ILO-Bericht: Weltweite Arbeitslosigkeit steigt in den nächsten fünf Jahren weiter

Proteste in Dublin gegen die Sparpolitik der EU. Foto: [Tomasz Szustek]

In einem Bericht warnt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO): Die Zahl der Arbeitslosen wird in den nächsten Jahren weltweit steigen. EURACTIV Brüssel berichtet.

Derzeit sind weltweit 201 Millionen Menschen ohne Arbeit. Die Zahl der Arbeitslosen könnte laut ILO-Bericht World Employment and Social Outlook – Trends 2015 bis 2019 auf 212 Millionen anwachsen.

„Mehr als 61 Millionen Arbeitsplätze gingen seit Beginn der weltweiten Krise 2008 verloren und unsere Prognosen zeigen, dass die Arbeitslosigkeit bis zum Ende des Jahrzehnts weiter steigen wird. Das bedeutet, die Job-Krise ist noch lange nicht vorbei, also gibt es keinen Grund für Selbstzufriedenheit“, sagt der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation, Guy Ryder.  

Die Arbeitssituation hat sich in den Vereinigten Staaten und Japan verbessert. Es wird aber schwierig bleiben, in einer Reihe anderer fortgeschrittener Volkswirtschaften wie Europa eine Arbeit zu finden.

Sollte sich der steile Fall der Öl- und Gaspreise als nachhaltig erweisen, sagt die ILO eine Verbesserung der Beschäftigungsaussichten in vielen fortgeschrittenen Volkswirtschaften voraus. Allerdings würde das die Arbeitsmärkte der Öl- und Gasproduzenten insbesondere in Lateinamerika, Afrika und der arabischen Region hart treffen.

Die Jugendarbeitslosigkeit wird weiterhin ein großes Problem darstellen. Insbesondere junge Arbeitskräfte der Alterskategorie 15-24 Jahre sind von der Krise betroffen. Die Jugendarbeitslosenquote von 13 Prozent aus dem vergangenen Jahr wird voraussichtlich in den kommenden Jahren weiter steigen. Ältere Arbeitskräfte sind seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise 2008 besser dran.

„Die gute Nachricht ist, dass die Zahl der Arbeiter in bedrohten Jobs und die Armut trotz Erwerbstätigkeit weltweit gefallen sind. Dennoch ist es immer noch nicht akzeptabel, dass beinahe die Hälfte der Arbeiter auf der Welt keinen Zugang zu grundlegenden Notwendigkeiten und guter Arbeit hat. Für Frauen stellt sich die Situation noch schlechter dar“, so Ryder.

Soziale Unruhen

Dem ILO-Bericht zufolge sind es insbesondere zwei Faktoren, die das Überwinden der Krise schwierig machen: Die wachsende und andauernde Ungleichheit und ungewisse Aussichten für Unternehmensinvestitionen.  

„Wenn niedrige Löhne dazu führen, dass die Menschen weniger verbrauchen, und Investitionen ausbleiben, hat das natürliche negative Folgen für das Wachstum. Die Einkommensungleichheit nähert sich in einigen fortgeschrittenen Volkswirtschaften der in aufstrebenden Volkswirtschaften an“, erklärt Ryder. „Dagegen haben die aufstrebenden Volkswirtschaften gewisse Fortschritte bei der Verringerung ihrer hohen Ungleichheit gemacht.“

Das Vertrauen der Menschen in die Regierungen ist dem Bericht zufolge unterhöhlt. Dementsprechend sei das Risiko für soziale Unruhen groß. Das gelte insbesondere für Länder mit hoher oder schnell wachsender Jugendarbeitslosigkeit.  

„In Übereinstimmung mit der weltweiten Arbeitslosenrate ist das prozentuale Aufkommen von sozialen Unruhen seit Krisenbeginn in die Höhe geschnellt, und liegt jetzt zehn Prozent höher als vor der Krise“, so der Bericht.

Strukturelle Faktoren der Arbeitswelt beeinflussen das weltweite Wirtschaftswachstum ebenfalls. Dazu zählen das zurückgehende Arbeitskräfteangebot aufgrund alternder Bevölkerung und große Veränderungen bei der Nachfrage von beruflichen Fertigkeiten. 

Auf globaler Ebene steigt der Anteil der nicht-routinemäßigen Arbeit für Geringqualifizierte wie Sicherheitspersonal und Beschäftigte des Gesundheitswesens. Dasselbe gilt für nicht-routinemäßige Arbeitsplätze für Hochqualifizierte wie Anwälte und Software-Ingenieure. Dagegen gibt es immer weniger routinemäßige Arbeitsplätze für Mittelqualifizierte in Bereichen wie Buchhaltung oder Büroarbeit.

„Die Trends, die wir sehen, sind besorgniserregend, aber wir können das allgemeine wirtschaftliche Bild verbessern, wenn wir die zugrundeliegenden Schwächen anpacken, insbesondere der andauernde Nachfragemangel, die Stagnation in der Euro-Zone, die ungewissen Aussichten produktiver Investitionen, besonders unter kleinen Unternehmen, und die wachsende Ungleichheit“, so Ryder.

Die Kommission sagt sinkende Arbeitslosenzahlen für die EU voraus. Sie soll 2015 auf zehn Prozent und bis 2016 auf 9,5 Prozent sinken. Im vergangenen Jahr lag sie EU-weit bei 10,3 Prozent.

Unter den Mitgliedsstaaten wird Griechenland voraussichtlich den größten Sprung machen. Das Land kämpft aufgrund der Wirtschaftskrise in den vergangenen Jahren mit verheerenden Arbeitslosenzahlen. In diesem Jahr liegt die Arbeitslosigkeit bei 26,8 Prozent. Bis 2016 soll sie auf 22 Prozent zurückgehen.

Spanien könnte Griechenland als EU-Schlusslicht bei der Arbeitslosigkeit ablösen. Die Kommission prognostiziert den Spaniern eine Arbeitslosenquote von 22,2 Prozent für das kommende Jahr.

Der europäische Arbeitsmarkt ist mit einer paradoxen Situation konfrontiert. Auf der einen Seite hat die Arbeitslosigkeit in den Mitgliedsstaaten eine Rekordhöhe erreicht. Doch auf der anderen Seite bleiben Millionen Stellen in wichtigen Wirtschaftssektoren unbesetzt.

Es werden große Anstrengungen unternommen, die Arbeitslosigkeit zu senken und die beruflichen Fähigkeiten der einheimischen Arbeitskräfte dem Arbeitsmarkt anzupassen. Dennoch haben die in Europa ansässigen internationalen Unternehmen und KMUs große Schwierigkeiten, die erforderlichen Arbeitskräfte einzustellen.

  • 21.-24. Januar: Weltwirtschaftsforum in Davos

Internationale Arbeitsorganisation (ILO):

 

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