Dramatischer Anstieg der Cyberkriminalität in Deutschland

Insgesamt stieg die Anzahl der erfassten Cybercrime-Fälle im Jahr 2020 um rund acht Prozent. Im Vorjahr wurde sogar eine Zunahme von über 15 Prozent festgestellt. [EPA-EFE/RONALD WITTEK]

Deutschland verzeichnet einen deutlichen Anstieg von Cyberkriminalität. Dies geht aus dem am Montag (10. Mai) veröffentlichten Bundeslagebild für Cybercrime 2020 des Bundeskriminalamts (BKA) hervor. Auf Bundes- und EU-Ebene wird das Problem bereits angegangen.

Insgesamt stieg die Anzahl der erfassten Cybercrime-Fälle im Jahr 2020 um rund acht Prozent. Im Vorjahr wurde sogar eine Zunahme von über 15 Prozent festgestellt. Demgegenüber sank die Quote der aufgeklärten Fälle: während diese 2018 noch 40 Prozent betrug, sank sie auf 32,6 Prozent im Jahr 2020.

Der coronabedingte Digitalisierungsschub gilt hierbei als Treiber der Cyberkriminalität: Denn je mehr Abläufe sich ins Netz verlagern, desto breiter wird die Angriffsfläche für Cyberkriminelle.

IT-Lagebericht: Ohne digitale Sicherheit keine Digitalisierung

Durch die Pandemie erlebt Deutschland einen starken Digitalisierungsschub. Doch die IT-Sicherheitslage ist angespannt, sagt der neue Lagebericht des BSI, des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik.

Als besonders problematisch wird im Bericht die steigende Professionalisierung von Kriminellen in der Cyber-Ökonomie angesehen. Auf entsprechenden Online-Marktplätzen würden kriminelle „Dienstleistungen“ zum Spottpreis angeboten: Spamservices sind bereits ab zehn Cent zu haben; ein Banking-Trojaner ab rund 800 Euro.

Besonders eklatant wirken sich diese Entwicklungen auf die deutschen Unternehmen aus. Jedes vierte bis fünfte deutsche Unternehmen mit über 500 Beschäftigten wurde bereits Opfer von Ransomware-Attacken. Bei solchen Angriffen werden Daten von Unternehmen gestohlen oder verschlüsselt, bis die Geschädigten teils horrende Summen an „Lösegeld“ bezahlen. Laut einer Studie des Bundesministeriums des Inneren ist der Verlust von sensiblen Daten für rund die Hälfte aller Unternehmen existenzbedrohend.

Problematisch ist außerdem die hohe Dunkelziffer, wie aus einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums hervorgeht. Aus Angst vor Reputationsverlust werden lediglich zwölf Prozent aller Cyberattacken auf Unternehmen zur Anzeige gebracht.

„Cyberangriffe sind eine der größten Gefahren dieser Zeit,“ betonte Paul Ziemiak, Generalsekretär der CDU. „Unser Land braucht eine digitale Sicherheitsarchitektur, die uns robust gegen Cyberangriffe verteidigt. Wir sehen es als Kernaufgabe des Staates an, Sicherheit auch in der digitalen Welt zu gewährleisten,“ sagte der CDU-Politiker.

Deutschland verabschiedet IT-Sicherheitsgesetz

Der Bericht des BKA sieht vor allem Großunternehmen, die kritische Infrastruktur, sowie öffentliche Einrichtungen massiv gefährdet. Je essentieller eine Dienstleistung für die Gesellschaft sei, desto lukrativer wirke ein Cyberangriff für Kriminelle. Insbesondere unsichere IT-Systeme bieten ein willkommenes Einfallstor für Hacker, wie aus dem jüngsten SolarWinds-Hack deutlich wird.

Die deutsche Bundesregierung hat sich der Sache bereits angenommen. In dem am vergangenen Freitag (7. Mai) vom Bundestag abgesegneten IT-Sicherheitsgesetz 2.0 werden die für Betreiber kritischer Infrastruktur bereits geltenden Meldepflichten und Standards auf Unternehmen im besonderen öffentlichen Interesse ausgedehnt, um dem wachsenden Problem der Cyberangriffe Herr zu werden.

"Digitale Dekade": Kommission stellt Ziele für europäische Datensouveränität vor

Die Europäische Kommission legt heute eine Reihe von Digital-Zielen für das Jahr 2030 vor. Diese sollen dem Block helfen, neue Technologien für die Datenverarbeitung zu schaffen. Die entsprechenden Dokumente konnte EURACTIV.com bereits einsehen.

Das Gesetz sieht zudem eine Stärkung des Mandats des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor, dass künftig verbindliche Standards für Bundesbehörden festlegen und deren Einhaltung kontrollieren kann. „Das BSI soll neben Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz eine dritte Säule unserer Cybersicherheitsarchitektur bilden,“ so CDU-Generalsekretär Ziemiak.

Auch der Verbraucherschutz wird in den Aufgabenkatalog des BSI aufgenommen: Die Behörde wurde mit Ausarbeitung eines Gütesiegels beauftragt, dass es Konsumenten klar ersichtlich machen soll, welche Produkte bestimmte Sicherheitsstandards erfüllen und welche als unsicher einzustufen sind.

„Heute ist ein guter Tag für die Cybersicherheit in Deutschland,“ kommentierte Bundesinnenminister Horst Seehofer die Billigung des Gesetzes durch den Bundesrat. „Die Digitalisierung durchdringt alle Lebensbereiche, die Pandemie hat diesen Prozess noch einmal enorm beschleunigt. Unsere Schutzmechanismen und Abwehrstrategien müssen Schritt halten – genau dazu dient das IT-Sicherheitsgesetz 2.0,“ sagte der Bundesminister.

Cybersicherheit Top-Priorität der EU

Auch die EU hat in den vergangenen Monaten beim Thema Cybersicherheit angezogen. Bereits 2019 hatte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer Rede Cybersicherheit zu einer der Top-Prioritäten der EU erklärt. „Cybersicherheit ist die Kehrseite von Digitalisierung – deshalb ebenso eine Priorität für uns,“ erklärte sie damals.

Kabinett billigt IT-Sicherheitsgesetz: Hohe Hürden für Huawei

Das Gesetz ist ein Durchbruch für Deutschlands Cybersicherheit”, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer. Konkret ist vorgesehen, dass die Bauteile von Lieferanten strenger geprüft werden.

Im Juni 2019 verabschiedete die EU einen Rechtsakt zur Cybersicherheit, der das Mandat der Agentur der EU für Cybersicherheit erweiterte und unionsweite Standards für IT-Produkte und Dienstleistungen schuf.

Im Dezember vergangenen Jahres präsentierte die Europäische Kommission zudem eine neue Cybersicherheitsstrategie, die mit einer Vielzahl an Vorschlägen aufwartete, um die Cyberresilienz des privaten und öffentlichen Sektors zu gewährleisten, sowie die Kooperation zwischen den EU und staatlichen Institutionen deutlich zu verbessern. Um die ambitionierten Pläne in der Strategie umzusetzen, hat die Europäische Kommission über eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt.

Am Montag (10. Mai) verkündete die Kommission darüber hinaus eine Finanzspritze von elf Millionen Euro für Cybersicherheitsprojekte in 18 Mitgliedstaaten.

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