Das Einatmen der langen, dünnen, aus Kohlenstoff zusammengesetzten Nanoröhrchen könnte ebenso gesundheitsschädigend sein wie das Einatmen von Asbestfasern, zeigte eine neue Studie. Sie ermahnt Industrie und Politiker, eine sichere Entwicklung dieser revolutionären Technologie zu gewährleisten.
Die Ergebnisse seien deutlich gewesen: Dünne Kohlenstoffnanoröhren hätten die gleichen Reaktionen wie dünne Asbestfasern gezeigt. Dies sagte Professor Kenneth Donaldson über die Ergebnisse der Studie, in der untersucht wurde, ob Kohlenstoffnanoröhren ähnliche Folgen auf die Gesundheit haben können wie Asbestfasern.
Wenn die Wissenschaftler Recht haben, könnten die Nanoröhrchen ähnliche Auswirkungen haben wie Asbest und im Zusammenhang mit dem Mesotheliom stehen, einer Form von Lungenkrebs, der sich erst 30 bis 40 Jahre nach dem Kontakt entwickelt. Der Kontakt mit Asbest gilt als schädlich, wenn über einen langen Zeitraum hohe Mengen eingeatmet werden.
Kohlenstoffnanoröhren werden gemeinhin als „leicht wie Plastik“ und „härter als Stahl“ beschrieben. Sie sind ein Teil der vielfältigen Nanomaterialien, die, so glauben Wissenschaftler und Politiker, die industrielle Produktion im 21. Jahrhundert revolutionieren werden. Sie sind bei einer Reihe von im Sport verwendeten Gegenständen, wie Tennisschlägern, bereits im Einsatz und weitere Produkte werden entwickelt, darunter Medikamente, leistungsfähige Batterien und elektronische Geräte.
Gegenwärtig wisse man nicht, ob diese Produkte schädigende oder sichere Nanoröhren beinhalten oder ob diese von den Produkten abgegeben werden können, sagte Andrew Maynard, ein Autor der Studie, die am 20. Mai 2008 in Nature Nanotechnology veröffentlicht wurde.
Den Wissenschaftlern zufolge verhielten kurze oder gewellte Nanoröhren sich nicht wie Asbest, lange und dünne dagegen schon. Man könne nun damit beginnen, sie zu überprüfen, um so sicherzustellen, dass die Produkte, in denen Nanoröhren verwendet werden, sicher seien, sagte die Wissenschaftler.
Dies sei eine Warnung – für Nanotechnologie im Allgemeinen und Kohlenstoffnanoröhren im Besonderen, sagte Maynard und fügte hinzu, dass man es sich zwar nicht leisten könne, dieses „unglaubliche Material“ nicht zu nutzen, man könne es sich aber auch nicht leisten, es falsch zu nutzen, wie es bei Asbest der Fall gewesen sei.
Daher solle man sich nun darauf konzentrieren, zu beweisen, dass diese Materialien sicher seien – nicht, dass sie gefährlich seien. Auch sollten Politiker sicherstellen, dass die gegenwärtigen Regelungen konkret und stark genug seien, um eine sichere Entwicklung der Technologie der Kohlenstoffnanoröhren zu gewährleisten.
Die Europäische Kommission hat kürzlich eine Überarbeitung der gegenwärtigen EU-Gesetzgebung durchgeführt, um herauszufinden, ob neue Regulierungsmaßnahmen notwendig sind, um die mit Nanomaterialien verbundenen Risiken abzudecken. Eine Mitteilung zu diesem Thema, die behauptet, dass keine neuen Regelungen notwendig sind, wird bald veröffentlicht werden.

