EU-Unternehmen angetrieben durch überraschend hohe Nachfrage

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Ein 22-Prozent-Anstieg an neuen industriellen Bestellungen hat einen stark benötigten Stimulus für führende Geschäftsleute geschaffen, die sich diese Woche in Brüssel zum Europäischen Wirtschaftsgipfel (EBS) treffen.

Durch einen Nachfrageanstieg im März und April von jeweils 7,1 und 0,9 Prozent sprang die jährliche Rate von neuen industriellen Bestellungen auf 22,1 Prozent in der Eurozone und 21,8 Prozent in der EU-27 in den 12 Monaten seit April 2009. Die größten Steigerungen waren in Ungarn, Portugal und Litauen.

Industriechefs, die in den nächsten zwei Tagen (30. Juni und 1. Juli) für das jährliche Denktreffen in die belgische Hauptstadt pilgern, können ebenfalls Trost aus der 12-Prozent-Steigerung in Investitionen in EU-Wirtschaften schöpfen, der von neuen Zahlen von Eurostat, dem Datensammelarm der EU, belegt wird.

Der Gipfel, angekündigt als Spitzendebatte zum Thema „Europa wieder in die Spur bringen“, wird Wege suchen, den durch die neuen Daten belegten Wirtschaftsaufschwung nachhaltig zu gestalten.

Dennoch betonen die gestern (28. Juni) veröffentlichten Zahlen auch den Mangel an Investitionen von europäischen Ländern im Rest der Welt. Direktinvestitionen im Ausland (DIA) von EU-Mitgliedsstaaten fielen letztes Jahr um 24 Prozent, nachdem der Einfluss der Finanzkrise durch die Wirtschaft wogte.

Die Erholung von Investitionen in Europa ist insbesondere für Luxemburg eine gute Nachricht, das 40 Prozent der gesamten Gelder der EU erhielt – was 88 Milliarden Euro im letzten Jahr entspricht. Großbritannien und Frankreich erhielten jeweils 15 Prozent (34 Milliarden Euro) und 5 Prozent (10 Milliarden Euro).

Luxemburgs disproportional hoher Anteil spiegelt die Tendenz von Unternehmen wider, ihren Sitz im unternehmensfreundlichen Luxemburg zu haben, während der Großteil ihrer Aktivitäten anderswo abläuft.

Betriebssteuerlast nimmt ab

Eurostat hat ebenfalls neue Daten zu Steuertrends in Europa seit 2000 veröffentlicht. Insgesamt ist das Bild ermutigend für die Industrie, in Anbetracht des langsamen aber stabilen Abstiegs von Betriebssteuern und den sinkenden Steuerlasten für Kapital.

Jedoch machen Steuern auf Arbeit und Konsum den Großteil von Europas Steuern aus.

Trotz dem Eindruck von Europa als Markt mit hohen Steuern im Vergleich zu Konkurrenten wie den USA, Japan und Schwellenwirtschaften in Asien und Südamerika, haben EU-Mitgliedsstaaten über das letzte Jahrzehnt Unternehmenssteuern reduziert.

Marco Fantini vom Steuerflügel der Europäischen Kommission sagte Journalisten, dass Steuern in Europa im Durchschnitt bei 40 Prozent lägen, wenn Sozial- und Sicherheitsabgaben eingerechnet würden. Es gibt innerhalb der EU große Unterschiede, doch die Lücken haben sich im letzten Jahrzehnt verringert, da Wirtschaften mit niedrigen Steuern diese erhöhen und Wirtschaften mit hohen Steuern die Lasten senken.

Fantini sagte, dass in der Krise eine Reihe von Besteuerungsmaßnahmen eingeführt worden waren, um das Dasein von Unternehmen zu vereinfachen, doch eine gesteigerte Steuerbelastung könne ebenfalls beobachtet werden, da Schlupflöcher in Steuersystem geschlossen wurden und die Mehrwertsteuer in verschiedenen Mitgliedsstaaten erhöht wurde.

Einige Länder haben Firmen die Möglichkeit gegeben, Steuerzahlungen aufzuschieben, damit sie ihre Liquiditätsprobleme in den Griff bekommen können. Er betonte außerdem, dass während Verbraucher in diversen Mitgliedsstaaten höhere steuerliche Nebenleistungen zahlen müssen, Firmen eine zunehmend unternehmensfreundliche Umwelt genossen haben.

„Betriebssteuern sinken seit Jahren – seit Mitte der 1990er Jahre – und die Krise hat dies nicht beeinflusst“, sagte Fantini. Er fügte hinzu, dass der persönliche Spitzensteuersatz ebenfalls über das letzte Jahrzehnt gesunken sei, doch dass einige Regierungen entschieden hätten, diesen Trend als Teil der fiskalischen Konsolidierungsmaßnahmen rückgängig zu machen.

Kommissar will Steuerharmonisierung

Währenddessen arbeitet die Kommission aktuell an einer Analyse nationaler Steuerschemata mit dem Ziel, Ungleichheiten zwischen Mitgliedsstaaten auszubügeln.

Algirdas Šemeta, EU-Kommissar für Besteuerung und Zollunion, sagte dem Europäischen Parlament gestern, dass er die Betriebssteuerbasis harmonisieren wolle.

„Indem wir gemeinsame EU-Regeln schaffen, können wir kostspielige Fehlanpassungen zwischen nationalen System eliminieren und Erfüllungskosten für Unternehmen, die in mehr als einem Land arbeiten,  signifikant reduzieren“, sagte er.

Šemeta versprach ebenfalls ein neues Grünpapier zu Europas Mehrwertsteuersystemen, das versuchen wird, eine einfachere und positivere Unternehmensumwelt zu schaffen.

Seit dem Beginn der Wirtschaftskrise haben EU-Chefs die Notwendigkeit unterstrichen, Europa zum Wachstum zurückzubringen, was in der Veröffentlichung der Europa 2020 Strategie kulminierte (EURACTIV 01.02.10). 

Unternehmensführer haben eine Reihe von Zielen gesetzt, um zu messen, ob Politiker die Reformen annehmen (EURACTIV 03.02.10). Eine Wunschliste von Wachstum fördernden Maßnahmen wurde in diesem Jahr aufgesetzt und veröffentlicht und wird überwacht als Teil des „Europa auf Kurs“-Projekts, das der Europäische Runde Tisch der Industriellen durchführt.

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