Digitalisierungsindex in Deutschland: Viele Baustellen, manche Lichtblicke

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Das deutsche Bundesministerium des Inneren stellte am Donnerstag (6. Mai), gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut den Deutschland-Index der Digitalisierung 2021 vor. Zwar zeigt der Index einen positiven Trend in Richtung vermehrter Digitalisierung, jedoch besteht insbesondere im Bereich digitale Infrastruktur und Bürgerservices Nachholbedarf.

Deutschland konnte im Index von 68,3 auf 70,2 Punkte zulegen. Die untersuchten Indizes versuchen Trends, Stärken und Baustellen innerhalb der Themenbereiche Infrastruktur, Digitales Leben, Wirtschaft und Forschung, Bürgerservices sowie Digitale Kommunen aufzuzeigen. Im Vergleich zum letzten Bericht von 2019 wurde die Steigerung nicht von einzelnen Themenbereichen getragen, sondern durch eine breite Zunahme über mehrere Indikatoren hinweg angetrieben.

Starke Zuwächse wurden insbesondere der IT-Branche attestiert, die die Studie als eine der wesentlichen Triebfedern für die Digitalwirtschaft identifiziert. So stieg die Anzahl der IT-Beschäftigten um 13 Prozent, gegenüber einem Wachstum von 3 Prozent bei allen Beschäftigten. Jedoch wurden in einigen Bereichen auch große Mängel deutlich.

Sorgenkind Digitale Infrastruktur

Zwar konnte Deutschland in der digitalen Infrastruktur einige Erfolge verbuchen, jedoch zeichnet sich in vielen Bereichen Verbesserungsbedarf ab. Besonders der schleppende Ausbau des Breitbandnetzes sowie Mängel in der Internet-Konnektivität werden kritisiert.

So klagen große Teile der deutschen Bevölkerungen über regelmäßige Verbindungsausfälle und besonders im ländlichen Raum ist der eingeschränkte Internetzugang vielerorts Dauerzustand.

Auch der schwerfällige Ausbau des Glasfasernetzes wird in dem Bericht beanstandet. Zwar hat Deutschland hier im Vergleich zum Vorjahr Fahrt aufgenommen, international hinkt die Bundesrepublik aber weiterhin hinterher. Laut den Zahlen der OECD lag der Anteil von Glasfaseranschlüssen im Jahr 2020 bei lediglich 4,7 Prozent. Zum Vergleich: Länder wie Schweden, Litauen, oder Spanien, wiesen im selben Jahr einen Anteil zwischen 69,7 und 75,7 Prozent auf.

Der Stand der digitalen Infrastruktur wird bereits seit längerem kritisiert. Deutschland hat zuletzt in den Beiden wichtigsten internationalen Rankings zur Digitalisierung, dem Digital Readiness Index und dem IMD World Digital Competitiveness Ranking, Plätze eingebüßt. Als einen der wesentlichen Gründe für das Abrutschen nannten beide Rankings unter anderem das schlechte Abschneiden im digitalen Infrastrukturbereich.

Hohe Nachfrage trifft niedriges Angebot

Eine weitere Baustelle verortet der Index in Bezug auf die digitale Verwaltung. Zwar stieg die Nutzung digitaler Verwaltungsangebote deutlich an, jedoch stand die hohe Nachfrage einem überschaubaren Angebot gegenüber.

Während die Anzahl an Informationsanfragen an die Bundesbehörden im Vergleich zum vorherigen Bericht stark anwuchs, sank die Beantwortungsquote in beinahe allen Bundesländern um bis zu 32 Prozent.

Auch bei kommunalen Webportalen und dem Open-Data-Angebot der Länder äußert sich der Bericht kritisch. Zwar nutzen immer mehr Menschen die digitale Verwaltung, jedoch verlaufen die Digitalisierungsfortschritte langsam und bleiben hinter den Erwartungen zurück.

Dr. Markus Richter, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, kommentierte, dass der Ausbau der digitalen Verwaltung noch viel Potenzial berge: „Unser gemeinsames Ziel ist, dass die Menschen in allen 11.000 Kommunen in Deutschland einen vollwertigen Zugang zur digitalen Verwaltungswelt bekommen. Daran arbeiten wir im Bund gemeinsam mit den Ländern und Kommunen auf Hochtouren.“

Schlechte Noten auch von der Bevölkerung

Der Index der Digitalisierung zeigt auf, dass sich die digitale Affinität der deutschen Bevölkerung durch die Corona-Pandemie weiter beschleunigt hat. Doch wird die Bundespolitik der steigenden Bedeutung der Digitalisierung in den Augen der deutschen Bevölkerung nicht gerecht. Dies wird anhand einer am Freitag (29. April) vom Verband der Internetwirtschaft (eco) in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage deutlich.

Demnach geben 71,4 Prozent der Befragten an, in keinem einzigen digital-politischen Bereich mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden zu sein. Besonders schlecht vielen die Zustimmungswerte bei den Themen der digitalen Verwaltung (3,4 Prozent) sowie der digitalen Infrastruktur (4,9 Prozent) aus.

Der eco Vorstandsvorsitzende Oliver Süme erklärt sich die niedrigen Zustimmungswerte vor allem durch die wachsende Bedeutung der Digitalisierung in der Corona Pandemie. „Digitalisierung ist kein Nischenthema mehr, sondern ist längst im Alltag der Menschen angekommen,“ kommentiert er.

Um der wachsenden Gewichtigkeit der Digitalisierung Rechnung zu tragen, fordert eco, die Einführung eines Digitalministeriums, dass die zukünftigen Agenden ressortübergreifend koordinieren sollte.

Bislang fällt die Digitalisierung in den Kompetenzbereich von gleich drei Ressorts: dem Wirtschaftsministerium, dem Verkehrsministerium sowie dem Ministerium des Inneren. Kritiker bemängeln, dass sich diese Aufsplitterung von Kompetenzen negativ auf die Koordination der Digitalisierungspolitik auswirke.

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