Digitale Revolution: Abgeordneter warnt vor „ökologischer Katastrophe“

Die EU hat Pläne ausgearbeitet, um sowohl digitale Defizite als auch Umweltprobleme im nächsten Jahrzehnt und darüber hinaus zu bekämpfen. [Shutterstock / PeachShutterStock]

Aufgrund der benötigten Rohstoffe birgt die digitale Revolution die Gefahr, die Umwelt ernsthaft zu schädigen. Die EU-Gesetzgebung müsse sicherstellen, dass sie nachhaltig gestaltet wird, so der grüne französische EU-Abgeordnete David Cormand auf einer Veranstaltung zum Thema Grüne IKT am Dienstag (14. Juni).

Die Online-Veranstaltung brachte Interessenvertreter:innen aus der Digital- und Umweltbranche zusammen, um darüber zu diskutieren, wie der Digitalsektor die grüne Wende beschleunigen kann. Es wurden aber auch Bedenken hinsichtlich der Umweltauswirkungen der Digitalisierung geäußert.

„Im Moment ist diese Revolution katastrophal, eine ökologische Katastrophe, denn alle Objekte, die miteinander verbunden sind, brauchen dafür viel, viel, viel, viel, und im Moment haben wir keine Standards, um damit eine Kreislaufwirtschaft zu betreiben“, sagte Cormand.

Der Berichterstatter für einen nachhaltigen Binnenmarkt im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO) fügte hinzu, dass die ökologische Wende eine unabdingbare Notwendigkeit sei, während der digitale Wandel ein Werkzeug sei.

Es ist an der Zeit, so Cormand weiter, „zu entscheiden, welche digitale Revolution wir wollen. Wenn wir in der jetzigen Situation eine digitale Revolution führen, wird das keine Lösung für den Planeten sein. Es wird das Gegenteil bewirken.“

Digitale Defizite bekämpfen

Die EU hat Pläne ausgearbeitet, um sowohl digitale Defizite als auch Umweltprobleme im nächsten Jahrzehnt und darüber hinaus zu bekämpfen. Dennoch betonten diejenigen, die neben Cormand sprachen, wie wichtig es sei, die potenziell negativen Auswirkungen des einen Wandels auf den anderen zu untersuchen.

„Der digitale Wandel kann mit dem grünen Wandel kollidieren“, sagte Ilias Iakovidis, der Berater der Europäischen Kommission für digitale Aspekte der grünen Wende, und fügte hinzu, dass „jedes Detail der Digitalisierung im Hinblick auf die Nachhaltigkeit gestaltet werden muss.“

„Es ist nicht offensichtlich, dass die Digitalisierung von Energiesystemen oder der Landwirtschaft einen Nachhaltigkeitsvorteil bringt“, sagte Iakovidis. „Es gibt eine ganz bestimmte Bandbreite und Bedingungen, unter denen Sie einen dreifachen Nutzen erzielen: wirtschaftlich, sozial und ökologisch.“

Um sicherzustellen, dass diese Rahmenbedingungen entwickelt und messbar gemacht werden und dass sowohl die politischen Entscheidungsträger:innen als auch die Finanzinstitute sich daran orientieren, sei es unerlässlich, dass Nachhaltigkeitsvorteile erzielt werden, sagte er.

Iakovidis ergänzte, dass dies der Schwerpunkt der Europäische grüne Digital-Koalition sei, einer Gruppe von Unternehmen aus dem Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), die sich im letzten Jahr verpflichtet haben, die beiden Ziele der EU zu unterstützen.

Neben den großen Unternehmen, so Véronique Willems, Generalsekretärin von SMEunited – einer europäischen Vereinigung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) – ist die Beteiligung der KMU von entscheidender Bedeutung, um den grünen und den digitalen Wandel zu gewährleisten.

In Bezug auf die finanziellen Aspekte dieser Wende sei es äußerst wichtig, die Details der zwei Ziele für 2030 klarzustellen. Dies gelte insbesondere hinsichtlich der Höhe der Beträge, die sowohl jetzt als auch in Zukunft in diese Ziele investiert werden sollten.

Willems fügte hinzu, dass ein weiteres Element zur Förderung der Beteiligung von KMU darin bestehen werde, sicherzustellen, dass der Aufwand für die Erstellung von Berichten nicht zu groß sei. Generell müssen diese Unternehmen jedoch mehr Unterstützung erhalten, um ihren Beitrag zu erleichtern.

Sie wies außerdem darauf hin, wie wichtig es ist, die Fähigkeiten und Anforderungen der aktuellen und zukünftigen grünen Wende zu erfassen, um zu gewährleisten, dass die Menschen die richtige Ausbildung für einen zunehmend digitalisierten Arbeitsplatz haben.

Die Beseitigung der digitalen Qualifikationslücke war im vergangenen Jahr ein besonderer Schwerpunkt auf EU-Ebene, seit die Kommission im Jahr 2021 die Ziele der Digitalen Dekade vorgestellt hat, die darauf abzielt, die speziellen Fähigkeiten der IKT-Beschäftigten und die allgemeineren Fähigkeiten der breiten Bevölkerung zu verbessern.

Ungleicher Fortschritt

Die Fortschritte bei der Verwirklichung dieser Ziele waren nicht gleichmäßig, einige Länder haben andere überholt, und Beobachter:innen haben gewarnt, dass wahrscheinlich weitere Maßnahmen erforderlich sein werden, wenn die Ziele vor ihrem Enddatum 2030 erreicht werden sollen.

Ziele der digitalen Dekade ohne verstärkte Anstrengungen in Gefahr

Die digitale Entwicklung muss erheblich beschleunigt werden um die Ziele der digitalen Dekade der EU zu erreichen. Dies geht aus einem neuen Bericht hervor, der die Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten hervorhebt.

„Wenn Sie diesen Übergang schaffen und im wirklichen Leben etwas bewirken wollen, dann müssen Sie mehr investieren und die kleinen und mittleren Unternehmen stärker unterstützen“, sagte Willems.

Es gibt viele Möglichkeiten für IKT-KMU, Nachhaltigkeit in ihre Geschäftsmodelle einzubauen, so Iakovidis. Zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit Reparaturbetrieben und Herstellern, um den Wiederverkauf von Produkten zu ermöglichen, zu einer Kreislaufwirtschaft beizutragen und Produktabfälle zu verringern.

Die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft sollte oberste Priorität haben, sagte er und fügte hinzu: „Hier kann die Digitalisierung wirklich zeigen, welche Kraft in der Entkopplung unserer Wirtschaft von der immer stärkeren Nutzung natürlicher Ressourcen steckt.“

„Das ist die Priorität, die wir nutzen müssen, um sicherzustellen, dass wir den Rebound-Effekt minimieren.

[Bearbeitet von Luca Bertuzzi und Alice Taylor]

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