Europäische Aktivisten reichen Beschwerde gegen Gesichtserkennungsunternehmen ein

Clearview wird von Datenschützern vorgeworfen biometrische Daten zu sammeln

Datenschützer haben in mehreren europäischen Staaten Beschwerde gegen das auf Gesichtserkennung spezialisierte Unternehmen Clearview AI eingelegt. Clearview hat mehr als drei Milliarden Fotos im Netz gesammelt und daraus eine Biometrie-Datenbank für private Unternehmen und Strafverfolgungsbehörden erstellt, wie die Datenschutzorganisation Privacy International (PI) und drei weitere Gruppen am Donnerstag (27. Mai) mitteilten.

Die Verwendung der Bilder „geht weit über das hinaus, was wir als Online-Nutzer jemals erwarten könnten“, erklärte PI-Rechtsexperte Ioannis Kouvakas. Deshalb hätten sich die Organisationen an die Datenschutzbehörden von Frankreich, Österreich, Italien, Griechenland und Großbritannien gewandt.

„Wir erwarten, dass sie sich zusammenschließen und entscheiden, dass Clearviews Praktiken in Europa nichts zu suchen haben, was wiederum erhebliche Auswirkungen auf die weltweiten Aktivitäten des Unternehmens hätte“, heißt es in einer Mitteilung von PI.

„Nur weil etwas online ist, ist es nicht automatisch Freiwild, das sich andere auf beliebige Weise aneignen können – das ist weder moralisch noch rechtlich zulässig“, sagte Alan Dahi, Datenschutzjurist der österreichischen Datenschutzorganisation noyb, die ebenfalls an der Beschwerde beteiligt ist.

Im Februar hatte bereits die kanadische Datenschutzbehörde entschieden, dass die Aktivitäten des Unternehmens nach kanadischem Gesetz „eine Massenüberwachung darstellen und illegal sind“.

Im Zentrum der Beschwerden steht das vom Unternehmen verwendete, automatische „Image Scraping.“ Das Tool durchsucht das Internet nach allen Bildern die es als menschliches Gesicht erkennt. Zusätzlich sammelt der Scraper die Metadaten der Bilder, wie Quelllink, oder Bild-und Webseitentitel.

Die so gesammelten Gesichter werden dann durch eine Gesichtserkennungssoftware verarbeitet und in die bereits 3 Milliarden umfassende biometrische Datenbank gespeist. Die Bilder stammen von öffentlichen Websites wie YouTube, Facebook oder Twitter.

Bereits im Vergangenen Jahr sind Google, Facebook und Twitter mit Unterlassungserklärungen an Clearview herangetreten.

Zwar räumte der Gründer Hoan Ton-That damals gegenüber der Zeitung ein, dass Clearview mit dem Sammeln von Nutzerfotos gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook und anderen Onlinenetzwerken verstößt, gleichzeitig verteidigte das Unternehmen aber auch sein Vorgehen, wie aus einem Bericht von CBS-news hervorgeht: „Google kann Informationen von allen möglichen Websites einholen. Wenn es also öffentlich ist und in Googles Suchmaschine aufrufbar, dann kann es auch Teil unserer Datenbank sein,“ kommentierte Clearview damals.

Clearview war im Januar 2020 durch einen Artikel der „New York Times“ bekannt geworden. Daraus ging hervor, dass das Unternehmen in den USA bereits mit Behörden wie dem FBI und dem Heimatschutzministerium zusammenarbeitet. Die Behörden können mithilfe von Clearview, durch das Hochladen des Bildes eines Verdächtigen dessen gesamte Internetpräsenz ausforschen.

Clearview ist vorallem in den USA aktiv. Es wird aber gemutmaßt, dass das Unternehmen auch tausende an Europäern in seiner biometrischen Datenbank hat. Die Entfernung europäischer Gesichter aus der Datenbank ist daher für die klagenden Datenschutzaktivisten längst überfällig.

Die Regulierungsbehörden haben nun drei Monate Zeit, um auf die Beschwerde zu reagieren.

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