Führende Wissenschaftler der Stammzellenforschung haben die EU-Staaten aufgefordert, politische und rechtliche Hindernisse, welche die Zusammenarbeit der Forscher erschweren, zu beseitigen. Deutschland und Italien werden besonders dazu aufgerufen, Forschern, die an europäischen Projekten teilnehmen, mit Gefängnisstrafen zu drohen. Zum Status des menschlichen Embryos verbleibt weiterhin ein ethisches Dilemma.
Heterogene Stammzellpolitiken in Europa sowie die Gesetzgebung hindere ernsthaft die Fortentwicklung der Stammzellenforschung und den Austausch des biomedizinischen Wissens. Hindernisse für die Forschung in einigen Partnerstaaten, besonders in Deutschland und Italien, schafften Probleme für die uneingeschränkte Bewegung von Ideen und Menschen im europäischen Forschungsraum. Dies erklärten führende Wissenschaftler der Stammzellenforschung in einer Stellungsnahme, die sie am 27. Juli 2007 an die Mitglieder des Europaparlaments richteten.
Die Wissenschaftler der beiden wichtigsten von Europa finanzierten Stammzellen-Forschungsvereinigungen, EuroStemCell und ESTOOLS, bedauern, dass Forschungsprojekte, die in Schweden und im Vereinigten Königreich absolut legal seien, in Deutschland zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren führen könnten. Sie beklagen weiterhin, dass Forscher aus Ländern mit einschränkender Gesetzgebung haftbar gemacht werden könnten, wenn sie eine verantwortungsvolle Position in einem europäischen Forschungsprojekt einnähmen.
Der Koordinator des ESTOOLS-Konsortiums, Professor Peter Andrews, sagte, diese mangelnde Übereinstimmung schaffe Unmengen an Problemen für die internationale Zusammenarbeit. Trotz der allgemeinen Finanzierung durch das sechste und siebte Rahmenforschungsprogramm der Europäischen Kommission könnten Wissenschaftler innerhalb Europas nicht ungehindert persönliche und Zelllinien austauschen.
Die Wissenschaftler fordern eine Harmonisierung der derzeitigen Gesetze, in der Hoffnung, dass es ihren europäischen Partnern ermöglicht wird, bei internationalen Projekten zusammenzuarbeiten, ohne Angst vor rechtlichen Maßnahmen haben zu müssen. Die Wissenschaftler legen außerdem eine Reihe spezifischer Forderungen an die Regierungen Italiens und Deutschlands vor.
Die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen wird als entscheidend für die Entwicklung von Heilverfahren und Behandlungen für Krankheiten wie Diabetes oder neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer, die in der alternden Bevölkerung Europas zunehmen, erachtet. Dennoch vertreten die EU-Mitgliedstaaten unterschiedliche Positionen hinsichtlich der Regelung der Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen; die Gesetze in verschiedenen Ländern reflektieren deren unterschiedliche ethische, philosophische und religiöse Haltung.

