Intel plant Milliardeninvestitionen in Mikrochips der nächsten Generation in EU

"In den Produktionsstätten wird die jeweils neueste Technologie zum Einsatz kommen, also zwei Nanometer oder niedriger“, sagte die Deutschlandchefin des US-Halbleiterherstellers Intel, Christin Eisenschmid, im Interview mit EURACTIV. [Nor Gal/Shutterstock]

Mit Investitionen in Höhe von 80 Milliarden Euro will Intel seine Produktionsstätten in Europa massiv ausbauen und setzt dabei auf Mikrochips der nächsten Generation, die zwei Nanometer und kleiner sind.

Bislang ist die Produktion der Hightech Halbleiter vor allem auf Asien beschränkt. Dort gehen in den modernsten Produktionsstätten bislang Halbleiter in der Größe von drei Nanometern vom Fließband. Jetzt wurde bekannt, dass Intel mit den acht geplanten Halbleiterfabriken in Europa gerade auf diese modernsten Halbleiter setzen will.

In den Produktionsstätten sollen Halbleiter auf der Grundlage „der neuesten Technologie produziert werden, also zwei Nanometer oder niedriger“, sagte die Deutschlandchefin des US-Halbleiterherstellers Intel, Christin Eisenschmid, im Interview mit EURACTIV.

Das Bestreben von Intel deckt sich damit mit den strategischen Zielen der EU. Wegen der anhaltenden Lieferengpässe bei Halbleitern, die Unternehmen in der EU derzeit Verluste in Milliardenhöhe bescheren, hat die Kommission den Ausbau der europäischen Produktionskapazitäten zu einer geostrategischen Notwendigkeit erklärt.

Dabei wurde von der Kommission gerade die von Intel anvisierte Marke von zwei Nanometern als Ziel für den Ausbau der europäischen Produktionskapazitäten gesetzt, um im Wettstreit um die Technologien der Zukunft nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Halbleiter gelten als das Rückgrat der digitalen Transformation. Gerade die kleinsten Mikrochips werden für Zukunftstechnologien, wie KI-basierte Anwendungen, autonomes Fahren oder das Internet der Dinge benötigt.

Laut einer Studie des Consulting-Unternehmens Kearney wird die Nachfrage nach hochmodernen Halbleitern in Europa in den nächsten Jahren rasant ansteigen – von derzeit 19 Prozent der Gesamtnachfrage auf 43 Prozent in 2030. Gleichzeitig wird sich auch die Nachfrage nach Halbleitern insgesamt mehr als verdoppeln.

„Die Zukunft liegt daher wirklich in den neuen Prozessor-Technologien“, betonte Eisenschmid.

Intels Investitionsoffensive

Intel hatte zuletzt einiges an Marktanteilen gegenüber seinen Konkurrenten eingebüßt. Erst 2021 ist der Konkurrent Samsung an dem jahrzehntelangen Marktführer vorbeigezogen. Auch im Hochtechnologiebereich steht der US-Konzern hinter dem taiwanesischen Rivalen TSMC zurück.

„Momentan ist Intel nicht in der Lage, die modernsten cutting-edge Halbleiter herzustellen, weil sie den Aufsprung auf die neueste Generation von Halbleitern verpasst haben“, erklärte Niclas Poitiers, Research Fellow bei dem Think-Tank Bruegel gegenüber EURACTIV.

Für Poitiers bleibt es daher fraglich, ob Intel überhaupt in der Lage ist, in naher Zukunft Produktionsstätten für Halbleiter mit zwei Nanometern herzustellen. Die Ankündigung könnte in diesem Zusammenhang auch einen „Köder für Investitionen darstellen“, sagte Poitiers.

Um den Negativtrend umzukehren, hat Intel unter der Führung des neuen CEOs Patrick Gelsinger eine breite Investitionsoffensive angestoßen, mit der das Unternehmen verlorenen Boden gegenüber den Rivalen Samsung und TSMC wieder wettmachen will.

Erst am vergangenen Freitag (21. Januar) teilte der Chiphersteller mit, rund 20 Milliarden Euro im US-Bundesstaat Ohio investieren zu wollen. Bis zum Ende des Jahrzehnts will der US-Konzern dort ganze 100 Milliarden Euro investieren.

Zusätzlich zu den geplanten 80 Milliarden Euro an Investitionen in der EU will Intel auch seine bestehende Fabrik in Irland ausbauen und dafür Milliardensummen in die Hand nehmen.

Der Wettlauf um Subventionen

Allerdings macht Intel den Umfang der Investitionen von der Höhe der staatlichen Förderungen abhängig.

In Bezug auf die Investitionen in den USA hat der Halbleiterhersteller bereits am Freitag explizit deutlich gemacht, dass diese zumindest teilweise an die Höhe der Subventionen gekoppelt seien.

Auch für den Ausbau seiner Halbleiterfabriken in Europa fordert Intel Subventionen in Milliardenhöhe. Rund 40 Prozent des Investitionsvolumens in Europa sollen von öffentlicher Hand finanziert werden – was rund 32 Milliarden Euro entspricht.

„Die 40 Prozent sind in etwa der Betrag, der nötig ist, um die Finanzierungslücke, die gegenüber Asien besteht, zu schließen“, sagte Intels Deutschlandchefin Eisenschmid.

Denn einerseits seien die Produktions- und Lohnkosten in Asien wesentlich niedriger, während die asiatischen Länder auch gleichzeitig mit höheren staatlichen Fördermitteln aufwarten.

Vestager hatte diesbezüglich bereits im November vor einem möglichen „Subventions-Wettlauf“ auf internationaler Ebene gewarnt.

Intel wiederum argumentiert, dass es sich weniger um einen Subventions-Wettlauf als um einen „Wettlauf um die Technologieführerschaft und die Wettbewerbsfähigkeit“ Europas handle, so Eisenschmid.

Staatliche Finanzierungslücken?

Bislang bleibt allerdings fraglich, woher die Milliarden-Subventionen in Europa kommen sollen.

Deutschland, das neben Frankreich und Italien in der engeren Auswahl für den Halbleiterstandort ist, hat beispielsweise im September ein drei Milliarden Euro schweres Förderpaket für die Halbleiterindustrie angekündigt – ist damit aber noch weit von den geforderten 32 Milliarden entfernt.

Zwar plant Intel, die Investitionen auf die nächsten 10 bis 15 Jahre zu verteilen, das Aufbringen der geforderten Summe würde die EU-Staaten jedoch trotzdem vor erhebliche Finanzierungsschwierigkeiten stellen.

Zudem könnte auch das Europäische Beihilferecht Schwierigkeiten bereiten. Zwar sind Subventionen für Investitionen im Rahmen des sogenannten ‘Important Projects of Common European Interest‘ (IPCEI) prinzipiell möglich, allerdings sind diese an das Innovationspotenzial der Investitionen gekoppelt.

Allerdings könnte ein neuer Rechtsakt der EU hier Abhilfe schaffen, denn die Europäische Kommission arbeitet derzeit am EU Chips Act, mit dem Ziel, die Halbleiterindustrie zurück nach Europa zu bringen.

Die Kommission hat sich darin nicht nur das Ziel gesetzt, die Europas internationale Marktanteile an der Halbleiterproduktion bis 2030 auf 20 Prozent mehr als zu verdoppeln, sondern plant auch eine Lockerung der Subventionsregeln für die Halbleiterindustrie. Dadurch könnten sich neue Handlungsspielräume für staatliche Investitionen ergeben.

Eisenschmid zeigt sich jedenfalls zuversichtlich. Die Diskussionen mit den verschiedenen Regierungsvertretern seien „sehr vielversprechend“.

„Das Interesse ist groß, mit uns zusammenzuarbeiten und eine Partnerschaft einzugehen“, sagte sie gegenüber EURACTIV.

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