Letta will Gründung einer europäischen Deep-Tech-Börse empfehlen

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In den USA beherbergt die Nasdaq-Börse die größten und innovativsten Technologieunternehmen der Welt, wie Elon Musks Elektroautounternehmen Tesla und den Halbleiterhersteller Nvidia. [Wikimedia Commons]

In einem mit Spannung erwarteten Bericht, der am Donnerstag (18. April) vorgestellt werden soll, wird der frühere italienische Ministerpräsident Enrico Letta die Schaffung einer EU-Börse empfehlen. Diese soll speziell auf Deep-Tech-Startups zugeschnitten sein, wie aus einem Entwurf hervorgeht, den Euractiv einsehen konnte.

Diese kapitalintensiven Startups in Bereichen wie Quantencomputing und Biotechnologie entwickeln ihre Technologien auf der Grundlage bedeutender wissenschaftlicher oder technologischer Durchbrüche. Dies macht sie besonders wichtig, da die Wettbewerbsfähigkeit Europas in der globalen Technologieszene hinterherhinkt.

Die Frage der Wettbewerbsfähigkeit ist in den letzten Monaten aufgrund einer Mischung aus geopolitischem und handelspolitischem Veränderungen, ganz oben auf die Tagesordnung der EU gerückt.

Letta wies auf mehrere Probleme an den Börsen in der EU hin, die verhindern, dass Deep-Tech-Startups in der EU die benötigten Mittel erhalten. Er erklärte, dass auf EU-Ebene „weniger risikoscheue […] Aufsichtsvorschriften“ für institutionelle Investoren, die in Deep-Tech anlegen, in Betracht gezogen werden könnten.

Ökosysteme florieren rund um diese Technologien und tragen zum Wirtschaftswachstum bei, was „zu einem großen Teil die wachsende Kluft zwischen den USA und der EU erklärt“, schreibt Letta. Er stellte nicht klar, ob sich die Kluft auf die Wirtschaftsleistung, die technologische Innovation oder etwas anderes bezieht.

Allerdings seien diese Bemühungen mit hohen Investitionsrisiken verbunden, die sich nur langfristig auszahlen könnten, schreibt Letta.

„Es gibt keinen oder nur einen kleinen Markt dafür und keine Garantie für einen Durchbruch“, und der Sektor sei von vielen Insolvenzen geprägt.

In der EU bringen die im Rahmen des Basel-II-Standards festgelegten globalen Bankvorschriften eine „Strafe“ für risikoreiche Investitionen mit sich, da diese mit mehr Kapital unterlegt werden müssen, um ein höheres Liquiditätsrisiko abzudecken, so der Bericht.

Letta schreibt weiter, dass diese aufstrebenden Unternehmen mit der düsteren Lage an den europäischen Aktienmärkten konfrontiert seien, und zwar genau in dem entscheidenden Moment, in dem ein Startup über ein lebensfähiges Produkt oder eine lebensfähige Dienstleistung verfüge und eine massive Finanzspritze benötige, um zu expandieren, was in der Regel durch einen Börsengang geschehe.

„Erstens stellen sie fest, dass keine nationale Börse in der EU groß genug ist, um das benötigte Kapital im Vergleich zu den USA schnell und kosteneffizient zu beschaffen. […] Zweitens stellen sie fest, dass die Marktbewertung – also der Betrag, den Anleger über dem für den Kauf neuer Aktien festgelegten ‚Mindestpreis‘ zahlen – in den EU-Mitgliedstaaten viel niedriger ist als in den USA“, so Letta.

Die USA sind weltweit der wichtigste Markt für Börsengänge im Technologiesektor, und Startups, auch aus Europa, strömen dorthin, um an den öffentlichen Märkten notiert zu werden, was den Wert für die EU-Wirtschaft verringert.

Die europäischen Märkte sind zudem fragmentiert, da die Börsen von nationalen Behörden betrieben werden, die diese Startups dem Bericht zufolge fälschlicherweise auf der Grundlage von Einnahmen und Gewinnen handhaben.

Ein EU-Börsenmarkt würde das verfügbare Kapital durch die Bündelung von Ressourcen zwar erhöhen, „kann [aber] die spezifischen [regulatorischen] Probleme von Deep-Tech-Startups nicht lösen“, heißt es in dem Bericht.

In den USA beherbergt die Nasdaq-Börse die größten und innovativsten Technologieunternehmen der Welt, wie Elon Musks Elektroautounternehmen Tesla und den Halbleiterhersteller Nvidia.

In China zielt eine Art Unterabteilung der Shenzhener Börse, ChiNext, auf Technologieunternehmen ab und wird als Nasdaq Chinas vermarktet. Im Jahr 2019 wurde an der Shanghaier Börse eine weitere Tech-Börse eingeführt.

[Bearbeitet von Anna Brunetti/Alice Taylor]

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