Grünen-Europaabgeordnete fordert mehr Transparenz bei Empfehlungs-Algorithmen

"Wir müssen Transparenz schaffen für die Empfehlungs-Algorithmen bei großen Onlineplattformen", so die Grünen-Europaabgeordnete Anna Cavazzini. [Shutterstock]

Vor der für diesen Montag (8.November) geplanten Anhörung der Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen im EU-Parlament hat die Grünen-Europaabgeordnete Anna Cavazzini einen transparenteren Einsatz von Empfehlungs-Algorithmen in Onlinenetzwerken gefordert.

„Wir müssen Transparenz schaffen für die Empfehlungs-Algorithmen bei großen Onlineplattformen“, sagte die deutsche Parlamentarierin der Nachrichtenagentur AFP. Es müsse „wirklich klar“ sein, „auf welcher Basis“ diese Algorithmen funktionierten.

Hinsichtlich der Praxis von US-Onlinegiganten wie Facebook oder Google, Nutzer:innen anhand von teils geheimen Algorithmen unterschiedliche Inhalte zu präsentieren, forderte Cavazzini „stärkere Auswahlmöglichkeiten für Nutzerinnen und Nutzer“. So solle die virtuelle Pinnwand auf Plattformen nur dann, „wenn Nutzerinnen es wirklich wollen“, mittels Algorithmen geordnet werden.

Diese Empfehlungs-Algorithmen sind einer der Kritikpunkte der am Montag im Europäischen Parlament auftretenden Whistleblowerin Haugen. Sie wirft ihrem ehemaligen Arbeitgeber Facebook vor, aus Profitinteresse bewusst Algorithmen einzusetzen, die spalterische und schädliche Inhalte fördern, weil diese zu mehr Interaktion führten.

Es sei wichtig, dass sich Facebook den Anschuldigungen Haugens stelle, sagte Cavazzini. Sie ist Vorsitzende des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz, der Haugen nach Brüssel eingeladen hat.

Doch glaube sie nicht an Selbstverpflichtungen der Online-Konzerne, betonte die Grünen-Politikerin. Vielmehr sei es wichtig, „dass es klare, demokratische Regeln gibt, wie solche gigantischen Onlineunternehmen funktionieren“.

Von der Anhörung der ehemaligen Facebook-Mitarbeiterin erwarteten die Ausschussmitglieder „mehr Erkenntnisgewinn“, sagte Cavazzini. Facebook sei von Außen betrachtet „immer noch eine Black Box“.

Haugen könne mit ihrem internen Wissen sehr viel darüber mitteilen, wie die Mechanismen von Facebook „eigentlich funktionieren“. Dies könnten die Abgeordneten für ihre politische Arbeit nutzen, um „informiertere Entscheidungen“ zu treffen.

Das EU-Parlament befasst sich derzeit mit den Vorschlägen der Europäischen Kommission zur strengeren Regulierung von Online-Riesen. Diese sollen unter anderem verpflichtet werden, stärker gegen Hass- und Falschnachrichten vorzugehen.

Die Europaabgeordneten werden voraussichtlich in den kommenden Monaten über ihre Position zum sogenannten Digital Services Act (DSA) und dem Marktkontrollgesetz (DMA) abstimmen, mit denen die Online-Plattformen reguliert werden sollen.

Die frühere Facebook-Produktmanagerin Haugen hatte sich Anfang Oktober als Whistleblowerin zu erkennen gegeben, die Dokumente des Konzerns an Behörden und die US-Zeitung „Wall Street Journal“ weitergereicht hatte.

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