Netzbetreiber hinken bei Kapitalrendite hinterher

"Wir begrüßen die wachsende Aufmerksamkeit der politischen Entscheidungsträger:innen für dieses Thema, zumal die internetbasierte Wirtschaft sich in dem nächsten Jahrzehnt in alle Sektoren ausbreiten wird", sagte José María Álvarez-Pallete, der Vorsitzende des Global System for Mobile Communications (GSMA).  [Wright Studio/Shutterstock]

Laut einem neuen GSMA Bericht könnten Marktungleichgewichte hinsichtlich der Kapitalerträge zwischen Netzbetreibern und Online-Dienstleistern die globalen Wachstumsaussichten in mehreren Sektoren gefährden.

Der Bericht der GSMA, einer Branchenorganisation, die die Interessen der Mobilfunknetzbetreiber weltweit vertritt, wurde am Montag (16. Mai) veröffentlicht. Die Studie trägt damit zur Debatte über die Notwendigkeit bei, Investoren in die Kommunikationsinfrastruktur eine faire Rendite zukommen zu lassen.

Im Jahr 2020 verzeichneten Online-Dienste einen Umsatzanstieg von 19 Prozent, während die Rendite der Investitionen in die Infrastruktur für die Netzbetreiber nur zwischen 6 und 11 Prozent lag, heißt es in der Publikation.

Dies ist dem Bericht zufolge insofern problematisch, als die Telekommunikationsbetreiber, die Verbindungsinfrastrukturen betreiben, weiterhin in die Kapazität, Abdeckung und Geschwindigkeit der Netze investieren sollten, die Internetnutzer:innen den Zugang zu Online-Diensten ermöglichen.

Letzte Woche kündigte EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton an, dass die Europäische Kommission die inhaltsreichen Plattformen an den Kosten der Telekommunikationsnetze beteiligen wird.

Diese Initiative beruht auf dem Grundsatz, dass Marktakteure, die vom digitalen Wandel profitieren, einen fairen Beitrag zu den Infrastrukturkosten leisten sollten. Die neue Gesetzgebung soll noch vor Ende dieses Jahres vorgelegt werden.

„Wir begrüßen die wachsende Aufmerksamkeit der politischen Entscheidungsträger:innen für dieses Thema, zumal die internetbasierte Wirtschaft sich in dem nächsten Jahrzehnt in alle Sektoren ausbreiten wird“, sagte José María Álvarez-Pallete, der Vorsitzende des Global System for Mobile Communications (GSMA).

Wenn sichergestellt wird, dass alle Segmente der Internet-Infrastruktur eine faire Rendite erwirtschaften können, würde dies langfristige Investitionen fördern, und nicht nur die Unternehmen, die über die größten Plattformen und Größenordnungen verfügen“, so die Schlussfolgerung des GSMA-Berichts.

Im Jahr 2021 generierten die sechs größten Unternehmen für sich genommen mehr Datenverkehr als die gesamte Welt im Jahr 2018, wie eine Studie im Auftrag von ETNO (European Telecommunications Network Operators) ergab.

Christian Borggreen, der Vizepräsident des Tech-Handelsverbands CCIA, sagte jedoch, dass der Vorschlag der Kommission im Widerspruch zu den EU-Regeln zur Netzneutralität stehen würde.

Diese Regeln stellen sicher, dass es beim Zugang zu Inhalten und Diensten nicht zu Diskriminierungen kommt und jeglicher Datenverkehr gleich behandelt wird.

„Die Idee, für einige Online-Dienste Gebühren zu erheben, für andere aber nicht, ist per definitionem diskriminierend“, sagte Borggreen auf einer von ETNO am Montag veranstalteten Podiumsdiskussion über das europäische Internet-Ökosystem.

Borggreen betonte auch, dass die Technologieunternehmen bereits viele Ressourcen für Netzinfrastruktur, Tiefseekabel und Datenzentren ausgegeben hätten. „Und sie investieren Milliarden in innovative Inhalte und Dienste, was wiederum die Nachfrage nach Telekommunikationsdiensten antreibt“, so Borggreen.

Seiner Ansicht nach besteht das eigentliche Problem darin, dass die Telekommunikationsunternehmen Schwierigkeiten haben, ihren eigenen Kund:innen die Kosten für den Datenverbrauch in Rechnung zu stellen.

Wie genau die Europäische Kommission die Frage der fairen Vergütung angehen wird, bleibt abzuwarten. Laut Rita Wezenbeek, der Kommissionsdirektorin für Konnektivität, geht es dabei vor allem um die Frage, wie man Kriterien für Fairness aufstellt.

[Bearbeitet von Benjamin Fox/Oliver Noyan]

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