EU-Kommissarin plant „fundamentale Veränderungen“ in Innovationspolitik

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Europas neue Forschungs- und Innovationsstrategie wird "fundamental anders sein als das, was wir bisher getan haben", sagte EU-Innovationskommissarin Máire Geoghegan-Quinn EURACTIV in einem exklusiven Interview.

Der Plan, der im Herbst veröffentlicht werden soll, wird eine ganzheitliche Definition als Kern beinhalten, so die Kommissarin, der zufolge außerdem soziale Innovation, Industriepolitik, Design und eine neue Methode für die sichere Messung des Einflusses von Forschungs- und Entwicklungsfinanzierung Teil der Strategie sein werden.

Die Arbeit an vorangegangenen Entwürfen des Dokuments begann 2009 im Unternehmensflügel der Exekutive, doch wurde dank Beiträgen von für Bildung, Regionalpolitik, Binnenmarkt und anderen Gebieten verantwortlichen Kommissaren substantiell erweitert.

"Als ich in der Kommission anfing, war ich überrascht, dass sie immer noch in Silos arbeiteten, während in der Mehrheit der Mitgliedsstaaten nicht mehr auf diese Art gearbeitet wird", sagte Geoghegan-Quinn, und fügte hinzu, dass Kommissionspräsident José Manuel Barroso es klar gemacht hätte, dass der neue Kommissar einen "Querschnitts"-Ansatz verfolgen müsste.

"Die zwei ersten Personen, die sich danach zusammen setzten, waren ich und [Industriekommissar] Antonio Tajani, und er sagte 'Schau, ich habe mich mit dem Innovationsplan beschäftigt, doch ausschließlich aus der Industrieperspektive – jetzt kann ich mich nicht länger nur auf diese Weise damit auseinandersetzen, also werden wir zusammen arbeiten müssen'. Dann fingen auf einmal andere Kommissare an, dazu zu stoßen – wie [Binnenmarktkommissar] Michel Barnier – und sagten, dass sie Interesse an wichtigen Teilen dieses Politikbereichs hätten, wie geistigem Eigentum. Und so kam die Kommissargruppe [zu Innovation] zusammen um die Dinge in einer ganzheitlicheren Art zu betrachten", sagte Geoghegan-Quinn.

Die Einbeziehung eines "Innovationsindikators", unterteilt durch die Kommission und einem Ausschuss für externe Experten, wurde aus der Kontroverse um das 3 Prozent Forschungs- und Entwicklungsinvestitionsziel geschaffen, das in der Europa 2020 Strategie enthalten ist.

Doch trotz des Widerstandes gegen die Zielsetzungen der Forschung und der bloßen Gegnerschaft gegenüber den Zielen für Armutsbekämpfung und Bildung der EU-Oberhäupter glaubt die Innovationskommissarin, dass die Mitgliedsstaaten sich dem 2020 Entwurf anschließen.

„Ich glaube, er wird angenommen. Denn es gibt eine Wahrnehmung, dass jedes Land seine eigenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten hat und keines sie allein bewältigen kann. Ich glaube, die Situation in Griechenland hat bewiesen, dass die Eurozone als Ganzes unter Beschuss steht, nicht nur Griechenland. Wir müssen alle zusammen arbeiten.“, so Geoghegan-Quinn.

Obwohl die meisten es nicht schafften, unter der Drei-Prozent-Grenze zu bleiben, die in der vorherigen zehnjährigen Wachstumsstrategie stand, sagte die Kommissarin, dieses Mal werde alles anders.

„Dieses Mal arbeitet unser Dienst mit allen Mitgliedsstaaten zusammen, um mit ihnen gemeinsam zu bestimmen, was in ihrem Kontext und basiert auf ihrer Ausgangsposition ein tatsächliches Ziel sein kann.“

Dies bedeutet individuelle Zielsetzungen für jedes Land und eine maßgeschneiderte Strategie, wie man das Geld für Forschung und Entwicklung aus privaten und öffentlichen Quellen zusammenbringen kann.

„Dieses Mal sind wir aktiv engagiert. Sie werden in unserem Innovationsplan sehen, dass wir ein Instrument zur Diagnose haben, das uns helfen wird, die Situation zu verstehen und einen hilfreichen Weg zu finden. Es wird keine Rückkehr zu "business as usual" geben.“

Die Kommissarin hat sich auch engagiert, sich der Öffentlichkeit zuzuwenden. Sie will größere Anstrengungen sehen, um die Bürger zu speziellen Themen einzuspannen und ihnen zu erklären, wie Europas Multi-Milliarden Forschungsbudget ausgegeben wird.

Um das vollständige Interview zu lesen (auf Englisch), klicken Sie bitte hier. 

  • Herbst 2010: Forschungs- und Innovations-Plan soll von der Europäischen Kommission veröffentlicht werden
  • Herbst 2010: EU-Oberhäupter sollen Innovation bei einem Gipfeltreffen in Brüssel debattieren

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