Kaum Fortschritte bei Lissabon-Agenda

Aus dem zweiten Bericht der Kommission über die Umsetzung der
Grundzüge der Wirtschaftspolitik 2003-2005 geht hervor, dass die
Umsetzung der Lissabon-Agenda nur schleppend vorankommt.

Der zweite Bericht über die Umsetzung der Grundzüge der
Wirtschaftspolitik 2003-2005  zeigt ermutigende Fortschritte
in einigen Bereichen in Belgien, Dänemark, Irland, den
Niederlanden, Finnland und Großbritannien auf. In den anderen
Mitgliedstaaten haben indes nur begrenzt Fortschritte bei
der Lissabon-Agenda stattgefunden.

Im Jahr 2004 scheint es den Mitgliedstaaten besonders schwer
gefallen zu sein, die Grundzüge umzusetzen:

 

  • Ein Drittel sämtlicher Mitgliedstaaten verzeichnen
    Haushaltsdefizite von mehr als 3 Prozent des BIP, wodurch das
    durchschnittliche Defizit in der EU-25 auf fast 3 Prozent
    anwächst.
  • Die langfristige Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen ist
    in den meisten Mitgliedstaaten nicht gesichert.
  • Die Fortschritte hinsichtlich der Beschäftigungsziele für
    2005/2010 sind unzureichend.
  • Nur wenige Mitgliedstaaten haben Maßnahmen ergriffen, um die
    Flexibilität am Arbeitsmarkt zu verbessern.
  • Das Produktivitätswachstum hat sich verlangsamt.
  • Die Integration des Binnenmarkts kommt langsamer voran.
  • Die Fortschritte in Richtung einer ‚wissensbasierten
    Wirtschaft‘ geschehen nur allmählich.
  • Das Ziel, bis 2010 3 % des BIP in Forschung zu investieren,
    wird nicht erreicht werden (außer in Schweden und Finnland, wo dies
    bereits der Fall ist).
  • Die Fortschritte bei der Verwirklichung sozialer Nachhaltigkeit
    sind begrenzt.

Jedoch konnten die folgenden Fortschritte erzielt
werden: 

  • Reform des Arbeitsmarkts in Deutschland, Dänemark, den
    Niederlanden, Irland und Österreich
  • Liberalisierung der Netwerkindustrien
  • eine effizientere Wettbewerbspolitik
  • eine weitere Integration der Finanzmärkte
  • verbesserte Rahmenbedingungen für Unternehmen
  • Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen Nachhaltigkeit

Der Gemeinsame Beschäftigungsbericht 2004-2005, der ebenfalls am
27. Januar 2005 angenommen wurde, zeigt auf, dass in Bezug auf
die europäische Beschäftigungsstrategie kaum Fortschritte
erzielt worden sind. Diese zielt auf folgende Aspekte ab:
Vollbeschäftigung, Verbesserung der Arbeitsqualität und
-produktivität, Stärkung des sozialen Zusammenhalts und der
sozialen Eingliederung. Die derzeitige Beschäftigungsrate in der EU
liegt bei 63 %. Die diesbezügliche Zielsetzung der
Lissabon-Strategie ist jedoch 70 %. 

Im Jahr 2003 verabschiedete der Rat die 'Grundzüge der
Wirtschaftspolitik' für 2003-2005. Diese Grundzüge legten die
mittelfristige wirtschaftspolitische Strategie fest, die darauf
abzielt, Europa wettbewerbsfähiger zu machen. Der zweite Bericht
über die Umsetzung der Grundzüge der Wirtschaftspolitik, der am 27.
Januar 2005 veröffentlicht wurde, konzentriert sich vor allem auf
die politischen Maßnahmen, die in diesem Bereich seit 2003
ergriffen worden sind. Erstmals wird auch der Stand der
Umsetzung in den neuen Mitgliedstaaten bewertet. 

Der Bericht über die Umsetzung der Grundzüge macht einen Teil
des so genannten 'Umsetzungspakets' aus, das die Fortschritte bei
der Erfüllung der Lissabon-Ziele bewertet. Das Umsetzungspaket
umfasst einen 'Gemeinsamen Beschäftigungsbericht' sowie
einen Umsetzungsbericht über die Binnenmarktsstrategie.
Dieses aus drei Berichten
bestehende Paket liefert die wichtigsten
Hintergrundinformationen für die Ausarbeitung der Halbzeitbilanz
der Lissabon-Strategie und des Frühjahrsberichts des
Rates. 

Der EU-Frühjahrsgipfel wird vom 22. bis 23. März 2005
stattfinden.

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