Die EU-Kommission hat das Europäische Jahr der Mobilität der Arbeitnehmer offiziell eröffnet. Es soll zu einer größeren Mobilität der Arbeitnehmer in der EU beitragen.
Die Kommission unterscheidet zwischen zwei Arten der Mobilität:
1. Geographische Mobilität
Im weltweiten Vergleich sind die Europäer geographisch besonders immobil. Sie sind stark mit ihren Heimatländern verbunden, deren Grenzen häufig mit sprachlichen Barrieren zusammenfallen. Nur 2 % aller Europäer im erwerbsfähigen Alter leben in einem anderen EU-Land als ihrem Herkunftsland und insgesamt 5 % haben zu irgendeinem Zeitpunkt im Ausland gelebt.
- Grenzüberschreitende Mobilität: Mit einer grenzüberschreitenden Mobilitätsrate von 7 % sind besser Ausgebildete relativ mobil. Allerdings sind Arbeitnehmer mit einem mittleren Bildungsniveau ihrem Land stärker verbunden (4 % Mobilität), als Erwerbstätige mit geringeren Qualifikationen (5 %). Dies steht im Gegensatz zu den Aussagen der Befragten, von denen 25 % – 50 % – abhängig davon, aus welchem Land sie kommen – angaben, für eine Anstellung auch ins Ausland zu gehen.
- Regionale Mobilität: Ungefähr 33 % der EU-Bürger sind schon einmal aus ihrer Heimatregion weggezogen und haben diese Entscheidung nicht bereut. Im Allgemeinen sind die besser Qualifizierten eher dazu bereit, in eine andere Region zu ziehen. Im Vergleich sind nur 23 % der schlechter Ausgebildeten hierzu bereit. Zwei Drittel aller Befragten sagten, dass sie bereit seien für einen Job in eine andere Region zu ziehen.
2. Berufliche Mobilität
EU-Bürger hängen sehr an ihrem Arbeitsplatz. Mit 10,6 Jahren, ist der durchschnittliche Verbleib an einem Arbeitsplatz mehr als 50 % länger als dies in den USA der Fall ist. Die Berufsmobilität ist im Allgemeinen in Ländern mit hohen sozialen Standards und geringer Arbeitsplatzsicherheit – wie z.B. in Dänemark und Schweden – höher und in Länder mit einer hohen Arbeitsplatzsicherheit geringer. Dennoch kann ein relativ geringes Sozialleistungsniveau abschreckend wirken, wie z.B. in Belgien und Polen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Erwerbstätige mit einer höheren Mobilität sich zusätzliche Qualifikationen aneignen ist höher, wodurch sich ihre langfristigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. 25% der mobilen Arbeitnehmer gaben an, dass sie sich bei einem Wechsel des Arbeitgebers neue Fertigkeiten aneignen mussten. Im Vergleich dazu erwarben nur 15 % der Arbeitnehmer, die im selben Unternehmen blieben, neue Fertigkeiten.
Bei der Frage, ob sie weit reichende Mobilität eher positive oder negativ einschätzen würden, spielen bei vielen EU-Bürgern traditionelle Werte eine große Rolle. In Irland, einem Land mit langer Migrationstradition, wird Mobilität am positivsten wahrgenommen. In Griechenland und Zypern, Ländern in denen der Familie noch immer eine besondere Funktion bei der sozialen Sicherheit zukommt, wird Mobilität als überwiegend negativ angesehen.
Während die Kommission sich bemüht, die Arbeitsnehmermobilität zu erhöhen, weigern sich die EU-15-Mitgliedstaaten, mit Ausnahme Großbritanniens, Schwedens und Irlands, ihre Arbeitsmärkte für die acht neuen mittel- und osteuropäischen EU-Länder zu öffnen. Sie sind verpflichtet, diese „Übergangsregelungen“ zu überprüfen, können sie aber um weitere drei Jahre verlängern. Danach kann die Übergangsphase letztmalig auf weitere zwei Jahre ausgedehnt werden.
Dies ist allerdings nur möglich, wenn es einen Beweis dafür gibt, dass der Zustrom an Arbeitskräften die Funktionalität des Arbeitsmarktes eines Landes stört (oder droht zu stören). Finnland und Spanien haben jedoch angekündigt, am 1. Mai 2006 ihre Arbeitsmärkte zu öffnen.

