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22/01/2017

Forschungsreaktor Iter: EU erwartet massive Zusatzkosten

Innovation

Forschungsreaktor Iter: EU erwartet massive Zusatzkosten

Brennstoffe für Kernkraftwerke in Biblis (Hessen) Foto: dpa.

Die Bundesregierung geht von einer deutlichen Kostensteigerung beim Forschungsreaktor Iter aus. Es geht um Milliarden Euro.

Beim internationalen Forschungsreaktor Iter erwartet die Bundesregierung einem Zeitungsbericht zufolge eine massive Kostensteigerung. Die EU müsse von 2021 an mit Zusatzkosten von mehr als fünf Milliarden Euro rechnen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf einen Bericht des Bundesforschungsministeriums. Bisher liegt der Anteil der EU an dem internationalen Forschungsreaktor im südfranzösischen Cadarache bei 6,6 Milliarden Euro.

Der International Thermonuclear Experimental Reactor (Iter) soll in großem Maßstab zeigen, wie aus der Verschmelzung von Atomkernen Energie erzeugt werden kann. Herkömmliche Atomkraftwerke gewinnen Energie dagegen aus der Spaltung von Atomkernen. Um eine Kernfusion herbeizuführen, ist ein erheblicher Energieaufwand nötig, da der Brennstoff auf Temperaturen von rund 100 Millionen Grad erhitzt werden muss.

Neben den Europäern sind auch China, Indien und die USA am Iter beteiligt. Durch die erwartete Kostensteigerung würden die Gesamtkosten auf mehr als 20 Milliarden Euro steigen. Mit 45 Prozent sind die Europäer die wichtigsten Anteilseigner an dem Projekt. Laut der „Süddeutschen Zeitung“ ist unklar, ob die Europäer die nun erwarteten Zusatzkosten mittragen werden. Tun sie dies nicht, gerät das ganze Projekt in Gefahr.

An dem Kernfusionsreaktor bei Aix-en-Provence wird bereits seit 2007 gebaut, doch wird nach massiven Verzögerungen und Kostensteigerungen erst für 2035 mit einem Beginn der eigentlichen Fusionsexperimente gerechnet. Schon im Juni hatte es Medienberichte gegeben, wonach die Kosten für das Projekt erneut deutlich steigen. Bereits Ende 2015 war von Mehrkosten in Milliardenhöhe die Rede gewesen.