EU Ladegerät: EU-Abgeordnete drängen auf Ausweitung des Geltungsbereichs

Im September schlug die Europäische Kommission eine Lösung für ein gemeinsames Ladegerät für Smartphones und andere Arten von elektronischen Geräten vor. [EKKAPHAN CHIMPALEE/Shutterstock]

Die erste Anhörung im Europäischen Parlament zum Vorschlag für die Standardisierung von elektrischen Ladegeräten brachte einen parteiübergreifenden Konsens, auch drahtlose Ladegeräte, Laptops, Smartwatches und andere elektronische Geräte einzubeziehen. Die Europäische Kommission beharrte jedoch aus technischen Gründen auf ihrem Standpunkt.

In einem seltenen Akt der Einigkeit haben sich die EU-Parlamentarier der großen Fraktionen im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO) am Mittwoch (1. Dezember) nachdrücklich für eine Ausweitung des Geltungsbereichs der Legislativvorschläge zur Harmonisierung der Ladegeräte auf alle Arten von elektronischen Geräten ausgesprochen.

Das Europäische Parlament fordert bereits seit 2009 vehement eine Gesetzgebung für ein gemeinsames Ladegerät. Die EU-Kommission hat sich stattdessen für eine unverbindliche Einigung entschieden, mit der die Zahl der auf dem Markt befindlichen Ladegeräte von über 30 auf drei reduziert werden konnte.

Da sich die Hersteller jedoch nicht auf ein einziges Ladegerät einigen konnten, entschied sich die EU-Exekutive für verbindliche Verpflichtungen.

Apple ist einer der schärfsten Gegner des einheitlichen Ladegeräts, da der iPhone-Hersteller der Meinung ist, dass solche gesetzlichen Verpflichtungen die Innovation abwürgen würden.

Der Vorschlag soll es den Verbrauchern nicht nur ermöglichen, das beste verfügbare Ladegerät zu wählen, statt dasjenige, das zu ihrem Gerät passt, sondern er soll auch den Elektroschrott reduzieren, indem es möglich wird, die gleichen Ladegeräte für eine Vielzahl von Produkten zu verwenden.

„Elektroschrott ist immer noch der am schnellsten wachsende Abfallstrom in der Europäischen Union. Es ist wirklich erbärmlich, wie viel von diesen wertvollen Ressourcen wir verschwenden, indem wir sie in den Müll werfen“, sagte die grüne Europaabgeordnete Anna Cavazzini.

Der führende Verhandlungsführer des Vorschlags, der S&D-Abgeordnete Alex Agius Saliba, forderte eine Ausweitung des Geltungsbereichs und stellte den Ansatz der Kommission in Frage, der eine Auflistung der erfassten elektronischen Geräte vorsieht: Mobiltelefone, tragbare Lautsprecher, tragbare Videospielkonsolen, Digitalkameras, Kopfhörer und Tablets.

Für Agius Saliba würde eine Liste von Produkten unweigerlich dazu führen, dass neue Geräte nicht berücksichtigt werden. Er schlägt stattdessen vor, eine Leistungsanforderung für alle neuen Geräte festzulegen, unabhängig von der Art des Produkts.

„Dieser Ansatz deckt Geräte ab, die noch nicht in wiederaufladbarer Form erhältlich sind, und auch Situationen, in denen bestimmte Produkte mehr als eine Funktion haben, aber einige ihrer Funktionen nicht in der Liste enthalten sind“, erklärte der maltesische Gesetzgeber.

Die Abgeordneten von rechts bis links forderten, eine Reihe von Geräten, darunter Laptops, Smartwatches und Haushaltsgeräte, in den Geltungsbereich aufzunehmen.

Barbara Bonvissuto, die für den Vorschlag zuständige Referatsleiterin bei der EU-Kommission, antwortete, dass „wir die Geräte berücksichtigt haben, die ähnliche Ladeeigenschaften wie Smartphones haben. Geräte, die eine höhere Leistung benötigen, werden nicht dasselbe Ladegerät verwenden können“.

EU-Kommission will Vorschlag für einheitliche Ladekabel vorlegen

Die Europäische Kommission wird im September einen Gesetzesentwurf vorlegen, mit dem einheitliche Ladegeräte für Mobiltelefone und andere elektronische Geräte innerhalb der EU festgeschrieben werden sollen.

Bonvissuto verteidigte den Vorschlag mit dem Argument, dass die EU-Exekutive verpflichtet sei, die Liste der Geräte zu aktualisieren, wenn es neue Entwicklungen gebe.

„Wir stimmen mit Ihnen völlig überein, dass der Anwendungsbereich so breit wie möglich sein sollte, natürlich unter Berücksichtigung der technischen Einschränkungen“, fügte die Beamtin der Kommission hinzu.

Agius Saliba schlug auch vor, kabellose Ladegeräte einzubeziehen, da das Fehlen von Mindestanforderungen an die Interoperabilität eine verpasste Gelegenheit wäre.

„Was wäre, wenn die Hersteller Geräte auf den Markt brächten, die keine Möglichkeit zum kabelgebundenen Aufladen bieten, sondern nur proprietäre drahtlose Ladelösungen?“, fragte er.

Bonvissuto von der Kommission widersprach: „Das ist keine ausgereifte Technologie“ und verwies auf die begleitende Studie, die nicht auf eine starke Marktfragmentierung in diesem Bereich hinwies, sondern lediglich auf einige Bedenken in Bezug auf die Energieeffizienz.

Nach Ansicht der EU-Exekutive könnten drahtlose Lösungen eher bei einer möglichen nächsten Überarbeitung der Rechtsvorschriften in Betracht gezogen werden als in dieser Phase.

Der Christdemokrat Andrey Kovachev betonte, dass selbst bei einem interoperablen Ladeanschluss die Ladegeräte wirklich interoperabel sein müssen. Derzeit sind Ladegeräte, die vom selben Hersteller stammen wie das Endgerät, mit dem sie verwendet werden, in der Regel effizienter, sagte er weiter.

Kommission plant einheitliches Ladegerät für elektronische Geräte in zwei Jahren

Die Europäische Kommission hat am Donnerstag (23. September) einen Vorschlag vorgelegt, nach dem in zwei Jahren ein einheitliches Ladegerät für Smartphones, Tablets und andere Geräte eingeführt werden soll.

Das Parlament und die Kommission seien auch weit voneinander entfernt, wenn es darum gehe, wie man der Bündelung, also dem gemeinsamen Verkauf bestimmter Produkte, entgegenwirken könne. Agius Saliba betonte, dass Verbraucher nicht finanziell bestraft werden sollten, wenn sie das Ladegerät nicht zusammen mit dem Gerät kaufen.

Die Kommission ist der Meinung, dass Preisfragen nicht in den Geltungsbereich der Richtlinie fallen und dass der verstärkte Wettbewerb bei Ladelösungen die Preise nach unten treiben sollte.

Der erste Entwurf des parlamentarischen Berichts über den Vorschlag ist derzeit für den 10. Januar geplant, sodass die Abstimmung im IMCO-Ausschuss im April stattfinden kann.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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