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24/01/2017

EU-Parlament: FIFA muss Blatter umgehend ablösen

Innovation

EU-Parlament: FIFA muss Blatter umgehend ablösen

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[AsianFC/Flickr]

Nach den jüngsten Enthüllungen über weit verbreitete Korruption beim Weltfußballverband FIFA hat das EU-Parlament den unverzüglichen Abgang von dessen Präsident Joseph Blatter gefordert.

Die FIFA müsse die Konsequenz aus dem Bestechungsskandal ziehen und Blatter „umgehend“ ablösen, verlangte das Parlament am Donnerstag in einer Entschließung. Dazu müsse „auf transparente Weise“ ein Übergangspräsident ausgewählt werden. Der Text wurde von allen sieben Fraktionen gemeinsam eingereicht und mit sehr großer Mehrheit verabschiedet.

Der 79 Jahre alte Schweizer war trotz des jüngsten Skandals am 29. Mai für eine fünfte Amstszeit wiedergewählt worden, hatte aber kurz danach seinen Rücktritt bekanntgegeben. Zugleich kündigte er an, er wolle bis zur Wahl seines Nachfolgers die Amtsgeschäfte der FIFA weiterführen.

Dies geht den Europaabgeordneten nicht weit genug. Die Ernennung einer neuen Führungsriege könne nach den Vorschriften der FIFA bis zu neun Monate dauern. Bis dahin könnten die „dringend notwendigen Reformen nicht ernsthaft beginnen“, hieß es weiter. Dies würde die Glaubwürdigkeit der FIFA als Führungsorgan des Weltfußballs weiter beschädigen.

Die Korruption innerhalb der FIFA sei „zügellos, systembedingt und tief verwurzelt“, erklärte das Straßburger Parlament. Die jüngsten Festnahmen von 14 Funktionären zeigten, dass die FIFA seit vielen Jahren als „undurchsichtige und notorisch korrupte Organisation“ gearbeitet habe.

Als Konsequenz aus dem Bestechungsskandal fordert die EU-Volksvertretung unter anderem eine Überprüfung der Statuten und Strukturen des Verbandes sowie der Verfahren, nach denen Weltmeisterschaften vergeben werden. Außerdem solle die FIFA für Mitglieder des Exekutivkomitees Amtszeitbegrenzungen einführen und die Gehälter auf der „höheren und gehobenen Führungsebene“ offenlegen.

Bei der Debatte zu dem Thema hatte der für Sport zuständige EU-Kommissar Tibor Navracsics am Vortag eine grundlegende Umorganisation der FIFA gefordert. In seiner gegenwärtigen Form sei der Verband nicht mehr in der Lage, den Weltfußball zu führen. „Die FIFA braucht einen Neubeginn“, betonte der Ungar.

Abgeordnete aus allen politischen Lagern äußerten sich entsetzt über die Zustände bei der Organisation. Wenn es eine Weltmeisterschaft für Korruption gebe, würde die FIFA diese „mühelos gewinnen“, sagte der irische Konservative Sean Kelly. Die jüngst bekannt gewordenen Bestechungsgelder in Höhe von 150 Millionen Dollar seien möglicherweise nur die Spitze des Eisberges.

„Die FIFA ist keine gemeinnützige Organisation, sondern eine gemeingefährliche“, erklärte die deutsche Grüne Helga Trüpel. Sie müsse nun vor allem die Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland und Katar rückgängig machen. Künftig dürften die Spiele nur an Länder vergeben werden, die sich an Menschen- und Arbeitnehmerrechte halten. „Das muss eine ganz klare Politik der FIFA werden.“

Blatters Rücktritt sei überfällig, er löse das Problem aber nicht, sagte die SPD-Abgeordnete Petra Kammerevert. Die FIFA erinnere mit all ihren Verflechtungen, Abhängigkeiten und Schattenseiten an die Hydra, das vielköpfige Ungeheuer der griechischen Mythologie. Mit Blatter habe sie „lediglich einen Kopf verloren“.

Teilweise veröffentlichte Ermittlungen der FIFA-Untersuchungskammer haben ergeben, dass bei der Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland im Jahr 2018 und an Katar im Jahr 2022 hohe Summen an Schmiergeldern geflossen sind. Der Bericht wurde bisher – entgegen der Zusagen der FIFA – nicht vollständig veröffentlicht, was das Europaparlament ebenfalls bemängelte. Der Verband müsse dies nun „unverzüglich nachholen“, heißt es in der Entschließung.