EU-Wettbewerbsbericht fühlt Sprachassistenten auf den Zahn

Der Bericht weist darauf hin, dass der Wettbewerb auf dem Markt für Sprachassistenzsysteme aufgrund der Marktdominanz einer geringen Anzahl vertikal integrierter Unternehmen geschwächt wird. [ [Shutterstock / Gorodenkoff]

Im Rahmen einer Wettbewerbsuntersuchung der Europäischen Kommission zum Internet der Dinge (IoT-Sektor) für Verbraucher:innen wurden Sprachassistenten besonders unter die Lupe genommen.

Der Abschlussbericht der Kommissionsuntersuchung, der am Donnerstag (20. Januar) veröffentlicht wurde, stellte mehrere Probleme im Zusammenhang mit der IoT-Branche fest: die Datenerfassung, die Ausschließlichkeit und die Kopplungspraktiken von Sprachassistenten, ihre Gatekeeper-Rolle beim Zugang zu anderen IoT-Diensten und ihre mangelnde Interoperabilität.

Der Bericht, der auf breiten Konsultationen mit verschiedenen Interessensvertretern basiert, warnt zudem vor der Marktdominanz einer geringen Anzahl von vertikal integrierten Unternehmen, die sich negativ auf den Wettbewerb auswirken könnte.

Google, Apple und Amazon betreiben die drei am weitesten verbreiteten Sprachassistenten: Google Assistant, Siri und Alexa. Da die drei Tech-Konzerne „ihre eigenen Ökosysteme innerhalb des IoT-Sektors für Verbraucher:innen“ aufgebaut haben, bestimmen sie weitestgehend über die Integration von Drittunternehmen in diesen Sektor, so der Bericht.

Die Untersuchung wurde im Juli 2020 als Teil der Strategie der Digitalen Dekade der Kommission angekündigt. Im Juni 2021 wurde ein vorläufiger Bericht veröffentlicht, in dem Beiträge von Interessenvertreter:innen aus dem IoT-Bereich zusammengefasst wurden.

„Der Sektor des Internets der Dinge für Verbraucher:innen wird zunehmend Teil unseres Alltags“, sagte die für Wettbewerb zuständige Kommissarin Margrethe Vestager.

„Dies ist ein Markt mit hohen Eintrittsbarrieren, wenigen vertikal integrierten Akteuren und Bedenken über den Zugang zu Daten, Interoperabilität oder Exklusivitätspraktiken“, erklärte sie weiter.

Ergebnisse aus der Untersuchung

Was die Daten betrifft, so stellt der Bericht fest, dass eine häufige Sorge der Interessenvertreter:innen die Anhäufung von Daten durch die Anbieter von Sprachassistenten ist. Zudem wird kritisiert, dass die dadurch gewonnenen Erkenntnisse über User-Verhalten für digitale Werbung monetarisiert werden könnten. Drittanbieter von Produkt und Dienstleistungsangeboten warnten vor allem, dass die gesammelten Daten von den großen Unternehmen genutzt werden könnten, um Konkurrenzangebote zu entwickeln.

Die vorläufigen Ergebnisse der Untersuchung „deuten darauf hin, dass insbesondere die führenden Anbieter von Sprachassistenten Standardbedingungen festlegen können, die den Datenzugriff und die Datennutzung durch Drittunternehmen einschränken. Die etablierten Sprachassistenten behalten sich jedoch gleichzeitig weitreichende Datenzugriffs- und Nutzungsmöglichkeiten vor,“ heißt es in dem Bericht der EU-Kommission.

Die Kommission hat auch festgestellt, dass die meisten Smart-Devices nur einen einzigen eingebauten Sprachassistenten haben. Dies ist der Fall, obwohl die Hersteller wiederholt ihr Interesse geäußert haben, mehr von diesen anzubieten und dass seitens der Verbraucher:innen Nachfrage nach mehreren Optionen besteht.

Das Bestreben dieser Konzerne, sich die Exklusivität eines Sprachassistenten auf einem Gerät zu sichern, so die Schlussfolgerung der Untersuchung, könnten wettbewerbsrechtliche Bedenken aufwerfen. Denn dadurch könnten andere Programme daran gehindert werden, in das Gerät integriert zu werden.

Auch die Produktbündelung wird in dem Bericht als problematisch bezeichnet. Einige Hersteller von Smart-Devices haben dem Bericht zufolge Bedenken geäußert, dass Sprachassistenten zusammen mit anderen Arten von Software und Anwendungen von den Anbietern gebündelt werden.

Mehrere Befragte wiesen auch auf die Rolle der führenden Anbieter von Sprachassistenten als Zwischenhändler zwischen den Nutzern und den Anbietern von Smart-Devices oder Verbraucher:innen-ausgerichtete IoT-Dienstleistungen als ein mögliches Problem hin.

Die letzteren, die Hersteller von Smart-Devices und IoT-Dienstleistungen Anbietern, äußerten Bedenken hinsichtlich der Tatsache, dass sie oft von den führenden Anbietern von Sprachassistenten abhängig sind, wenn es um den Kontakt mit den Nutzern geht. Sie befürchten, dass eine zu direkte Verknüpfung zwischen den beiden zu einem Verlust deren Markenwiedererkennung führen könnte.

Viele wiesen darauf hin, dass diese führenden Anbieter oft ihre eigenen Einrichtungs- und Onboarding-Prozesse implementieren. Dadurch werden beispielsweise Gerätehersteller und Dienstanbieter daran gehindert, relevante Daten zu sammeln, was wiederum potenzielle Probleme bei der späteren Kontaktaufnahme mit den Nutzer:innen zur Folge hat.

Die nur begrenzt vorhandene Interoperabilität im IoT-Sektor für Verbraucher:innen, so der Bericht weiter, hat oft „De-facto-Standards“ hervorgerufen. Diese mangelnde Interoperabilität, so die Untersuchung, ist auf die Fragmentierung der Technologie, den Mangel an gemeinsamen Standards und die Vorherrschaft von firmeneigenen Technologien zurückzuführen.

Somit führen mehrere Faktoren zu einer begrenzten Kompatibilität und Interoperabilität, schränken die Wahlmöglichkeiten der Nutzer ein und bergen die Gefahr, dass Verbraucher:innen auf bestimmte Produkte und Dienste angewiesen sein könnten.

Eine sinnvolle Integration und Interoperabilität, so heißt es in dem Bericht, erfordert ein „technisches und geschäftliches Engagement“ zwischen den Branchenunternehmen. Der Bericht stellt jedoch fest, dass die Integration in der Praxis häufig von den führenden Anbietern bestimmt wird, die einseitig die geltenden Anforderungen festlegen können.

Die Rolle des DMA

Die EU-Kommission konzentriere sich zu Recht auf die Datenerfassung und Interoperabilität, so Zach Meyers, Senior Research Fellow am Centre for European Reform, gegenüber EURACTIV. Er betonte ebenfalls, dass die Bedenken, die in diesen Bereichen geäußert wurden, denen ähnelten, die dem Gesetz über digitale Märkte (DMA) zugrunde liegen.

Inwieweit das DMA jedoch zur Lösung dieser Probleme künftig beitragen wird, wird von dessen endgültigen Form nach Abschluss der Trilog-Verhandlungen – den interinstitutioneller Verhandlungen zwischen den EU-Gesetzgebungsorganen – abhängen und davon, wie sich die Kommission positionieren wird.

„Da IoT-Devices innovativer sind und der Markt noch nicht ausgereift ist, birgt ein Eingriff in den Wettbewerb mehr Risiken als in Märkten, in denen es offensichtlicher ist, dass die Marktteilnehmer dominant und etabliert sind“, sagte er.

Auch die Frage, ob Geräte wie virtuelle Assistenten als „Kernplattformdienste“ oder als „Zusatzdienste“ eingestuft werden, wird den Erfolg des DMA beeinflussen, fügte er hinzu:

„Im Grunde wird dies davon abhängen, wie viel Spielraum die DMA den großen Technologieunternehmen einräumt, um zu argumentieren, dass sie noch nicht in den IoT-Märkten etabliert sind.“

Trotzdem sei eine Überwachung des Sektors durch die Kommission notwendig: „Es ist wahrscheinlich, dass es viele weitere Beschwerden geben wird, die überhaupt nicht von den DMA-Regeln abgedeckt werden und bei denen die Durchsetzung des Wettbewerbsrechts weiterhin notwendig sein wird.

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