Facebook-Whistleblowerin fordert Rücktritt von CEO Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg ist CEO von Facebook, seit er das Unternehmen 2004 gegründet hat. [Rokas Tenys/Shutterstock] [Rokas Tenys/Shutterstock]

Frances Haugen, die Whistleblowerin hinter einem massiven Leak von internen Dokumenten von Facebook, hat CEO Mark Zuckerberg zum Rücktritt aufgefordert.

„Ich denke, das Unternehmen wird sich nicht verändern, solange er CEO ist – Facebook wird stärker sein mit jemandem, der bereit ist, sich auf Sicherheit zu konzentrieren“, sagte sie am Montag (1. November) auf dem Web Summit in Lissabon.

Haugen, eine ehemalige Produktmanagerin bei Facebook, sammelte Zehntausende von internen Dokumenten bevor sie das Unternehmen im April verließ. Grund sei eine moralische Krise gewesen, wegen unethischer Entscheidungen seitens des Unternehmens.

Daraufhin gab sie das Dokument an die Presse weiter und machte damit auf umstrittene Entscheidungen des Unternehmens aufmerksam, die in der Öffentlichkeit für Empörung sorgten.

„Es gab hier Verhaltensmuster, bei denen Profite über die allgemeine Sicherheit gestellt wurden,“ sagte sie dem Publikum.

Haugen wies insbesondere auf das Empfehlungssystem von Facebook hin, das die am stärksten polarisierenden und kontroversen Inhalte bevorzugt.

Sie wies auf die dramatischen Folgen hin, die solche extremistischen Inhalte haben können, die „fast überall nicht über die grundlegenden Sicherheitssysteme von Facebook verfügen“.

Ein Meta-Sprecher erklärte gegenüber EURACTIV, das Argument, „dass wir absichtlich Inhalte pushen, die Menschen aus Profitgründen wütend machen, ist einfach unwahr. Wir sind auf dem besten Weg, bis 2021 mehr als 5 Milliarden Dollar für Sicherheit auszugeben – mehr als jedes andere Tech-Unternehmen – und beschäftigen 40.000 Mitarbeiter:innen, die nur eine Aufgabe haben: die Sicherheit der Menschen in unseren Apps zu gewährleisten“.

Haugen verwies auf den Fall Äthiopien, wo es in letzter Zeit zu ethnischen „Säuberungen“ gekommen ist. In dem afrikanischen Land leben 100 Millionen Menschen mit sechs verschiedenen Sprachen und 95 Dialekten, eine Tatsache, die ihrer Meinung nach die Unzulänglichkeit des Content-Moderationssystem von Facebook zeigt.

Für Haugen stellt Facebook die Content Moderation als eine falsche Wahl zwischen Zensur und freier Meinungsäußerung dar. Sie wies darauf hin, dass es nicht-inhaltsbasierte Lösungen gebe, die effektiver seien. Diese würden allerdings voraussetzen, dass Plattformen keiner und langsamer werden müssten.

Haugen argumentierte, dass „in den nächsten 20 Jahren eine Million, vielleicht 10 Millionen Leben auf dem Spiel stehen würden“ und dass die Reaktionen von Seiten Facebook zu wünschen übrig ließen.

Die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin kritisierte auch die jüngste Entscheidung des Unternehmens, sich auf das Metaversum bzw. die virtuelle Realität umzustellen.

„Es gibt ein Meta-Problem bei Facebook, das darin besteht, dass sich Facebook immer wieder für die Expansion in neue Bereiche entscheidet, anstatt eine Ziellandung in den Bereichen hinzulegen, in denen man bereits aktiv ist.“

Facebook ändert Namen in "Meta" als Teil der Umgestaltung seiner Marke

Facebook hat seinen Namen offiziell in Meta geändert, einen Schritt, den Kritiker:innen jedoch für einen Versuch halten, von den jüngsten schädlichen Enthüllungen über das Unternehmen abzulenken.

„Ich finde es unverschämt, dass aus den Dokumenten sehr klar hervorgeht, dass es mehr Ressourcen für grundlegende Sicherheitssysteme braucht. Aber anstatt in die Gewährleistung der Mindestsicherheit dieser Plattformen zu investieren, will man 10.000 weitere Ingenieur:innen für Videospiele anstellen“, sagte sie.

Der Meta-Sprecher bezeichnete den Vergleich als lächerlich. „Es ist nicht so, dass ein Unternehmen nur neue Technologien entwickeln oder in die Sicherheit der Menschen investieren kann. Natürlich können und müssen wir beides gleichzeitig tun – und das tun wir auch.“

„Die letzten Wochen haben gezeigt, wie wichtig es ist, klar zu sagen, wofür wir stehen – und genau das tun wir, indem wir unsere Vision und unsere Grundsätze für verantwortungsvolle Innovation für das Metaverse darlegen und mit anderen zusammenarbeiten, um es aufzubauen. Es gibt komplexe Kompromisse, weshalb wir eine Regulierung der Industrie brauchen“, fügte der Sprecher hinzu.

Facebook hat Haugen zuvor vorgeworfen, nur eine Auswahl von Dokumenten freigegeben zu haben, die einen negativen Eindruck erwecken.

Haugen schlug ihrerseits vor, alle internen Dokumente von Facebook zur öffentlichen Einsichtnahme freizugeben und argumentierte, dass Unternehmen wie Google und Twitter viel transparenter seien.

Haugen forderte die politischen Entscheidungsträger:innen außerdem auf, Facebook und andere Plattformen zur Offenlegung ihrer Daten zu verpflichten.

Transparenzverpflichtungen und die Rechenschaftspflicht von Algorithmen werden derzeit im Rahmen des Digital Services Act (DSA) diskutiert, einem EU-Gesetzesvorschlag zu Online-Inhalten und -Diensten.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]

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