Digitale Souveränität: Die Herausforderung für mittelständische Unternehmen

Auf der Veranstaltung befassten sich Experten mit der Frage, wie künstliche Intelligenz, Wettbewerb, Qualifikationen, Nachhaltigkeit und Innovation die Landschaft für die digitalen KMUs in Europa prägen. [Shutterstock/tum3123]

Von technologischer Abhängigkeit bis hin zu mangelnden Fähigkeiten – Europas digitale kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) stehen vor einer großen Herausforderung, wenn sie die europäische digitale Souveränität vorantreiben wollen.

Am Montag (13. November) organisierte die European DIGITAL SME Alliance, das größte Netzwerk kleiner und mittelständischer IT-Unternehmen in Europa, das mehr als 45.000 Unternehmen vertritt, den digitalen KMU-Gipfel.

Auf der Veranstaltung sprachen Experten darüber, wie künstliche Intelligenz, Wettbewerb, Qualifikationen, Nachhaltigkeit und Innovation die Landschaft für Europas digitale KMU prägen.

Der Einfluss der USA und die Herausforderungen der KMU

Laut Laurenţiu Plosceanu, Vizepräsident des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA), wurden „schon viel zu lange Bedenken geäußert“, sich auf Technologieunternehmen außerhalb der EU zu verlassen.

Plosceanu ist der Ansicht, dass diese „starke Abhängigkeit von Unternehmen aus Drittstaaten die strategische Autonomie in der digitalen Welt einschränkt“; daher dürfe „der wirtschaftliche Einfluss von Unternehmen außerhalb der USA nicht heruntergespielt werden.“

Um die Entwicklung voranzutreiben, sei eine starke Zusammenarbeit zwischen den EU-Staaten erforderlich, so der Vizepräsident. Darüber hinaus seien auch Investitionen in digitale Kapazitäten, Bildung und Berufsausbildung sowie in die Infrastruktur unerlässlich.

Dennoch „stehen die KMU vor großen Herausforderungen bei der Einführung grundlegender digitaler Technologien“, sagte er. Einige haben Probleme, „mit dem Tempo der Digitalisierung in ihrer Branche Schritt zu halten“, insbesondere bei Prozessen, „die hohe Einstiegskosten erfordern.“

Er betonte, dass es für die Förderung und Beteiligung digitaler KMU an der Digitalisierung zentral sei, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu verbessern.

Digitale Dekade: EU-Bericht zeigt Lücken in Digitalisierungsplänen

Der erste Bericht über den Stand der Digitalen Dekade wurde am Mittwoch (27. September) veröffentlicht. Die wichtigsten Ergebnisse zeigen Lücken in der 5G-Netzabdeckung und offene Fragen beim Einsatz künstlicher Intelligenz in Unternehmen.

Amaryllis Verhoeven, Referatsleiterin für die digitale Transformation der Industrie in der Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMUs (GROW) der Europäischen Kommission, sagte: „Wir brauchen traditionelle Dienstleister hier in Europa“.

Zur Abhängigkeit der EU von Technologien aus den USA sagte Oliver Grün, Präsident der DIGITAL SME Alliance: „Mit Regulierungen werden wir sie nicht überwinden. Wir brauchen dringend Innovationen.“ Seiner Ansicht nach sind mangelnde Fachkenntnisse ebenfalls ein Problem und ein anderes Bildungssystem sei notwendig, um dieses anzugehen.

Francesca Bria, ehemalige Präsidentin des italienischen Innovationsfonds und Professorin am Institute for Public Purpose des University College London, sagte jedoch, dass „harmonisierte europäische Regeln“ erforderlich seien und dass sie nicht glaube, dass „Regulierung mit Innovation konkurriert. Ich denke, sie müssen Hand in Hand gehen.“

Digitale Souveränität

„Ein digital souveränes Europa ist ein Europa, das wählen kann“, sagte Vittorio Bertola, Leiter für Politik und Innovation bei Open X-Change, dem größten unabhängigen E-Mail-Anbieter der Welt. Er wies auch auf den Einfluss der US-Unternehmen hin und sagte, dass deren Vorherrschaft die Auswahlmöglichkeiten einschränke.

Grün betonte, wie wichtig es sei, „unsere eigenen digitalen Produkte“ zu entwerfen und sie nicht einfach nur zu benutzen. Er fügte hinzu, dass die digitale Souveränität mehr als nur ein Werkzeug sei, da sie auch in Zusammenhang mit der politischen Souveränität stehe. Er ist auch der Meinung, dass die EU „für alle Technologien offen bleiben“ sollte, einschließlich Open-Source- und Closed-Source-Technologien.

Cloud-Sektor zeigt Divergenzen zwischen Frankreich und Deutschland

Die jüngste Ankündigung einer „neuen, unabhängigen Cloud für Europa“ durch Amazon Web Services (AWS) hat eine wachsende Kluft zwischen Paris und Berlin in der Auslegung der digitalen Souveränität im Cloud-Sektor deutlich gemacht.

Daten außerhalb der EU

„Schätzungsweise 92 Prozent aller Daten der westlichen Welt sind auf US-Servern gespeichert“, betonte Plosceanu.

Ihm zufolge können solche Daten von Online-Daten aus sozialen Medien bis hin zu öffentlichen Daten von nationalen Regierungen reichen. Deshalb sei es „von entscheidender Bedeutung, eine Cloud- und Dateninfrastruktur zu entwickeln, die das enorme Ungleichgewicht des von US-Unternehmen fast vollständig beherrschten Cloud- und Datenspeichermarktes behebt.“

Verhoeven sagte, dass die Prioritäten der Generaldirektion GROW darin bestünden, „den Wert der Daten für Europa zu erschließen, sicherzustellen, dass europäische Unternehmen Zugang zu den Daten haben, und auch dafür zu sorgen, dass es ein vertrauenswürdiges Umfeld gibt“, in dem der Datenschutz gewährleistet ist.

[Bearbeitet von Luca Bertuzzi/Nathalie Weatherald/Kjeld Neubert]

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