Wanka: „Die digitale Revolution ist unser zweiter Mauerfall“

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka fordert genauso Mauerfall-artige Kraftanstrengungen für die digitale Revolution. Foto: WorldSkills (CC BY-NC-ND 2.0)

25 Jahre nach dem Mauerfall sieht Bundesbildungsministerin Johanna Wanka Deutschland vor einem ebenso folgenreichen Umbruch. Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert von Europa einen „Ruck“, um eine völlige technologische Abhängigkeit von den USA und Asien zu verhindern.

Die Bundesregierung fordert mehr Engagement von Europa im Wettlauf um die digitale Führungsrolle in der Welt. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Berliner Mauerfalls erinnert Bildungsministerin Johanna Wanka an die mit der IT-Revolution verbundenen Mammut-Aufgaben: „Allein die digitale Revolution wird uns eine ähnliche Kraftanstrengung abverlangen wie die Wiedervereinigung“, sagte Wanka der „Welt am Sonntag“.

„Alles wird sich verändern: von den Handelsbeziehungen über die Arbeitswelt bis zur Freizeitgestaltung“, Deutschland habe einen guten Stand in der Welt, müsse sich aber auf die neue Situation einstellen. „Wir müssen aufpassen, dass wir es nicht vergeigen“, sagte die Ministerin.

Der Siegeszug der Informationstechnologie ist in Berlin seit letztem Jahr auf die Liste der politischen und wirtschaftlichen Top-Themen gerückt. So hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die „Industrie 4.0“ – also die schnell voranschreitende Vernetzung von IT-Technik und Produktion – als Überlebensfrage der deutschen Wirtschaft bezeichnet

Allerdings dürfe man nicht übersehen, wie stark Europa derzeit international technologisch zurückgefallen sei, warnte Merkel am Wochenende in Wismar auf dem Parteitag der CDU Mecklenburg-Vorpommern. 

„Die nächste Generation bei Speicherchips werden wir in Europa wahrscheinlich nicht mehr produzieren. Dann sind wir fest in der Abhängigkeit von Asien und Amerika“, so die CDU-Chefin. Im Bereich der Internetfirmen und der Chip-Produktion gebe es „so gut wie nichts mehr“ in Europa.

Es nutze nichts, immer darauf zu verweisen, dass man 1990 den Kommunismus überwunden habe. Fälschlicherweise habe man damals geglaubt, man sei auf der Siegerstraße. „Wir brauchen in Europa einen Ruck, um zu sagen: Wir können das doch“, sagte Merkel. „Der Durchschnitt Europas reicht nicht aus, um in der Welt wettbewerbsfähig zu sein.“ 

Die Lage in Deutschland sei zwar noch etwas besser, aber außer SAP gebe es auch hierzulande keinen großen Software-Konzern, keine Produktion von Routern mehr. Der Ausweg gelinge nur dadurch, wenn wieder Spitzenpositionen in Forschung und Entwicklung angestrebt würden.

Die neue EU-Kommission hat ein eigenes Ressort Digitale Wirtschaft unter Leitung des Deutschen Günther Oettinger geschaffen, um die Gemeinschaft in diesem Bereich wettbewerbsfähig zu halten. Ein Teil des von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angekündigten 300-Milliarden-Euro-Investitionsprogramms soll in den Ausbau der digitalen Infrastruktur fließen.

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