Schweiz innovativstes Land Europas

Die Kommissare Antonio Tajani, Johannes Hahn und Máire Geoghegan-Quinn (v.l.) präsentieren am Dienstag (4. März) die aktuelle EU-Innovationsstatistik in Brüssel. Foto: dpa

Die Schweiz hängt die EU in punkto Innovationskraft ab, wie aktuelle Zahlen der EU-Kommission belegen. Wie lange sie ihre Spitzenposition allerdings noch behaupten kann, ist vor dem Hintergrund ihrer zunehmenden Abschottungsbestrebungen ungewiss. Auch Deutschland gehört bei der Innovation zu den Besten.

Die Schweiz bestätigt ihren Spitzenplatz als innovativstes Land Europas. Auch im letzten Jahr ließ sie in punkto Innovationskraft sämtliche EU-Staaten weit hinter sich, wie die Zahlen des neusten EU-Innovationsindex belegen. Das Ergebnis ist brisant, denn gerade erst im Februar hat die EU die Verhandlungen mit der Schweiz zum milliardenschweren Forschungsabkommen „Horizon 2020“ und dem Studentenaustauschprogramm „Erasmus+“ auf Eis gelegt. In Forschungs- und Hochschulkreisen geht seither die Sorge um, der Forschungsplatz Schweiz könnte seine starke internationale Stellung langfristig einbüßen. Auch schweizerische Unternehmen fürchten um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Der Grund für die Absage aus Brüssel ist das Ja des Schweizer Stimmvolks bei der Abstimmung „Gegen Masseneinwanderung“ am 9. Februar. Laut Volkswillen sollen zukünftig für EU-Bürger wieder Einreisebeschränkungen gelten, was ein Verstoß gegen die mit der EU ausgehandelte Personenfreizügigkeit bedeuten würde. Als Konsequenz aus dem Votum stoppte die Schweizer Regierung bereits die Verhandlungen zur Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf EU-Neuling Kroatien.

Deutschland immer noch top

Unbehelligt von Schweizer Abstiegssorgen behauptet die Bundesrepublik bei der Innovationskraft im EU-Vergleich ihre starke Position. Zwar büßte sie gegenüber dem Vorjahr einen Rang ein und belegt jetzt hinter Schweden und Dänemark nur noch Rang drei. Trotzdem bleibt Deutschland weiterhin in der besten Gruppe der „Innovationsführer mit einer weit über dem EU-Durchschnitt liegenden Innovationsleistung“, wie aus dem Bericht der EU-Kommission hervorgeht. Quelle: EC Am schwächsten schneiden laut Ranking Bulgarien, Lettland und Rumänien ab. Ihre Innovationsleistung liegt „weit unter dem EU-Durchschnitt“. Die Einstufung der Innovationsleistung beruht auf verschiedenen Faktoren, bei denen die innovativsten Länder in allen Bereichen deutlich über dem EU-Durchschnitt liegen: vom Forschungs- und Hochschulsektor über die Innovationstätigkeit der Unternehmen und das intellektuelle Kapital bis hin zur Innovation in KMU und den wirtschaftlichen Auswirkungen, die ausgewogene nationale Forschungs- und Innovationssysteme widerspiegeln. Nicht nur die Schweiz, auch Südkorea, die USA und Japan haben einen Innovationsvorsprung vor der EU. Während der Abstand zu den USA und Japan in den letzten Jahren um die Hälfte zurückgegangen ist, ist er gegenüber Südkorea größer geworden. Die EU behauptet nach wie vor ihren Leistungsvorsprung gegenüber Australien, Kanada und allen BRICS-Ländern (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika). Dieser Vorsprung ist stabil oder nimmt sogar zu, mit Ausnahme von China, das derzeit schnell aufholt.

Innovation bleibt Priorität

EU-Industriekommissar Antonio Tajani betont als Reaktion auf das aktuelle Ranking die Bedeutung der Innovation für Europa: „Innovationen in ganz Europa herbeizuführen, bleibt eine Priorität, wenn wir unser industriepolitisches Ziel erreichen wollen. […] Mehr Unternehmensinvestitionen, eine stärkere Nachfrage nach europäischen innovativen Lösungen und weniger Hindernisse für die Markteinführung von Innovationen sind Schlüsselelemente des Wachstums. Damit wir Innovationen erfolgreich auf den Markt bringen können, brauchen wir mehr innovative Unternehmen und wachstumsfreundliche Rahmenbedingungen.“ EU-Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn ergänzt: „Mit einem Budget von fast 80 Milliarden Euro für die nächsten sieben Jahre wird [..] Horizont 2020 dazu beitragen, dass wir diese Dynamik aufrechthalten können. Wir müssen nun EU-weit mehr in Innovationen investieren, damit wir unser Ziel erreichen, bis 2020 entsprechende Investitionen in Höhe von 3 Prozent des BIP vorzunehmen.“ pat

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