Interview: ‚Positive Diskriminierung‘ soll Wissenschaftlerinnen stärken [DE]

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Europa sollte nicht vor ‚positiver Diskriminierung’ als ein Mittel zurückscheuen, um Wissenschaftlerinnen zu fördern. Dies werde helfen, dem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in wissenschaftlichen Disziplinen zu begegnen, so die Verfasserin eines Parlamentsberichts über Frauen in der Wissenschaft in einem Interview mit EURACTIV.

Der Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter des Europäischen Parlaments nahm am 14. April 2008 einen Bericht über die Rolle der Frau in der Wissenschaft an. Er richtet die Aufmerksamkeit auf die gegenwärtige Unterrepräsentation von Wissenschaftlerinnen, die er als Verlust des Potentials wissenschaftlicher Absolventinnen bezeichnet.

Die Förderung von Frauen in der Wissenschaft sei „nicht nur ein feministisches Streben nach Gleichberechtigung“, so die dänische sozialdemokratische Europaabgeordnete Britta Thomsen, die Verfasserin des Berichts, in einem Interview mit EURACTIV.com. „Es geht im Wesentlichen um das europäische Wachstum, Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit in der Zukunft“, fügte sie hinzu.

Thomsen zufolge schienen sich „die Dinge nicht automatisch zu ändern“, daher sollten sowohl auf europäischer und als auch auf nationaler Ebene Maßnahmen ergriffen werden, die den vorherrschenden Stereotypen ein Ende setzten, welche Frauen an einer wissenschaftlichen Karriere hindern.

Sie glaubt, das Ausbildungssystem sollte verstärkt junge Mädchen dazu ermutigen, sich für eine wissenschaftliche Karriere zu entscheiden, als dies gegenwärtig der Fall sei. Darüber hinaus sollten Mittel zur Verfügung gestellt werden, die es Wissenschaftlerinnen ermöglichen würden, ihre Karriere zu verfolgen. Ihrer Meinung nach könnten auch die Schaffung von Vorbildern und verbesserte Mentorenprogramme mehr junge Frauen dazu bringen, eine Naturwissenschaft zu studieren (EURACTIV vom 10. März 2008).

Der Bericht empfiehlt auch die Geschlechtergleichstellung in europäischen und nationalen Programmen. Sie ist der Ansicht, dass „alle Universitäten und Forschungsinstitutionen verstehen müssen, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, Strategien zur Gleichstellung der Geschlechter zu entwickeln, wenn sie sowohl Studentinnen als auch Abreitnehmerinnen für gewinnen wollen“. 

Auf die Frage, ob man positive Diskriminierung einsetzen sollte, um Wissenschaftlerinnen zu fördern, sagte sie, man solle „nicht davor zurückscheuen“. „Dies sollte kein Selbstzweck sein, aber es ist notwendig, dass Maßnahmen ergriffen werden, welche die gegenwärtigen Systeme und Traditionen reformierten, da diese offensichtlich in gewisser Weise Männer ‚in positiver Form diskriminieren’“.

Der Bericht behauptet, in Wirklichkeit sei es so, wolle man als Ingenieur anerkannt werden, müsse man wie ein Ingenieur aussehen, wie ein Ingenieur sprechen und sich wie ein Ingenieur verhalten. An den meisten Arbeitsplätzen bedeute dies, dass man wie ein Mann aussehen, sprechen und handeln müsse, stellt er fest. Europaabgeordneten zufolge spielten solche Entscheidungen eine deutliche Rolle, wenn über Einstellungen oder Beförderungen entschieden würde.

Um das vollständige Interview zu lesen, klicken Sie bitte hier.

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