Sprechen Sie digital native?

In Berlin lernen Sozialpädagogen, Technik in die Betreuungsarbeit zu integrieren. [Foto: WeTeK]

Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, müssen verstehen, welche Rolle Youtube oder Whatsapp in ihrem Leben spielen. Ein Berliner Projekt nutzt EU Gelder, um Pädagogen im Umgang mit Technologie zu schulen.

Berlin Mitte: In einem Raum voller Computer sitzen rund zehn Menschen gemischten Alters und spielen Minecraft. Eigentlich lernen sie eher, wofür man das Open Source Spiel noch alles verwenden kann, als nur zu spielen. Angeleitet werden sie dabei von einem Mitarbeiter des gemeinnützigen Jugendhilfeträgers WeTeK Berlin, der ihnen zeigt, wie Computerspiele für die Arbeit mit Jugendlichen genutzt werden können.

Der Minecraft-Kurs ist Teil eines Projekts zur Medienbildung für Sozialpädagogen, welche die WeTeK mit Fördermitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) anbietet. Der ESF finanziert über 600 Projekte zu Qualifizierung, Integration, Kultur oder Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Berlin. Er leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Lebensqualität von EU Bürgern auf regionaler Ebene. Rund 215 Millionen Euro stehen dem Land in der derzeitigen Förderperiode aus dem ESF zur Verfügung.

Die Medienpädagogische Weiterbildung an der WeTeK hat zum Ziel, Kinder- und Jugendbetreuern digitale Kompetenzen zu vermitteln. Denn wer in Kitas, Schulen oder mit Jugendlichen im betreuten Wohnen arbeitet, muss die Generation der digital natives verstehen, muss begreifen, wie sie welche Medien nutzen. Schließlich ist es schwer, Kindern einen guten Umgang mit digitalen Medien beizubringen, wenn es an den eigenen technologischen Kenntnissen scheitert.

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Computer und Handys können vielfältig zur kreativen Arbeit mit dem Kind genutzt werden, vor allem das lernen die Pädagogen im Unterricht: „Heutzutage ist es unglaublich wichtig, Kindern Medienkompetenz zu vermitteln. Aber welches Elternteil setzt sich schon hin und sagt: heute werden wir mal einen Podcast machen. Dafür trainieren wir unsere Kursteilnehmer“, erklärt Steffi Winkler, die Koordinatorin des Medienprojektes. Doch im Projekt geht es um mehr. „Die Pädagogen sollen den Kindern auch Dinge beibringen können. Wie man eine gute Power Point macht zum Beispiel oder wie man richtig recherchiert. Dass es mehr gibt als die ersten drei Treffer auf Google“ , so Winkler.

Das Medienprojekt bietet daher eine breit gestreute Palette von Kursen an: von Audio- und Viedeoschnittsoftware bis hin zu Kursen zu hate speech oder den Rollenbildern von Mädchen im Netz. Wie viel Medienwissen die Pädagogen mitbringen, ist oft vom Alter abhängig, die Diskrepanzen sind groß.

„Etwas ältere Pädagogen müssen oft lernen, dass Computerspiele nicht immer schlecht sind, selbst Ballerspiele. Jüngere dagegen kennen solche Dinge, die müssen vor allem einen kritischen Blick auf den Medienkonsum der Kinder behalten“, meint Gordon Schmid von der Computerspielsuchtberatung der Caritas in Berlin. Medienmissbrauch ist ein wichtiger Punkt in der pädagogischen Arbeit. Heutztage surfen 81 Prozent der zehn- bis elfjährigen mehrmals die Woche im Internet, gibt das Internationale Zentralinstitut für Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) an. Pädagogen sind daher gefordert, ungesundes Medienverhalten zu erkennen und rechtzeitig dagegen zu lenken.

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„Letztendlich geht es auch um Respekt und Verständnis zwischen Betreuern und Jugendlichen. Pädagogen müssen zum Beispiel verstehen, dass Computerspiele wichtig sind und man nicht immer mittendrin aufhören kann, sondern erst eine Runde beenden muss. Man würde das Kind ja auch nicht mitten im Fußballspiel vom Feld rufen. Es geht darum, für die Prioritäten der Kinder Verständnis aufzubringen“, meint Schmid. Die Medienausbildung der WeTeK bringt Pädagigen deshalb bei, Computerspiele und das Intenret als kreative Ergänzung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu verwenden. Knapp 50.000 Unterrichtsstunden wurden seit Projektbeginn 2016 gegeben, über 1.300 Pädagogen haben sich im kostenlosen Angebot schulen lassen.

Finanziert wird das Medienprojekt zu gleichen Hälften vom Land Berlin und dem ESF. Die Antragstellung der wegen ihres Umfags gefürchteten Anträge auf EU-Fördermittel sei wie eine Doktorarbeit gewesen, meint Projekleiterin Winkler. Vor allem aber auf inhaltlicher Ebene, denn das Konzept musste sehr klar dargelegt werden.

Allerdings wäre das Projekt ohne die Verfügbarkeit der EU Gelder gar nicht erst zustande gekommen, meint Winkler. Damit habe man an der WeTeK ein sehr wichtiges Angebot schaffen können: „Pädagogen müssen wissen, wie sie am besten an das Kind herankommen. Man muss das Kind da abholen, wo es ist – heutzutage ist das eben am Computer oder Handy“.

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