Nanotechnologie: EU-Beobachtungsstelle soll Politiker und Industrie unterstützen [DE]

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Im Rahmen eines EU-Projektes soll eine europäische Beobachtungsstelle für Nanotechnologien errichtet werden, durch das der Mangel an objektiven und unabhängigen Informationen über Nanotechnologien für Politiker, Industrie und Investoren behoben werden soll.

Das Projekt observatoryNANO ist eine erste Maßnahme zur Schaffung einer ständigen europäischen Beobachtungsstelle für Nanotechnologien. Diese würde „Entscheidungsträger laufend und unabhängig unterstützen”, so hoffen die Projektpartner.

Das Projekt wurde im April 2008 ins Leben gerufen. Es wird vier Jahre lang Mittel aus dem siebten Forschungsrahmenprogramm (RP7) der EU erhalten und hat ein Gesamtbudget von vier Millionen Euro. Das Projektkonsortium – angeführt vom britischen Institute of Nanotechnology (IoN) – vereinigt Partner aus verschiedenen Anwendungsbereichen der Nanotechnologie. Die Partner erstrecken sich vom dänischen Zentrum für Nanoethik über das französische Zentrum für Atomenergie (Commissariat à l’énergie atomique; CEA) und die Technische Universität in Darmstadt bis hin zum niederländischen Nationalinstitut für öffentliche Gesundheit und Umwelt (RIVM).

Das Konsortium wird die gegenwärtigen Entwicklungen im Bereich Nanotechnologie sowie die Erwartungen hinsichtlich öffentlicher und privater Fahrpläne und Finanzierungsstrategien analysieren und Patente sowie Unternehmensdaten prüfen. Neben wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Analysen werden die Projektpartner ethische und gesellschaftliche Fragen bewerten, die mit Nanotechnologie im Zusammenhang stehen, deren Folgen für Gesundheit und Umwelt sowie Standardisierung und andere rechtliche Fragen.

Nanotechnologie wird weithin als die wichtigste Technologie des 21. Jahrhunderts eingeschätzt und umfasst die Untersuchung und das Arbeiten mit Materialien auf kleinster Ebene. Vermutlich wird die Branche innerhalb der kommenden zehn Jahre einen Wert von einer Billion Euro erreichen. Die Befürchtungen nehmen jedoch zu, dass hier ein politischer Streit über die Gefahren von Nanotechnologie und deren gesundheitliche, ökologische und ethische Folgen entfachen könnte – wie dies auch bei der Biotechnologie der Fall gewesen war. Der Grund hierfür ist, dass Nanopartikel so klein sind, dass sie durch die Atmung oder die Haut aufgenommen werden können und ihr Verhalten im Körper oder in der Umwelt noch immer unerforscht ist.

Die Europäische Kommission schloss kürzlich eine Überprüfung der bestehenden EU-Regelungen ab, die entscheiden sollte, ob eine neue Rechtsetzung für Nanomaterialen notwendig ist, um diese Risiken abzudecken. Laut eines Kommissionsbeamten werde eine Mitteilung, die noch in diesem Frühjahr vorgelegt werde, beinhalten, dass keine neue Gesetzgebung notwendig sei, da die entsprechenden gesundheitlichen und ökologischen Risiken bereits beispielsweise durch EU-Gesetze für Chemikalien, neuartige Lebensmittel und Verpackungen abgedeckt würden.

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