit

Für das Geschäftsjahr 2022 verzeichnete der Telefonhersteller einen Umsatz von 241 Millionen Euro, im Jahr 2021 waren es 217 Millionen Euro.

Im April verkündete Gigaset, bis 2025 ein wachstumsstarker Technologieführer „Made in Germany“ sein zu wollen.

Fünf Monate später meldete der Telefonhersteller aufgrund eines unerwarteten Geschäftseinbruchs Insolvenz an.

„Seit dem 20. September 2023 befindet sich die Gigaset AG und die mittelbare, operativ tätige Tochtergesellschaft Gigaset Communications GmbH in einem vorläufigen Insolvenzverfahren“, heißt es im Zwischenbericht zum zweiten Quartal.

„Inflation drückt Konsumstimmung und trübt Geschäftsausichten im zweiten Halbjahr 2023 deutlich ein. Weitere externe und interne Herausforderungen führen zu einer nicht mehr bewältigbaren Finanzsituation“, so der Bericht weiter.

Sanierung?

In Deutschland kann ein Unternehmen sowohl in Eigenverwaltung als auch in Regelverwaltung restrukturiert werden.

„Wenn das Unternehmen konkurrenzfähige Produkte hat, wird es sich über die Insolvenz neu aufstellen“, sagt Torsten Martini, Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht bei der Kanzlei Görg, gegenüber Euractiv.

Zur Wahl stehen eine übertragende Sanierung oder die Vorlage eines Insolvenzplans durch den Verwalter.

„In der Regel werden Gläubiger und Verwalter immer eine solche [Sanierung] anstreben, weil sie für alle Beteiligten – Zulieferer, sonstige Gläubiger, Kunden und vor allem Mitarbeiter – naturgemäß die bessere Alternative ist als die Zerschlagung.“, so Martini weiter.

Eine Lösung kann dann innerhalb weniger Wochen oder Monate gefunden werden.

„Das Insolvenzverfahren selbst läuft dann in der Regel noch ein paar Jahre. Aber das hat mit dem dann jetzt zu sanierenden Unternehmen nichts mehr zu tun.“, erklärte Martini.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald/Zoran Radosavljevic]

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