Europäer scheuen selbständige Erwerbstätigkeit

Die meisten Europäer sind lieber angestellt als selbständig. Ein
festes Einkommen, die Sicherheit des Arbeitsplatzes und
„abgesichert zu sein“, selbst wenn günstige wirtschaftliche
Rahmenbedingungen herrschen, werden als Hauptgründe dafür
genannt, dass die meisten vor der selbständigen
Erwerbstätigkeit zurückscheuen.

Die Förderung unternehmerischer Initiativen war eines der
Hauptziele des im Jahr 2000 stattfindenden Gipfels des Europäischen
Rates in Lissabon„Unternehmer sind der wirtschaftliche Garant für
Wettbewerbsfähigkeit und Innovation in Europa“, so Günter
Verheugen, Kommissar für Unternehmen und Industrie.

Aber trotz der Bemühungen der EU und eines Aktionsplans zur Förderung unternehmerischer Initiative geht
aus der jüngsten Eurobarometer-Umfrage hervor, dass die Kluft
zwischen Europa und den USA in Bezug auf Unternehmergeist weiter
wächst. Im Vergleich mit früheren Umfragen ist der Anteil der
EU-Bürger, der lieber angestellt ist, um zwei Prozentpunkte
angestiegen (derzeit 51 Prozent), während der Anteil in den USA um
drei Prozent zurückgegangen ist (auf 34 Prozent). Die Präferenzen
in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten sind jedoch sehr
unterschiedlich und variieren auch je nach den soziodemographischen
Merkmalen der Bürger. Hinter dem EU-Durchschnitt verbergen sich
daher erhebliche Unterschiede (z.B. ziehen 68 Prozent der
Finnen es vor, angestellt zu sein, aber lediglich 32 Prozent der
Portugiesen). 

Auf beiden Seiten des Atlantiks ist man sich einig, dass eine
der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg eines Unternehmens
ein effizientes Management ist. Laut den US-Amerikanern, die zur
Selbstständigkeit bereit sind (61 Prozent), stünden „gute Ideen und
Führungsqualitäten“ an zweiter Stelle. Dahingegen sind
unternehmerisch eingestellte EU-Bürger (45 Prozent) der Ansicht,
dass „externe Faktoren“, insbesondere der wirtschaftliche und
politische Rahmen, ausschlaggebender seien. 

EU-Bürger nennen „Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung“ als
wichtigen Beweggrund für die Selbstständigkeit. Für US-Amerikaner
ist sie dahingegen aufgrund der Möglichkeit, „sich seine eigene
Umgebung zu schaffen“, attraktiv. Aus der Umfrage geht auch hervor,
dass ein Drittel aller EU-Bürger es „in Erwägung ziehen“ würde, in
den nächsten fünf Jahren ein eigenes Unternehmen zu gründen (40
Prozent in den neuen Mitgliedstaaten), während der Anteil in den
USA bei 46 Prozent liegt. 

Anfang Februar wird die Kommissionen ihren Jahresbericht über
die Umsetzung der Europäischen Charta für Kleinunternehmen  veröffentlichen. Der
diesjährige Bericht wird sich vor allem auf die Maßnahmen der
Mitgliedstaaten zur Förderung unternehmerischer Denkweisen in der
Bildung und Ausbildung, auf eine bessere Rechtssetzung und den
Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in einigen Berufsbereichen
konzentrieren. 

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