Tempolimit: EU plant automatische Bremssysteme

Der "Spiegel" berichtet über jahrelange Absprachen der großen deutschen Autobauer. [Luci Correia/Flickr]

Die EU-Kommission denkt darüber nach, automatische Bremssysteme für neue Fahrzeuge einzuführen, um die Zahl der Verkehrstoten zu senken. Dadurch würden Raser automatisch ausgebremst.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Zeit der Knöllchen wäre vorbei, die der Unfälle aufgrund von zu hohem Geschwindigkeiten auch. Nur die Selbstbestimmtheit des Autofahrers könnte leiden. Die EU-Kommission erwägt die Einführung eines automatischen Bremssystems. Geschwindigkeitsübertretungen wären für Autofahrer im EU-Raum dann nicht mehr möglich, beschreibt die Kommission in einem Arbeitspapier, das erste Pläne für ein automatisches Bremssystem beschreibt.

Dank dieses Systems – einer intelligente Geschwindigkeitsanpassung namens Intelligent Speed Adaptation (ISA) – in allen Neufahrzeugen will die EU verhindern, dass Fahrer die erlaubte Geschwindigkeit überschreiten können. Dafür wären verschiedene Arten der Geschwindigkeitsanpassung möglich.

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Zum einen könnte der Fahrzeugführer durch ein Geräusch oder aber optisch darauf aufmerksam gemacht werden, dass er zu schnell fährt. Das System wäre beratend, der Fahrer könnte selbst entscheiden, ob er die Geschwindigkeit senkt.

Die zweite Variante würde dem Fahrer die Entscheidung überlassen, ob er das System für die Tempolimitierung nutzt oder nicht.

Die dritte Möglichkeit wäre ein vorgeschriebenes System, das es dem Fahrer unmöglich macht, schneller als erlaubt zu fahren. ISA würde dann entscheiden. Das System müsste ausschaltbar sein, damit zum Beispiel Überholen möglich bleibt.

Zudem müssten die Systeme verlässliche Daten erhalten können, wie die Höchstgeschwindigkeit auf einer Strecke lautet. Eine Verkehrszeichenerkennung, die in manchen Fahrzeugen bereits existiert, könnte dies regeln.

2015 erstmals seit 15 Jahren mehr Verkehrstote in der EU

Die Verkehrsexperten der EU-Kommission empfehlen das System. Einer ihrer Studien zufolge würde die Zahl der Verkehrstoten dadurch um bis zu 37 Prozent zurückgehen . Im Vergleich: Nicht verpflichtende Hinweise auf das Geschwindigkeitslimit würden die Zahl der Toten  laut den Experten nur um acht Prozent senken.

Das System könnte eine Chance sein, das Ziel der EU bald zuerreichen, bis 2020 die Zahl der Verkehrstoten im Vergleich zu 2010 zu halbieren. Davon ist die Europäische Union bislang noch weit entfernt: 2015 starben laut einer Statistik der EU-Kommission zur Straßenverkehrssicherheit sogar mehr Menschen bei Unfällen als zuvor. 26.000 Menschen kamen demzufolge in den 28 EU-Ländern insgesamt bei Verkehrsunfällen ums Leben. Damit starben in der EU pro Tag durchschnittlich mehr als 71 Menschen im Straßenverkehr.

Einführung des Systems in mehreren Etappen?

Der von der EU-Kommission auszuarbeitende Plan dürfte darum darauf hinauslaufen, für alle Neufahrzeuge die automatische ISA-Limitbeschränkung einzuführen.

Bislang handelt es sich bei dem Dokument allerdings nur um Vorüberlegungen – die noch für viele Debatten sorgen dürften Die Autoren des Arbeitspapiers gehen davon aus, dass nur wenige Autofahrer das System gutheissen würden. Eine Einführung des Systems in mehreren Etappen, so die Experten, könnte die Akzeptanz allerdings steigern.

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