Umfrage: Deutsche wollen 900 Millionen Euro für mehr Datenschutz zahlen

Jeweils 41 Euro jährlich wären die Deutschen bereit, für den Schutz ihrer Daten im Internet zu bezahlen. Foto: Johan Nilsson (CC BY-NC-SA 2.0)

Deutsche Internet-Nutzer lehnen den Verkauf und den Missbrauch ihrer persönlichen Daten ab. Einer aktuellen Umfrage zufolge wollen viele von ihnen für den Schutz ihrer Daten sogar Geld bezahlen. Doch ihrem ambitionierten Vorschlag mischt sich bereits Resignation.

Online-Konsum ist hoch um Kurs. Doch für viele Angebote – seien es Nachrichten oder Computer-Spiele – wollen die Deutschen nichts zahlen. Laut einer aktuellen Umfrage nehmen 76 Prozent der Internet-Nutzer kostenlose Online-Angebote in Anspruch, knapp ein Drittel von ihnen zahlt überhaupt nichts. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Netz in Zusammenarbeit mit dem Umfrageinstitut dimap. 

„Wenn Bequemlichkeit im Netz gratis zu haben ist, dann nutzen die Menschen diese Gratis-Angebote. Die meisten Deutschen wissen aber, dass sie bei kostenlosen Angeboten mit ihren eigenen Daten zahlen“, erklärte Michael Kammer, Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), am heutigen Montag bei der Veröffentlichung der Studie. 

Die Mehrheit der Internet-Nutzer ist sich laut der Umfrage im Klaren darüber, dass Online-Anbieter mit ihren persönlichen Daten Geld verdienen. Doch 80 Prozent der Befragten lehnen diesen Handel entschieden ab. Mehr als ein Drittel wollen sogar Geld bezahlen, damit ihre Daten garantiert nur so verwendet werden, wie Sie das möchten und nicht ohne ihre Zustimmung weiterverkauft werden. Die Befragten erklärten sich bereit, im Jahr durchschnittlich 41 Euro dafür zu zahlen. Datenschutz ist den Deutschen also rund 900 Millionen Euro Wert. 

Die Ablehnung jährlicher Zahlungen begründen die meisten Befragten mit Misstrauen: 59 Prozent bezweifeln, dass mehr Geld wirklich zu mehr Datensicherheit führt. Und sogar diejenigen, die bereit sind, Geld zu investieren, sind skeptisch: Knapp 80 Prozent glauben nicht daran, dass ein Bezahl-Modell für sichere Daten umsetzbar sei. 


Vielmehr sei jetzt die Politik gefragt: „Fast alle – 97 Prozent – fordern, dass der Missbrauch persönlicher Daten stärker verfolgt und bestraft wird“, resümierte dimap-Geschäftsführer Reinhard Schlinkert. 95 Prozent verlangen, dass sich ausländische Internetfirmen an deutsche Datenschutzregeln halten müssten. Sogar 86 Prozent sprechen sich für ein  gesetzliches Verbot von Datengeschäften aus. DIVSI-Chef Kammer ergänzte, dass „die Politik noch stärker ihrer Verantwortung gerecht werden sollte, im Sinne der Verbraucher einen einheitlichen Datenschutz für in- und ausländische Unternehmen in Deutschland zu gewährleisten.“

Auch für Anbieter seien die Umfrageergebnisse ein starkes Signal, sagte Kammer. 96 Prozent der Befragten fordern, dass Anbieter transparenter über den Verbleib der persönlichen Daten informieren sollen. „Anbieter müssten über attraktive Bezahl-Modelle nachdenken, verbunden mit dem ehrlichen Versprechen, sorgfältig mit den Daten der Internet-Nutzer umzugehen.“ Obendrein sollte sich der Markt über ein Gütesiegel Gedanken machen, sagte Kammer. Wie bei Bio-Lebensmittel könnten Internet-Konsumenten daran etwa ablesen, ob ihre Daten sicher sind oder nicht. 

Weitere Informationen

Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI): Studie: Daten – Ware und Währung (17. November 2014)

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