Deutschland Spitzenklasse bei Innovationsfähigkeit

Lob für Deutschlands Innovationsfähigkeit: Wie kein anderer europäischer Staat ist Deutschland in der Lage, komplexe Produkte herzustellen, die andere Länder nicht herstellen können, so ein aktueller Indikator. Foto: Bührke / pixelio.de

Deutschland gehört zu den innovativsten Ländern Europas. In einem Ranking des Instituts für Innovation und Technik (iit) belegt die Bundesrepublik den vierten Platz. Ob das künftig so bleibt, ist allerdings unsicher: Deutsche Unternehmen investieren zu wenig in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter.

„Wir müssen uns sputen“, mahnt Angela Merkel am vergangenen Sonntag zur Eröffnung der Hannover Messe. Die Bundeskanzlerin sorgt sich um die Innovationskraft Europas. Der Kontinent drohe den Anschluss im internationalen Wettbewerb zu verlieren. „Wir müssen den Mehrwert aus dem europäischen Binnenmarkt nutzen“, erklärt Merkel.

Der Innovationsfähigkeitsindikator vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und dem Institut für Innovation und Technik (iit) stellt den Unternehmen in Deutschland vorerst jedoch ein positives Zeugnis aus. „Deutschland beherrscht Spitzenforschung mit Bravour,“ erklärt VDI-Direktor Ralph Appel bei der Vorstellung des Innovationsfähigkeitsindikators am Montag. Die Bundesrepublik landet auf dem Ranking von 25 europäischen Ländern auf Platz vier, hinter den drei skandinavischen Ländern Finnland, Schweden und Dänemark. Schlusslichter sind Griechenland und Bulgarien. 

Innovationsfähigkeit statt Innovationsleistung

Der iit-Innovationsindikator misst die Fähigkeit eines Landes, Innovationen zu entwickeln und zu realisieren. Der Indikator umfasst 42 Sub-Indikatoren aus vier verschiedenen Bereichen. Im Gegensatz zu den etablierten Indikatoren misst er nicht nur die Innovationsleistung – also die Anzahl von Patentanmeldungen und Produktneuheiten – sondern die Vielfältigkeit des vorhandenen Wissens und die Fähigkeit, dieses kontinuierlich zu erweitern und in Innovationen umzusetzen.

„Es ist wie in der Schule“, erklärt Sebastian von Engelhardt, einer der Autoren der Studie. „Wir messen nicht die Noten, sondern die Intelligenz, die uns dazu ermächtigt, diese Leistungen zu erbringen.“

Diese Analogie trage noch weiter, erklärt von Engelhardt. „Schulleistungen können schwanken, beruflicher Erfolg auch – Intelligenz ist demgegenüber ein relativ stabiles Merkmal von Personen.“ 

Deutschland glänzt besonders bei dem sogenannten Komplexitätsindikator. „Wie kein anderer europäischer Staat ist Deutschland dank seines vielfälgigen Wissens in der Lage, komplexe Produkte herzustellen“, erklärt von Engelhardt und verweist auf den Maschinenbau.

Eine weitere Stärke Deutschlands ist die hohe Zahl an neuen Doktorabsolventen zwischen 25 und 34 Jahren. Der Anteil der natur- und ingenieurwissenschaftlichen Promotionen an allen Promotionen in Deutschland sei besonders hoch. 

„Arbeit darf nicht dumm machen“

Bei der betrieblichen Weiterbildung stellt der Innovationsfähigkeitsindikator der deutschen Wirtschaft ein schlechtes Zeugnis aus. „Besonders kleine und mittelständische Unternehmen machen in diesem Bereich zu wenig. Da ist noch viel Luft nach oben“, sagt von Engelhardt.

Unter dem Stichwort „lebenslanges Lernen“ müssten Firmen aktiver mit Universitäten und Forschungsinistitutionen zusammenarbeiten. Das jüngst von der OECD gelobte System der dualen Berufsausbildung müsse stärker gefördert werden. „Arbeit darf nicht dumm machen“, fügt iit-Experte Ernst Hartmann hinzu. Sonst sei die Innovationsfähigkeit gefährdet. 

Wie die Ergebnisse für Deutschland und andere europäische Länder im internationalen Vergleich zu bewerten sind ist unklar. Ähnliche Zahlen für Länder – wie die USA und China – existieren bisher nicht. Dennoch verweist Hartmann auf Befunde des Massachussets Institute of Technology (MIT). Denen zu folge hat Deutschlands Industriesystem ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal.

„Im scharfen Gegensatz zu den USA sind deutsche Unternehmen im Innovationsprozess nicht auf sich alleine gestellt. Ihnen stehen viele intermediäre Partner zur Verfügung“, erklärt Hartmann. Diese umfassten Fraunhofer und AiF-Institute, Fachhochschulen, Fachverbände. Auch die Institutionen des Berufsbildungssystems spielten wichtige Rollen in diesem „industriellen Ökosystem“. 

© iit

Das EU-Parlament versucht, eine Lösung im Streit um entsandte Arbeitnehmer zu finden. In Frankreich dürfen Menschen ohne Französischkenntnisse bereits nicht mehr auf allen Baustellen arbeiten. EURACTIV Frankreich berichtet.

© iit

Institut für Innovation und Technik (iit): Innovationsfähigkeitsindikator (7. April 2014)

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