Ja zu Stammzellenforschung könnte ausländische Forscher anlocken [DE]

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Das Veto des amerikanischen Präsidenten Bush gegen staatliche Förderung der embryonalen Stammzellenforschung und die parallel getroffene Entscheidung der EU-Minister, die Förderung fortzusetzen, könnte den Standort Europa für Forscher attraktiver machen. 

Während der Ratssitzung am 24. Juli 2006 machten Österreich, Litauen, Malta, Polen und die Slowakei deutlich, dass sie der embryonalen Stammzellenforschung ein Ende setzen wollen, während  Deutschland, Italien und Slowenien ihre Position änderten, nachdem es eine Zusicherung seitens der Kommission gab,  dass keine Mittel für Forschung bewilligt würden, für die die menschliche Embryonen vernichtet werden würden.  

Nach Auffassung einiger Experten könnte die verhältnismäßig liberale Handhabung dieses Bereichs eine anziehende Wirkung auf Stammzellenforscher aus den USA haben, wo Präsident Bush durch sein Veto die staatliche Förderung dieser Forschung unterbunden hat. 

Der Koordinator des EuroStemCell-Projekts, Professor Austin Smith, unterstreicht jedoch in einem Interview mit Cordis News, dass das Verbot staatlicher Förderung in den USA nicht gleichbedeutend ist mit einem Verbot für diese Forschung. Einzelne US-Bundesstaaten, wie zum Beispiel Kalifornien, verfügen über eigene Forschungsmittel für Stammzellenforschung und Privatunternehmen dürfen ebenfalls Forschung betreiben.

Ein Verbot der EU-Förderung von Stammzellenforschung hätte nur geringfügige Auswirkungen auf die allgemeine Forschungsarbeit in Europa gehabt, da europäische Stammzellenforschung, in den Ländern, in denen sie erlaubt ist, ohnehin primär über nationale Mittel finanziert wird. 

Der britische Forschungsminister, Lord Sainsbury, ist der Auffassung , das Veto von George Bush gegen staatliche Förderung für embryonale Stammzellenforschung „habe die Chancen eines positiven Brain Drains von Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Stammzellenforschung erhöht“. Falls die negative Haltung der USA in Zukunft anhält, könnte, laut Sainsbury, die regenerative Medizin in Europa einen Zulauf von Forschern aus den USA und aus anderen Ländern erfahren. 

Der Koordinator des EuroStemCell-Projekts, Professor Austin Smith, betonte in einem Gespräch mit CordisNews jedoch, dass das Veto von Präsident Bush diese Forschung in den USA nicht verbiete, sondern lediglich die Förderung durch staatliche Mittel verhindere. Viele Bundesstaaten, unter ihnen Kalifornien, wo gerade eine beträchtliche Summe für Stammzellenforschung bereitgestellt wurde, verfügten über eigene Förderinitiativen für Stammzellenforschung. Privatunternehmen können außerdem ihre eigene Forschung zu betreiben. Laut Professor Smith betreffe das Verbot der staatlichen Förderung daher „nur die Mittel der National Institutes for Health (NIH) und diese Lücke wird bald durch andere Geldquellen geschlossen werden“.

Die Royal Society, die größte Wissenschaftsakademie in Großbritannien, zeigte sich über die Entscheidung des Rates enttäuscht, keine EU-Gelder für Forschung zu bewilligen, durch die menschliche Embryonen, die nach In-Vitro-Befruchtungen überschüssig sind, zerstört werden. Diese würden „so oder so vernichtet“. Einige Forscher bezeichnen die Entscheidung des Rates als „irrational“, da sie die Forschungsförderung erlaubt, jedoch nicht die Beschaffung der embryonalen Stammzellen.

EuropaBio, die Europäische Vereinigung der Bioindustrie, sieht die Fortsetzung der Förderung von embryonaler Stammzellenforschung auf EU-Ebene als „ein positives Signal für die biotechnologische Forschung in Europa. Eines Tages wird die Wissenschaft dadurch möglicherweise die Lösung finden für Leiden wie Parkinson und Alzheimer“. EuropaBio fügt hinzu, dass das RP7 „für biotechnologische Unternehmen einen Aufschwung ihrer innovativen Forschung in den Bereichen Gesundheit, Lebensmittel, Landwirtschaft, Energie und Umweltschutz mit sich bringt“.

Janez Poto?nik, EU-Kommissar für Wissenschaft und Forschung, dankte der finnischen Präsidentschaft für die Einberufung des außerordentlichen Treffens, „das entscheidend war, wenn wir unseren ursprünglichen Zeitplan RP7 bis Ende des Jahres zu verabschieden, einhalten wollen“.

Der finnische Handelsminister, Mauri Pekkarinen, sagte, die finnische Präsidentschaft sei bei der Einberufung des außerordentlichen Treffens „ein kleines Risiko“ eingegangen, es sei es jedoch wert gewesen.

Der Vatikan geißelte den EU-Kompromiss als „inakzeptabel für die Kirche“. 

Die embryonale Stammzellenforschung  wird als unerlässliche bewertet, um erfolgreiche Behandlungsmethoden für Diabetes und neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer zu finden, die in der alternden Bevölkerung Europas immer häufiger auftreten.

In den EU-Mitgliedstaaten gehen die Positionen  zu dem Thema Stammzellenforschung jedoch weit auseinander und die Gesetze der Mitgliedsstaaten spiegeln  das unterschiedliche Verständnis von Ethik, Philosophie und Religion wider.

Die größte Herausforderung des Rates bestand somit während der Verhandlungen über das 7. Forschungsrahmenprogramm darin, in dieser Frage einen Kompromiss zu erzielen. (siehe EURACTIV 24. Juli 2006).

Den Forschungsministern der EU gelang es schließlich am 24. Juli 2006, zu einer Einigung  über das Siebte Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung (RP7) zu gelangen. 

Am 19. Juli hatte US-Präsident Bush Veto eingelegt gegen die staatliche Förderung von Stammzellenforschung.

  • Der Beschluss des Rates muss noch von dem Europäischen Parlament in zweiter Lesung angenommen werden. Diese wird wahrscheinlich am 29. November 2006 durchgeführt.

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