„Goldesel“ Facebook: „Wir haben 4,5 Millionen Jobs geschaffen“

[Jason McELweenie/Flickr]

Internet-Riese Facebook reagiert mit einer hauseigenen Studie auf Kritik der EU und Deutschlands: Demnach soll Mark Zuckerbergs Imperium weltweit 195 Milliarden Euro generiert und die Schaffung von 4,54 Millionen Arbeitsplätzen ermöglicht haben. EURACTIV Brüssel berichtet.

Facebook tut Gutes – nicht nur für die Menschen, sondern auch für Europas Wirtschaft. Diesen Eindruck vermittelt zumindest ein Bericht des Internet-Giganten Facebook, der dessen positiven Einfluss auf die Weltwirtschaft herausstellt. Damit will das Unternehmen besonders kritischen Stimmen aus Brüssel entgegentreten. Der EU ist Facebook wegen systematischer Steuertricks und einer Monopolstellung ein Dorn im Auge.

Die Beratungsfirma Deloitte erstellte die Facebook-Studie. Dabei nutzte sie eine wirtschaftliche Analyse, um den Einfluss Facebooks auf Drittunternehmen zu untersuchen. Diese nehmen das soziale Netzwerk als Marketing-Plattform in Anspruch sowie zum Verkauf von Handy – und Internetdienstleistungen und als integriertes Tool für eigene Smartphone-Apps.

Dem Bericht zufolge macht Europa beinahe ein Viertel des weltweiten, wirtschaftlichen Einflusses des US-Giganten aus. Innerhalb der EU sorgte Facebook für Einnahmen in Höhe von 44 Milliarden Euro und 783.000 neuer Arbeitsplätze – alleine 2014. 

In den USA waren die makroökonomischen Folgen mit 98 Milliarden US-Dollar und eine Million Arbeitsplätzen am positivsten. US-Unternehmen nutzen Facebook häufiger als Marketing-Plattform. Die EU übertrifft die USA dem Bericht zufolge aber bei der App-Wirtschaft.

Innerhalb der EU profitiert das Vereinigte Königreich am meisten von Facebook. Dort wurden 2014 154.000 Jobs durch den Facebook geschaffen. In den anderen Mitgliedsstaaten ist Facebooks Einfluss weniger spürbar. Deutschland folgt auf dem zweiten Platz mit 84.000 Jobs, gefolgt von Frankreich (78.000 Arbeitsplätze) und Italien (70.000 Arbeitsplätze).

Deloitte weist in ihrem Bericht darauf hin, dass es bei der Erstellung des Berichts auf Daten von Facebook zurückgriff. Mit der Studie reagiert Facebook auf Kritik aus Brüssel, die auch andere große US-Internetnunternehmen wie Amazon oder Google traf.

Erst im Dezember schlug der britische Finanzminister George Osborne vor, einige multinationale Unternehmen, darunter auch Facebook, stärker zu besteuern. Die Vorschläge sollen mehr als eine Milliarde Pfund an Steuern einbringen. Osborne will eine Gewinnsteuer in Höhe von 25 Prozent. Diese Gewinne „werden durch die Multinationalen durch die wirtschaftliche Aktivität hier im Vereinigten Königreich generiert, die sie dann künstlich aus dem Land bringen“, so der britische Finanzminister.

Deutschland und Frankreich forderten im November die EU-Kommission zur Überprüfung der Wettbewerbsregeln für Web-Plattformen auf. Damit wollen sie fairere Spielregeln erreichen und so europäische Unternehmen für den Markt gewinnen.

Beim Rat für Verkehr, Telekommunikation und Energie im November gaben die französische Ministerin für digitale Angelegenheiten Axelle Lemaire und der Staatssekretär im Wirtschafts- und Energieministerium Matthias Machnig eine gemeinsame Erklärung ab. Darin fordern sie die Kommission dazu auf, ein Wettbewerbsrecht zu entwickeln, das die neuen Herausforderungen durch Internet-Dienste bewältigt.

Nur zwei Prozent aller registrierten Unternehmen des Digitalsektors in Eurioa seien europäisch. Dem müsse man Abhilfe schaffen, so Lemaire und Machnig.

Sie forderten mehr Unterstützung für den europäischen IT-Sektor und stützten die EU-Untersuchungen der Steuerpraktiken ausländischer Unternehmen der Digitalwirtschaft in Europa.

Einem Facebook-Sprecher zufolge ist der Bericht keine Antwort auf Kritik. Er soll aber Beobachtern den insgesamt vorteilhaften Einfluss, den das Unternehmen auf die Weltwirtschaft habe, vor Augen führen.

Zu den deutsch-französischen Wettbewerbsbedenken äußerte sich der Sprecher ebenfalls: Es wäre eine Schande, wenn es Bewegungen in Richtung „Protektionismus und den Aufbau von Barrieren“ geben würde. 

Multinationale Technologieunternehmen wie Apple, Google und Amazon stehen im Fokus der EU-Staats- und Regierungschefs, die strenger gegen aggressive Steuervermeidung vorgehen wollen.

Der ständige Untersuchungsausschuss im Senat erklärte im Mai 2013, dass Apple “ein komplexes Geflecht von Offshore-Firmen“ genutzt habe, um Ertragssteuern in Milliardenhöhe zu vermeiden.

Apple bezahlte zwei Prozent Steuern auf 74 Milliarden US-Dollar Erträge aus dem Auslandsgeschäft. Möglich machte das ein Schlupfloch in Irlands Steuergesetzbung. Das Unternehmen habe nicht illegal gehandelt, so die Schlussfolgerung des Ausschusses.

Die britische Abteilung von Amazon bezahlte 2012 Ertragssteuern in Höhe von 2,9 Millionen Euro- bei Verkäufen in Höhe von fünf Milliarden Euro. Ähnliches gibt es auch über Google zu berichten.

Offiziellen Schätzungen zufolge verlieren die EU-Regierungen jedes ungefähr eine Billiarde Euro durch legale Steuervermeidung und durch illegale Steuerhinterziehung.

Länder wie Frankreich und Spanien fordern eine Überarbeitung des Steuerrahmens, um zu verhindern, dass multinationale Online-Unternehmen Schlupflöcher ausnutzen und weniger Steuern zahlen.

 

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