Euro wird durch Krise immer populärer [DE]

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Dänemark, Island und Polen freuen sich immer mehr auf die Einführung des Euro, da ihre eigenen Währungen während der Finanzkrise, die Europa erfasste,  massiv an Wert verloren. Es bleibt jedoch unklar, ob der Euro in Krisenzeiten Sicherheit bieten kann. 

Die weltweite Krise habe gezeigt, dass es sicherer sei, sich auf die Seite der Starken zu stellen, zu den Starken zu gehören und Einfluss auf die Entscheidungen der Starken zu haben, meinte der polnische Premierminister Donald Tusk gestern (27. Oktober 2008).

Polen wird heute (28. Oktober 2008) voraussichtlich einen Zeitplan für einen Beitritt zur Eurozone bis 2012 vorlegen, nachdem die polnische Währung – der Z?oty – in den letzten Tagen im Vergleich zum Euro 10% an Wert verloren hatte.

Island hat es noch härter getroffen. Die Krone verlor nach dem jüngsten Zusammenbruch des boomenden Finanzsektors des Landes 40% an Wert, wodurch sich Reykjavik gezwungen sah, um internationale Kredite im Umfang von 5 Milliarden Euro zu bitten.

Obwohl die isländische Bevölkerung einem EU-Beitritt traditionell ablehnend gegenüber steht – insbesondere aufgrund der starken anti-europäischen Fischerei-Lobby – sprechen sich nun 72,5% der Isländer für die Einführung des Euro aus, wie aus einer Umfrage hervorgeht, die in der Tageszeitung Frettabladid veröffentlicht wurde.

In Dänemark wurde die Eurodebatte infolge der Krise ebenfalls neu angeheizt, da sich die Investoren hin zu größeren – und wie sie hoffen sichereren – Währungen orientieren. Die Dänen lehnten die gemeinsame Währung im Jahr 2000 ab, doch durch die Krise scheint die Unterstützung für den Euro zugenommen zu haben. Premierminister Anders Fogh Rasmussen hat bereits angekündigt, noch vor 2011 ein neues Referendum zu dem Thema abhalten zu wollen (EURACTIV vom 23. November 2007). Gestern betonte er, dass „ganz klar“ sei, dass es Dänemark schade, sich in der aktuellen Krise aus der Eurozone herauszuhalten.

Ein sicherer Hafen?

Allerdings bleibt abzuwarten, ob der Euro in der Krise tatsächlich der sichere Hafen sein kann. Erst gestern sank die gemeinsame Währung im Vergleich zum Dollar auf ein Zweijahrestief. Grund waren Rezessionsängste und Spekulationen, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen nächste Woche senken könnte.

Viele Investoren sind außerdem besorgt, weil viele europäische Banken Kredite für Investitionen in aufstrebende Wirtschaftsländer wie die Ukraine und Ungarn vergeben haben, die nun beide den Internationalen Währungsfonds um finanzielle Hilfe bitten mussten.

Niedriger Eurokurs gut für die Wirtschaft? 

Allerdings sei in der Dunkelheit ein Silberstreif am Horizont erkennbar, so die EU-Wirtschaftsvertretung BusinessEurope. Obgleich sie für das nächste Jahr für die Eurozone ein kaum vorhandenes Wirtschaftswachstum hervorgesagt hat (0,2% nach 1,2% im Jahr 2008), betont sie, dass sich der sinkende Eurokurs im Vergleich zum Dollar zusammen mit den fallenden Ölpreisen „positiv“ auf die Exporte und „positiv“ auf die weltweite Expansion von Unternehmen auswirke.

Hohe Arbeitslosigkeit prognostiziert

Die allgemeine Prognose fällt allerdings schwarz aus. Die Vereinigung sagt voraus, dass im nächsten Jahr in der EU etwa 1,1 Millionen Arbeitsplätze verloren gehen könnten (im starken Gegensatz zu den etwa 2 Millionen Arbeitsplätzen, die 2008 geschaffen wurden).

Eine Reihe von Wirtschaftszweigen, darunter auch die Automobilbranche, haben bereits die zeitweise oder teilweise Schließung einiger Werke und Einschnitte bei der Produktion angekündigt, da die Rezession die Nachfrage der Verbraucher zu beeinträchtigen beginnt.

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