Trotz wiederholter politischer Erklärungen streben die EU-Länder keine gesteigerte Koordinierung ihrer nationalen Programme im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) an. Dies zeigten die endgültigen Ergebnisse der Konsultation über die Zukunft des Europäischen Forschungsraums (EFR).
Die EU-Länder unterstützen eine stärkere Rolle der EU bei der Entwicklung umfassender Forschungsinfrastrukturen, die für einen Mitgliedstaat allein ohne Frage zu teuer sind. Abgesehen davon scheinen sie jedoch nicht sehr begeistert von der Idee eines „wahren“ Europäischen Forschungsraums zu sein.
Der Abschlussbericht der öffentlichen Konsultation über die Zukunft des EFR, vorgelegt am 24. April 2008, zeigt, dass viele Länder es nicht sehr eilig haben, ihre nationalen Forschungsprogramme oder -prioritäten zu koordinieren. Nach Meinung vieler sollte der EFR nur aus freiwilligen Abstimmungen auf Grundlage der offenen Methode der Koordinierung bestehen.
Die Mitgliedstaaten betonen die Wichtigkeit, bei der Optimierung von Forschungsprogrammen und -prioritäten eine „Balance“ zu erreichen. Sie sind der Meinung, dass zu viel Koordination und Kooperation möglicherweise einen positiven Wettbewerb und Vielfalt vermindern könnte. Nur Belgien, Dänemark, Finnland, Deutschland und Norwegen erklärten sich „grundsätzlich“ bereit, ihre Finanzierungsprogramme schrittweise zu öffnen, solange eine ausgewogene Gegenseitigkeit gewährleistet sei.
Was die Schaffung eines gemeinsamen Arbeitsmarktes für Forscher betrifft, glauben die Mitgliedstaaten, dass eine verpflichtende EU-Gesetzgebung nicht wünschenswert sei und dass freiwillige Leitlinien ausreichend seien. Einige unterstützen einen einzigen Arbeitsmarkt, vorausgesetzt, dies führe nicht zu einer Verschlechterung der Forschung in weniger entwickelten Regionen. Andere sind der Meinung, dass eine verpflichtende Gesetzgebung auf EU-Ebene aufgrund verschiedener nationaler Beschäftigungsgesetze und -praktiken in dieser Angelegenheit einen gegenteiligen Effekt haben könnte.
Weiterhin denken die Länder, dass eine Stärkung der Forschungsinstitute weithin die Aufgabe der nationalen und lokalen Behörden sei und dass die Koordination der internationalen Forschungskooperationen der Mitgliedstaaten auf freiwilliger Ebene stattfinden und dem „Grundsatz der variablen Geometrie“ folgen sollte.
Ungeachtet der schwachen Unterstützung seitens der Mitgliedstaaten sagte die Kommission, sie werde 2008 vier weitere Initiativen ins Leben rufen:
- zur Förderung der Mobilität und Karieren der europäischen Forscher;
- zur Schaffung eines Rechtsrahmens für eine gesamteuropäische Forschungsinfrastruktur;
- zur Verbesserung gemeinsamer Bemühungen für öffentlich finanzierte Forschungsprogramme, und;
- zur Koordination internationaler Wissenschafts- und Technologiekooperationen.
Als Teil dieses Prozesses wurde am 10. April 2008 eine Empfehlung für die Handhabung von geistigem Eigentum durch öffentliche Forschungsorganisationen angenommen (EURACTIV vom 11. April 2008).

