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24/01/2017

Viele deutsche Firmen hinken Digitalisierung hinterher

Innovation

Viele deutsche Firmen hinken Digitalisierung hinterher

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[Open Grid Scheduler / Grid Engine/Flickr]

Die meisten deutschen Unternehmen halten nach eigenem Ermessen mit der Digitalisierung nicht Schritt.

Wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom hervorgeht, sehen sich 56 Prozent als Nachzügler, acht Prozent halten sich sogar für abgeschlagen. Es wurden Vorstände und Geschäftsführer von 556 Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern aus den Bereichen Automobilbau, Banken, Medien, Pharmaindustrie und Touristik befragt.

„Die Unternehmen müssen bei der Digitalisierung ihres Geschäfts Tempo aufnehmen“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder angesichts der Entwicklung des Smartphones zum Dreh- und Angelpunkt für Bankgeschäfte, selbstfahrender Autos oder dem Einsatz von Robotern in Operationssälen. „In der digitalen Plattform-Ökonomie ist Schnelligkeit ein ganz entscheidender Faktor.“

Viele Firmen hätten noch gar keine digitale Strategie entwickelt. Das treffe auf jedes dritte Medien- und Touristikunternehmen zu. In der Auto- und Pharma-Branche seien es immerhin ein Viertel, im Bankensektor 17 Prozent. Gleichzeitig beklagen viele Manager, dass Wettbewerber aus der Digitalbranche in ihren angestammten Markt drängen – in der Medienbranche sagen das fast zwei Drittel, in der Autobranche etwa die Hälfte.

Die Digitalisierung wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Einfache Tätigkeiten dürften wegfallen, spezialisierte zunehmen. „Die Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass die Beschäftigung infolge der Digitalisierung stabil bleibt oder sogar zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden“, sagte Rohleder. Der Bedarf an IT-Spezialisten werde steigen, am stärksten bei Autobauern und Pharma-Unternehmen.

Bereits jetzt gebe es bundesweit 43.000 offene Stellen in der IT-Branche. „Überall werden Informatiker gebraucht, und zwar zunehmend“, sagte Rohleder. Er sprach sich deshalb für Informatik als Pflichtfach an den Schulen aus. Jedes zweite Unternehmen fordert ebenfalls bildungspolitische Maßnahmen gegen den drohenden Fachkräftemangel. So müsse das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern aufgehoben werden, fordert Bitkom. Es verhindert, dass der Bund Schulen finanziell unterstützen kann.