EU-Abkommen zur Online-Musik fordert die Macht der großen Konzerne heraus [DE]

Die Europäische Kommission hat mit der Musikindustrie ein Abkommen geschlossen, nach dem online europäische Repertoires gegründet werden sollen, um grenzüberschreitende Verkäufe zu verstärken. Es wird erwartet, dass dieser Schritt auch die Macht der großen Musikkonzerne angreift und einen positive Auswirkung im Kampf gegen Online-Piraterie hat.

In einer gemeinsamen Erklärung einigten sich Verwertungsgesellschaften, Plattenfirmen, Online-Musikgeschäfte, Verbraucherverbände und Produzenten darauf, neue Lizenzplattformen anzustreben, welche die Repertoires mehrerer Verwertungsgesellschaften umfassen sollten.

Sie werden nun dazu ermutigt, untereinander zu kooperieren und „das größtmögliche Repertoire“ auf Grundlage ihrer nationalen Kataloge zusammenzustellen.

Die Übereinkunft könnte einen Aufschwung nationaler und weniger bekannter Künstlern fördern, da ihre Musik nun einfacher zu downloaden und wahrscheinlich weniger teuer sein wird.

Das Abkommen, das von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes vermittelt wurde, ist nun abhängig von weiteren Verhandlungen, bei denen alle Einzelheiten ausgearbeitet werden sollen.

„Wir haben uns darauf geeinigt, ein gemeinsames, nicht obligatorisches und nicht-exklusives Portal einzurichten, um das größtmögliche Repertoire einzubeziehen“, sagte Bernard Miyet, Chef der französischen Verwertungsgesellschaft Sacem, zum Abkommen der Musikindustrie gegenüber EURACTIV.

Die praktische Auswirkung wird sein, dass Online-Musikläden wie iTunes oder Amazon auf Titel und CDs europäischer Künstler in einem einzigen Schritt Zugriff haben werden, ohne mit unterschiedlicher nationaler Gesetzgebung und widersprüchlichen Verwertungsgesellschaften konfrontiert zu werden.

Bisher haben zersplitterte Urheberrechtsregeln zu weniger Auswahl und unterschiedlichen Preisen für Verbraucher je nach Herkunftsland geführt. Die strenge Anwendung dieser Regeln hat Konsumenten sogar daran gehindert, Musik in Online-Läden zu kaufen, die in anderen EU-Ländern registriert sind, welches gegen die Regeln des EU-Binnenmarkts verstößt.

Die französischen, italienischen, spanischen und skandinavischen Verwertungsgesellschaften haben schon Interesse an der Gründung eines gemeinsamen Repertoires bekundet, um Online-Musikangebote zu stärken. Zudem hat die englische Verwertungsgesellschaft PRS for Music gesagt, dass es möglicherweise mehr als ein einziges gemeinsames Repertoire geben könnte.

Großen Plattenfirmen wie Universal oder EMI wird es frei stehen, ihre Kataloge auf ein gemeinsames Portal zu stellen oder sie direkt an Einzelhandelsketten zu verkaufen. EMI hat bereits angekündigt, bald „nicht-exklusive“ Abkommen mit den spanischen und französischen Verwertungsgesellschaften abschließen zu wollen.
Anti-Piraterie-Effekt

Es wird außerdem erwartet, dass das Abkommen beim Kampf gegen Piraterie hilft. Wachsende Repertoires und einfachere Verwaltungsprozeduren werden wahrscheinlich die Kosten für die Industrie reduzieren und damit letztendlich die Preise für die Verbraucher senken, die dadurch wiederum zu einem legalen Weg ermutigt werden anstatt auf Peer-to-Peer-Webseiten illegal Musikstücke herunterzuladen.

„Indem wir die Lizenzvergabe vereinfachen, helfen wir bei der Entwicklung legaler Angebote und tragen damit zum Kampf gegen Online-Piraterie bei”, erklärte Miyet.

Währenddessen erlebt der Markt das Aufkommen neuer Geschäftsmodelle. Im April letzten Jahres startete der in Dänemark etablierte Telekommunikationsbetreiber TDC ein neues Angebot, mit dem seine Kunden umsonst Zugang zu Online-Musik bekamen.

Mit diesem Angebot können Kunden auf die Kataloge großer Plattenfirmen als Teil ihrer Monatsgebühren zugreifen.

„Dieses revolutionäre Konzept wird TDCs Position stärken und den internationalen Musikmarkt grundlegend verändern“, sagte TDC. „Wir erwarten, dass andere Telekommunikationsanbieter bald nachziehen“, so TDC weiter. Jedoch hat die dänische Telekomfirma bisher noch keinen Anstieg in der Zahl ihrer Kunden erlebt.

Am Donnerstag (22. Oktober) werden die europäischen Institutionen einen endgültigen Kompromiss im Telekompaket zu finden versuchen, welches zur Zeit aufgrund von Fragen zu den Rechten von Internetnutzern und Anti-Piraterie-Maßnahmen blockiert ist.

Die Urheberrechte in der Musikindustrie werden in Europa von Verwertungsgesellschaften verwaltet, die Lizenzgebühren erhalten, wenn Lieder live gespielt oder in den Medien – auch im Internet – übertragen werden.

Bisher haben die Verwertungsgesellschaften die Rechte der Autoren auf nationaler Ebene verwaltet, aber die wachsende Bedeutung des Internets gibt einem grenzüberschreitenden Geschäftsmodell Auftrieb.

Im vergangenen Juli hatte Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes 24 europäische Verwertungsgesellschaften dazu aufgefordert, eine Vertragsbestimmung abzuschaffen, die Urheber daran hinderte, sich Verwertungsgesellschaften auszusuchen oder diese zu wechseln. Dieser Schritt ebnete den Weg für eine pan-europäische Lizenzvergabe von Musikrepertoires (EURACTIV vom 17. Juli 2009)

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