Industrie wünscht sich „radikal mehr“ emissionsfreie Lkw

Die Zahl der emissionsfreien Lkw müsste bis 2030 um das Hundertfache steigen, so die Industrie. Im Bild: Der Prototyp eines wasserstoffbetriebenen Trucks aus dem Hause Mercedes-Benz. [EPA-EFE/FILIP SINGER]

Die Zahl der emissionsfreien Lkw auf europäischen Straßen muss von derzeit rund 2.300 auf 200.000 im Jahr 2030 steigen, wenn die CO2-Ziele der EU erreicht werden sollen, warnen Lkw-Hersteller.

Dies würde also bedeuten, dass der Anteil der emissionsfreien Lkw innerhalb von zehn Jahren um das 100-fache ansteigen muss – eine Veränderung, die Eric-Mark Huitema, Generaldirektor des Europäischen Automobilherstellerverbandes ACEA, mit der Einschätzung „radikal und bisher beispiellos“ wohl treffend bezeichnet.

Die Strategie der Europäischen Kommission für nachhaltige und intelligente Mobilität, die im Dezember vorgestellt wurde, sieht hingegen vor, dass bis 2030 rund 80.000 emissionsfreie Lkw auf den Straßen unterwegs sein sollen. Diese Zahl liegt deutlich unter den von der ACEA genannten 200.000 Fahrzeugen.

Bis 2050 sollen dann nahezu alle Autos, Transporter und schweren Nutzfahrzeuge emissionsfrei sein, so die EU-Strategie weiter.

Bei der ACEA geht man jedoch davon aus, dass das Ziel der Kommission für 2030 nicht ausreicht, um die EU auf den richtigen Weg zu bringen, die Klimaziele zu erreichen. Darüber hinaus würde man nach aktuellem Stand auch hinter der 30-prozentigen Senkung der Emissionen von schweren Nutzfahrzeugen bis 2030 zurückbleiben.

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Ähnlich kritisch äußert sich die NGO Transport & Environment (T&E) zum Ziel der EU-Exekutive für Null-Emissions-Lkw. Das Ziel von 80.000 emissionsfreien Lkw bis 2030 scheine angesichts der Marktentwicklung „sehr weit“ hinter dem Notwendigen zurückzubleiben und stehe „nicht im Einklang mit dem Ziel Klimaneutralität bis 2050“, so die bei T&E für den Bereich Frachtverkehr zuständige Tiziana Frongia.

„Emissionsfreie Lkw-Modelle kommen auf den Markt und ihr Angebot sollte schnell erhöht werden, um sicherzustellen, dass im Jahr 2030 mindestens jeder dritte verkaufte Lkw emissionsfrei ist,“ fügt sie hinzu.

Die europäischen Truck-Hersteller würden sich für emissionsfreie Lkw einsetzen, betont Lobbyist Huitema. Die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten müssten jedoch Unterstützung leisten, um eine derartige Steigerung möglich zu machen. Dazu gehören der Aufbau eines EU-weiten Netzes von Lkw-tauglicher Lade- und Betankungsinfrastruktur, die Einführung von CO2-basierten Straßenbenutzungsgebühren und die Besteuerung von Kraftstoffen nach Kohlenstoff- und Energiegehalt.

Die EU-Exekutive hat sich ihrerseits bereits das Ziel gesetzt, bis 2025 EU-weit 1.000 Wasserstofftankstellen und eine Million öffentliche Ladestationen zu errichten.

In einer neuen Studie der ACEA wird indes geschätzt, dass aktuell 6,2 Millionen mittelgroße und schwere Nutzfahrzeuge auf den Straßen der EU unterwegs sind. Diese werden fast ausschließlich mit Diesel betrieben.

Lediglich 0,04 Prozent der Trucks gelten schon heute als emissionsfrei.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]

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