Die Vorsicht der EU, neue Technologieanwendungen wie GVO oder mit Nanotechnologie behandelte Produkte auf dem EU-Markt zuzulassen, konnte die EU bisher vor größeren Gegenbewegungen bewahren. Allerdings könnte diese Haltung dem Block auch seine Chancen verwehren, seine Wettbewerbsfähigkeit auszubauen, so ein Politikanalyst einer Arbeitsgruppe aus Brüssel im Interview mit EURACTIV.com.
The debate on the precautionary principle, the basis on which EU’s risk assessments are made, is often linked to the debate on European competitiveness, with some arguing that it is a major hindrance to innovation, said Marie-Hélène Fandel of the European Policy Centre (EPC).
Die Debatte über die Vorsicht, mit der die EU ihre Risikoeinschätzungen unternimmt, ist oft mit der Debatte europäischer Wettbewerbsfähigkeit verbunden. Viele sähen in dieser Vorsicht ein deutliches Hindernis für Innovation, erklärte Marie-Hélène Fandel vom European Policy Centre (EPC).
Sie fügte hinzu, dass bei einer zu vorsichtigen Handlungsweise, kein Fortschritt möglich sei und die EU schlussendlich sogar ihren Wettbewerbsvorteil verlieren könnte. Auf der anderen Seite, so Fandel weiter, sollten neue Technologien nicht zugelassen werden, wenn ein bedeutendes Risiko für Gesundheit und Umwelt bestünden. Dazu müsse man Vorteile und Kosten abwägen und einschätzen, ob die Risiken gesteuert werden könnten.
Da technologischer Fortschritt sowohl Herausforderungen als auch Möglichkeiten beinhalte, seien Diskussionen besonders wichtig, wenn die Auswirkungen der neuen Technologien relativ unbekannt oder umstritten seien, erklärte sie. Im Weiteren hob sie Unterschiede zwischen solchen EU-Mitgliedsstaaten hervor, die dazu tendierten, unmittelbare Möglichkeiten gleich zu ergreifen, und solchen, die vorsichtiger seien.
Fandels Meinung nach besteht die zentrale Herausforderung darin, die möglichen Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu erfassen. Die hervorzuhebenden Möglichkeiten hingegen würden das Potential von Nano- und Biotechnologie einschließen, beispielsweise um spezifische Krankheiten heilen zu können und den Energieverbrauch zu senken.
In der Zwischenzeit würden neue Technologien auch ethische Fragen aufbringen, etwa in Bezug auf Fortpflanzungsmedizin und die Verwendung von Stammzellen, fügte Fandel hinzu.
Mit einer steigenden Zahl von Produkten, die neue Technologien wie Nanotechnologie oder Biotechnologie beinhalten, sei ein gemeinsamer Ansatz vonnöten, um eine Aufsplitterung des gemeinsamen Marktes aufgrund von Produktsicherheit zu vermeiden, argumentierte sie. Es sei auch wichtig, dass Entscheidungsträger die Risiken der Untätigkeit anerkennen würden, sollte die EU es versäumen, rasch auf neue Technologien zu reagieren. Sie warnte, dass die wirtschaftlichen Vorzüge und neuen Jobs sonst Europas Konkurrenten zugute kommen könnten.
Was sicherlich verbessert werden müsse, so Fandel weiter, sei die Geschwindigkeit, mit der auf neue Technologien reagiert würde. Als Beispiel nannte sie die Nanotechnologie, für die die EU erst einen Verhaltenskodex zur verantwortungsvollen Herstellung aufsetzte, nachdem bereits Güter den EU-Markt erreicht hatten, welche Nanotechnologie beinhalteten.
Sie meinte, dass es nicht unbedingt schlecht sei, wenn Politiker über die Autorisierung neuer Technologien entschieden. Wissenschaft sei ohnehin nur sehr selten neutral und würde von Kostennutzenanalysen und Risikobewertungen der Produkte abhängen.
Wichtig sei, so Fandel weiter, dass Politiker an der öffentlichen Wahrnehmung arbeiteten. Wirklich wichtig sei, wie mit diesen Risiken umgegangen werde und wie sie der Öffentlichkeit kommuniziert würden. Nur dann könne Angst vor der Annäherung an neue Technologien vermieden werden, sagte sie. Kein Aufwand solle gescheut werden, um die Unterstützung der Mitgliedsstaaten und der öffentlichen Meinung zu gewinnen, argumentierte sie. Weiter fügte sie hinzu, dass auch eine Analyse der Fehler der Politiker wichtig sei, die so viel negativen Medienrummel zuließen und somit die Tür für Ängste öffneten.

