Expertengruppe von Kok war uneins über Arbeitszeiten

Längere Arbeitszeiten und die Erhöhung des
Rentenalters bildeten die Hauptstreitpunkte in der
Expertengruppe, die unter Vorsitz von Wim Kok einen Bericht
über den Prozess von Lissabon verfasst
hat.

Der mit Spannung erwartete Kok-Bericht sei von
der hochrangigen Expertengruppe trotz interner
Meinungsverschiedenheiten angenommen worden. Dies wurde
EURACTIV aus einer der Gruppe nahe stehenden Quelle
mitgeteilt.

Die Hauptstreitpunkte bildete die Frage längerer
Arbeitszeiten und einer Erhöhung des
Rentenalters, über die sich Arbeitgeber- und
Gewerkschaftsvertreter nicht hätten
einigen können, so die britische Zeitung 
Guardian. 

 

In Bezug auf das Ziel, die Beschäftigungsrate in
der EU von derzeit 64 auf 70 Prozent (60 Prozent für
Frauen) zu erhöhen, taten sich die Mitglieder
der Gruppe schwer, sich auf Arbeitsregelungen zu
einigen. Während sich die Arbeitgeber der Gruppe dem
Verlauten nach für eine größere
Flexibilität bei den Arbeitszeiten einsetzten und
auch eine klare Aussage, dass die französische
35-Stundenwoche nicht zukunftsfähig sei, in den
Bericht aufnehmen wollten, gaben sich die
Gewerkschaftsvertreter in diesem Bereich wenig
kompromissbereit.

John Monks, der Vorsitzende des Europäischen
Gewerkschaftsbunds EGB, hat hierzu im 
Guardian 

erklärt, dass die EU Beispiele in ihren
eigenen Reihen suchen solle anstatt die USA zum
Vorbild zu nehmen (siehe auch 
EURACTIV 15 Oktober
2004

). Finnland, das bereits mehrmals als
wettbewerbsfähigste Wirtschaft der Welt
eingestuft worden ist (siehe 
EURACTIV 15 October
2004

), gelinge es, eine niedrige Arbeitslosigkeit mit
flexiblen Rentenregelungen und einer hohen
Gewerkschaftsdichte zu kombinieren, so Monks im 
Guardian. 

 

Es ist bislang nicht bekannt, wie diese Fragen in der
Gruppe gelöst wurden. 

Der Kok-Bericht wird der Kommission, wie
vorgesehen, am 3.November 2004 und dem
Europäischen Rat am 5.November 2004 vorgelegt
werden. 

Der Bericht wird voraussichtlich empfehlen, dass
die EU-Mitgliedstaaten nationale Aktionspläne
ausarbeiten und dass die Lissabon-Agenda auf die
wesentlichsten Ziele beschränkt wird (siehe 
EURACTIV 12 Oktober
2004

).

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