Deutschland, eine Hightech-Nation?

„Deutschland ist Innovationsland und soll es auch bleiben. Diesem Ziel hat sich die Bundesregierung verpflichtet,“ sagte die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek (CDU) [Andreas Gora]

Deutschland hat es sich in seiner Hightech-Strategie zum Ziel gesetzt an der Spitze der nächsten technologischen Revolution zu stehen. Eine vorläufige Bestandsaufnahme des Bundeskabinetts stößt auf gemischte Reaktionen.

Rund 3,5% des BIP sollen bis 2025 in Forschung und Innovation investiert werden um Deutschlands internationale Spitzenposition in Zukunftstechnologien wie Wasserstoff, Quantum-Computing oder Künstliche Intelligenz abzusichern.

„Deutschland ist Innovationsland und soll es auch bleiben. Diesem Ziel hat sich die Bundesregierung verpflichtet,“ sagte die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek (CDU) vergangene Woche im Bundestagsplenum.

Die Bundesregierung konnte in den letzten Wochen einige Erfolge verbuchen.

So öffnete Anfang Juni die europaweit erste voll digitalisierte Halbleiterfabrik und nur eine Woche später nahm der europaweit erste Quantencomputer den Betrieb auf.

Europaweit erste digitalisierte Halbleiterfabrik öffnet in Dresden

Das deutsche Industrieunternehmen Bosch hat am Montag (7. Juni) die Pforten einer neuen, vollständig mit der 5G-Mobilfunktechnologie vernetzten Halbleiterfabrik in Dresden geöffnet. Die Produktionsstätte wurde als Teil eines gemeinsamen europäischen Projekts mit 140 Millionen Euro gefördert, um den europäischen Technologiestandort zu stärken.

Auch international kann sich Deutschland sehen lassen. Zwar büßte es den ersten Platz im Bloomberg Innovation Index 2021 ein und befindet sich nun auf Platz vier, im Bereich Hightech konnte Deutschland jedoch weiterhin den dritten Platz für sich verbuchen.

Investitionen in Innovation

„Wir sind dem für 2025 anvisierten 3,5-Prozent-Ziel für Forschung und Entwicklung in dieser Legislaturperiode deutlich näher gekommen,” sagte Karliczek.

Deutschland liegt gemessen am BIP international im Spitzenfeld was die Ausgaben für Forschung und Innovation anbelangt. Laut Eurostat, werden 3,17% des BIP in den Bereich investiert, im Vergleich zu 2,19% im EU-Durchschnitt.

Damit ist Deutschland eines von nur drei EU-Staaten, dass das von der Europäischen Kommission festgesetzte 3% Ziel schon heute erfüllt.

Wie aus dem Bericht des Bundeskabinetts hervorgeht, haben sich die Ausgaben des Bundes für Forschung und Innovation zwischen 2005 und 2019 mehr als verdoppelt. Wurden 2005 noch €9 Milliarden ausgegeben, waren es 2019 €18,8 Milliarden.

Auch die Investitionen aus der Privatwirtschaft sind angestiegen. Staat und Wirtschaft gaben 2019 zusammen insgesamt €109,5 Milliarden für Forschung und Entwicklung aus.

Wo es dennoch Nachholbedarf gibt

Wie aus dem Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hervorgeht, gibt es dennoch in einigen Bereichen Nachholbedarf.

Besonders die berufliche Aus- und Weiterbildung sollte laut dem Gutachten mehr in den Fokus gerückt werden, um den Erfolg der digitalen Transformation zu gewährleisten.

Die Forderung deckt sich auch mit dem Bloomberg Innovation Index 2021. Deutschland hat dort im Bereich Bildung lediglich den 23. Platz erreicht.

Ein weiteres Problemfeld wird in den fehlenden Zielsetzungen identifiziert. In der Hightech-Strategie befinden sich nämlich keinerlei Benchmarks, die die Errungenschaften auch wirklich messbar machen könnten.

So kritisierte etwa der FDP-Abgeordnete Thomas Sattelberger, dass die Hightech-Strategie, anstatt einer Strategie „nur eine einfältige Auflistung diverser Vorhaben ohne messbare Erfolgskriterien“ sei.

Das EFI forderte die Bundesregierung daher auf in der Strategie konkrete Zielsetzungen zu verankern und die Koordination zwischen den Ministerien zu verstärken, um Synergieeffekte zu erzeugen.

Deutschland bei Patenten abgeschlagen

Unter Druck ist Deutschland insbesondere im Bereich des geistigen Eigentums. Asiatische Staaten, wie China oder Südkorea, holen hier massiv auf und verschieben das Kräfteverhältnis zuungunsten Deutschlands und Europas.

Wie aus einer Anfang-Juni veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung hervorgeht, befindet sich Deutschland hier auf dem absteigenden Ast. Während Deutschland 2010 noch in 47 von 58 Technologien zu den drei Nationen mit den meisten Weltklassepatenten gehörte, hat sich der Anteil 2019 auf nur noch 22 Technologien mehr als halbiert.

Besonders China holt im Bereich der Patentqualität auf. Während die Volksrepublik 2010 in keiner einzigen Kategorie zu den Top drei bei Spitzenpatenten gehörte, rangiert das Land nun in 42 von 58 Kategorien unter den drei Ländern mit den meisten Spitzenpatenten.

Zwar sei Deutschland immer noch die stärkste europäische Patentmacht, dem Druck aus Asien kann es aber nicht alleine standhalten, weshalb es stärkere europäischer Anstrengungen bedarf um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

„Vor diesem Hintergrund wäre eine gesamteuropäische Innovationsplattform, umgeben von einem transnationalen Ökosystem, das von staatlichen Budgets und finanziellen Anreizsystemen unterstützt wird, ein klares Zeichen, Innovation als Grundlage für die Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit der europäischen Volkswirtschaften und Gesellschaften in ihren Ländern ernst zu nehmen“, sagte das Vorstandsmitglied der Bertelmann Stiftung, Brigitte Mohn, hierzu in einer Stellungnahme.

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