Deutschlands steiniger Weg zur Blockchain-Nation

A bitcoin reflects in front of a monitor showing a stock barometer in Duesseldorf, Germany. [SASCHA STEINBACH]

Bereits im September 2019 hat die Bundesregierung die weltweit erste Blockchain Strategie verabschiedet. In einem am Dienstag (18. Mai) veröffentlichten Bericht hat das Bundeswirtschaftsministerium nun eine Bestandsaufnahme vorgenommen. Die Regierung will Deutschland zu einem der führenden Standorte für die Technologie machen.

Während die Blockchain-Technologie meistens auf ihre Verwendung bei Kryptowährungen reduziert wird, versucht die Bundesregierung das Potenzial der Technologie als Innovationstreiber voll auszuschöpfen. Um der anvisierten Vorreiterrolle im Blockchain-Bereich auch gerecht zu werden, wurde in der Strategie einen Maßnahmenkatalog mit über 40 Einzelmaßnahmen verankert.

Die Blockchain-Technologie gilt aufgrund ihres dezentralen Charakters und ihren hohen Grad an Verschlüsselung als besonders robust gegenüber Manipulationen durch Dritte. Die Umgehung von Intermediären könnte eine Revolution in der Datenübertragung auslösen.

Die Europäische Kommission bezeichnet die Technologie deshalb gar als „Vertrauensmaschine,“ und als eine der Schlüsseltechnologien für die digitale Transformation Europas.

Die potenziellen Anwendungsfelder von Blockchain sind vielseitig. Während die Technologie vor allem durch ihre Verwendung bei Kryptowährungen – wie Bitcoin oder Ethereum – Bekanntheit erlangte, ergeben sich neben dem Finanzsektor insbesondere in der öffentlichen Verwaltung, der Industrie und dem Handel weitreichende Handlungsmöglichkeiten.

Die deutschen Blockchain Initiativen

Bereits im September letzten Jahres hatte der Digitalverband Bitkom in einer Stellungnahme die grundsätzlich positive Entwicklung der Umsetzung gelobt. Dieser Trend setzt sich auch im Evaluationsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums fort.

Die Bundesregierung ist bei der Umsetzung der Strategie gut vorangekommen. Von den 44 vorgesehenen Maßnahmen sind bereits 41 entweder abgeschlossen oder zumindest begonnen worden.

Im Finanzsektor hat der Bundestag bereits im April ein Gesetz verabschiedet, um Investitionen in Kryptowährungen künftig zuzulassen. Aber auch die durch Kryptowährungen entstehenden Gefahren werden angegangen. So plant die Regierung mit einer Verordnung gegen die kriminelle Nutzung von Kryptowährungen vorzugehen.

Auch abseits des Finanzsektors hat die Bundesregierung eine Vielzahl an Projekten angestoßen. Insbesondere die Synergien mit anderen neuen Technologien – wie Künstlicher Intelligenz oder Big Data – wurden in den Fokus genommen. Aber auch im Energie- und Industriebereich wurden Initiativen gesetzt, um die Nutzbarmachung der Blockchain-Technologie für die Industrie 4.0 zu eruieren.

Besonders die Bereitstellung von auf Blockchain basierenden „Digitalen Identitäten“ wird in dem Bericht als einer der wichtigsten Innovationsimpulse genannt. Mögliche Anwendungsfelder werden bereits auf Bundes- und Länderebene intensiv erprobt.

Die Digitalen Identitäten waren auch eines der Kernthemen auf dem am Dienstag (18. Mai) stattgefundenen Digital-Gipfel Event der Bundesregierung. In einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte der Geschäftsführer von Bitkom, Achim Berg, die Bedeutung der Digitalen Identitäten für die Innovationsfähigkeit Deutschlands und nannte sie als jene Zukunftstechnologie, die die Wirtschaft bis 2030 am meisten verändern wird.

Bitkom hatte bereits zuvor in einem Positionspapier betont, dass Digitale Identitäten die „Basis für digitale Ökosysteme“ bilden werden, und somit essentiell für die digitale Transformation sind.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wies auf dem Gipfel auf die Bedeutung von digitalen Identitäten für die digitale Zukunft Europas hin und betonte die Wichtigkeit eines gemeinsamen europäischen Ansatzes.

Europäischer Einklang

Die EU hat es sich in ihrer eigenen Blockchain-Strategie bereits zum Ziel gesetzt führend bei der Blockchain-Technologie zu werden und einen „Goldstandard“ für die verantwortungsvolle Nutzung der Technologie zu etablieren, der sich an europäischen Werten orientiert.

Insbesondere bei der Regulierung von Kryptowährungen und Stable Coins hat die EU in letzter Zeit Fahrt aufgenommen. Die Kommission hat im September einen Vorschlag zur Errichtung eines Aufsichtskollegiums eingebracht, um Kryptowährungen zu kontrollieren und potenzielle Risiken einzudämmen.

Zusätzlich berät die Europäische Zentralbank derzeit über die Einführung ihrer eigenen Kryptowährung: dem digitalen Euro. Eine Entscheidung wird diesen Sommer erwartet.

Aber obwohl Deutschland versucht sich, als Vorreiter bei der Nutzung von Blockchain-Technologien zu etablieren, hinkt es anderen Ländern immer noch hinterher.

Insbesondere im Vergleich zur Digital-Republik Estland erblassen die deutschen Ambitionen. Wie aus einem Report von pwc hervorgeht, hat der baltische Staat in den letzten Jahren bereits zahlreiche auf Blockchain basierende Initiativen erfolgreich umgesetzt und ist damit zu einem Vorzeigemodell für viele andere Staaten geworden.

Auf deutscher Seite versucht man sich die Erfahrungen Estlands zunutze zu machen. Wie die FAZ berichtete, hat Altmaier bereits im April erwogen ein Digitalteam aus Estland einfliegen zu lassen, um die Digitalisierung in Deutschland weiter voranzutreiben.

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