Erste European Coding Challenge: Besorgnis über Talentmangel

Die europäische Exekutive hat auch ein Ziel für die Geschlechterkonvergenz festgelegt und die Mitgliedstaaten aufgefordert, den Zugang von Frauen zu dieser Branche zu fördern. [Mathieu Pollet]

Am Freitag (20. Mai) fand in Nikosia die erste European Coding Challenge statt, bei der junge Zypriot:innen ein Training absolvierten und Einblicke von Experten:innen erhielten. Ziel dabei ist es sicherzustellen, dass es der EU nicht an den nötigen Kompetenzen zur Verwirklichung der digitalen Souveränität mangelt.

Weltweit wütet ein Wettstreit zwischen den globalen Großmächten, um die besten Talen:e im IT-Bereich für sich zu beanspruchen. Europäische Unternehmen stoßen auf Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von IKT-Spezialist:innen (Informations- und Kommunikationstechnologie).

Die europäische Dachorganisation All Digital, die zypriotische Computergesellschaft und das globale Technologieunternehmen Huawei haben in Nikosia einen eintägigen Programmierwettbewerb organisiert, um das Bewusstsein für dieses Thema zu schärfen.

Ziel war es, junge Zypriot:innen zu motivieren, den Weg des Programmierens einzuschlagen, da diese Fähigkeiten immer mehr in den Fokus geraten. „Programmieren sollte für jeden zugänglich sein“, sagte Peter Palvolgyi, CEO von All Digital, und fügte hinzu, dass „dies besser durch nicht-formale Bildung erreicht werden kann.“

Den 27 Teilnehmer:innen wurde die Möglichkeit geboten, eine Schulung bei HUAWEI Mobile Services – dem chinesischen Unternehmen, das als technischer Partner fungierte – sowie Feedback und Tipps von Coding-Expert:innen zu erhalten.

„Wir wissen, dass das Ökosystem von Anwendungen sehr wichtig ist“, erklärte Marco Xu, Leiter für öffentliche Angelegenheiten für Mittel-, Ost- und Nordeuropa bei Huawei, gegenüber EURACTIV und betonte, dass solche Veranstaltungen eine Chance bieten, Entwickler:innen zu ermutigen, ihre Plattform zu nutzen.

„Die meisten Studenten, die heute ihren Abschluss machen, verfügen nur über Grundkenntnisse und nicht über das Fachwissen, das die Unternehmen benötigen“, sagte er und verwies auf eine sich ständig verändernde Branche, die Experten:innen benötigt, um auf dem neuesten Stand zu sein.

Allein in Zypern werden rund 4.000 IT-Spezialist:innen benötigt, so Kyriacos Kokkinos, stellvertretender Minister für Forschung, Innovation und digitale Politik des Landes, der auf der Veranstaltung eine Rede hielt.

„Weg zum digitalen Jahrzehnt“

Um diesen Mangel, der in ganz Europa zu beobachten ist, zu beheben, hat die Europäische Kommission im September 2021 einen Plan unter dem Namen „Path to Digital Decade“ (Weg zum digitalen Jahrzehnt) vorgestellt. Mit dieser Initiative soll sichergestellt werden, dass der Kontinent die Digitalisierung bis 2030 vollständig umsetzt.

Als Teil der gesetzten Ziele sollen mindestens 80 Prozent der EU-Bürger:innen über digitale Grundkenntnisse verfügen, und die EU27 soll bis 2030 auf 20 Millionen IKT-Arbeitskräfte zurückgreifen können.

„Das ist keine leichte Aufgabe“, erklärte der zypriotische Minister. Er sprach von einem „ehrgeizigen“ Ziel, versprach aber, es zu einer „hohen Priorität der Regierung“ zu machen. Huawei sei „bereit, einen Beitrag zu diesem [europäischen] Ziel zu leisten“, so Xu weiter.

„Die Knappheit hat zwei Dimensionen“, sagte Kokkinnos gegenüber EURACTIV. Er erwähnte, es gehe nicht nur um die Quantität, sondern auch um die Qualität. „Es gibt einen Mangel an Marktbedürfnissen“, sagte er und betonte, dass die Kompetenzen, die Studenten an der Universität erlernen, bereits beim Eintritt in den Arbeitsmarkt aufgewertet werden müssen. „Programmieren ist wie Sand schaufeln. Man muss immer auf der Höhe der Zeit sein“, betonte er.

Laut dem Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaf (Digital Economy and Society Index, DESI) aus dem Jahr 2021 -einem Index zur Bewertung der digitalen Leistungsfähigkeit der Mitgliedstaaten, sind nicht alle Mitgliedstaaten auf dem richtigen Weg, wenn es um Kompetenzen geht.

Digitaler Wandel könnte zu Fachkräftemangel und Massenarbeitslosigkeit führen

Das Nebeneinander von Fachkräftemangel und Massenarbeitslosigkeit stelle eine große Herausforderung für den deutschen Arbeitsmarkt in der digitalen Transformation dar, so ein Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). 

Deutschland solle daher einen “Aufholprozess” starten und betriebliche Weiterbildungs- …

Mehr Frauen nötig

Die europäische Exekutive hat auch ein Ziel für die Geschlechterkonvergenz festgelegt und die Mitgliedstaaten aufgefordert, den Zugang von Frauen zu dieser Branche zu fördern.

Auf die Frage, wie wichtig es ist, mehr Frauen im IKT-Sektor zu haben, sagte Kokkinnos, dass diese Frage „leicht zu beantworten, aber schwer zu lösen“ sei. „Unser Bildungssystem und unsere gesellschaftlichen Vorurteile ermutigen Frauen nicht, eine solche Karriere anzustreben“, erklärte er.

„Das fängt in der Familie und in der Gesellschaft an, und dann hält das Bildungssystem dies aufrecht, anstatt es zu ändern und umzukehren. Das ist eine große Herausforderung“, sagte er gegenüber EURACTIV und betonte, dass es trotz vieler Initiativen in Europa in den letzten Jahren keine „messbare Verbesserung“ gegeben habe.

„Ich habe immer geglaubt, dass die digitale Technologie die beste Möglichkeit für Männer und Frauen ist, Gleichberechtigung zu erreichen“, sagte Xu und forderte die Bildungssysteme der einzelnen Länder auf, Studentinnen zu ermutigen, diese Berufe anzustreben.

„Alles ist so konditioniert, dass eine Frau denkt, sie könne nicht gut mit einem Computer umgehen“, sagte Elena Strouthou, Mitbegründerin von Cocoon Creations Services, einer Agentur für mobiles Design, die den Anwesenden von ihrer Reise berichtete. „Das schließt 50Prozent der Bevölkerung aus“, sagte sie gegenüber EURACTIV.

Der Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) des Europäischen Parlaments hat am Dienstag (17. Mai) seine Position zum Vorschlag „Path to Digital Decade“ angenommen.

Vertreter des Tech-Sektors fordern eine stärkere Beteiligung von Frauen in allen Innovationsphasen

Eine stärkere Beteiligung von Frauen ist in allen Phasen des Entwicklungsprozesses von Technologieprodukten und -politiken erforderlich, so Innovatoren und Branchenvertreter.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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