Das Bundesforschungsministerium stellte am Dienstag (7. November), mit einer zweimonatigen Verspätung, den Aktionsplan für Künstliche Intelligenz vor. Ziel ist es, Impulse zu setzten, um die Entwicklung von KI in Deutschland und der EU zu stärken.
Zu den zwölf Handlungsfeldern des KI-Aktionsplans des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gehört die Stärkung der gesamten Wertschöpfung von Künstlicher Intelligenz (KI) auf nationaler und EU-Ebene. Im Mittelpunkt steht dabei eine Vernetzung mit Bildung, Wissenschaft und Forschung.
Das BMBF fördert die KI Anwendung durch 50 laufende Maßnahmen mit Schwerpunkten auf Forschung, Kompetenzentwicklung, und Aufbau von Infrastrukturen. Außerdem plant das Ministerium in der jetzigen Legislaturperiode 1,6 Milliarden Euro in KI zu investieren und bestehende Maßnahmen um 20 weitere KI-Initiativen zu ergänzen.
„Wenn wir mit USA und China mithalten wollen, dann geht das nur gemeinsam mit unseren europäischen Partnern. Wenn wir im weltweiten Wettbewerb standhalten, dann ist Europa eine Kerngröße für uns. Und wir wollen deshalb die europäische Kooperation bei KI deutlich verbessern und Europas Wirkungskraft mehr zum Tragen bringen“, so Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger.
Um die europäische KI-Kooperation weiter zu stärken und „Wege und Maßnahmen für Europas Weg an die Spitze bei KI herauszuarbeiten“, kündigte das BMBF für Januar 2024 einen hochrangigen KI-Workshop in Brüssel an.
„Mit unserem KI-Aktionsplan wollen wir dem deutschen KI-Ökosystem neue Impulse geben. Unser Ziel ist, dass Deutschland und Europa in einer Welt ‚Powered by AI‘ eine Spitzenposition einnehmen können“, stellte eine BMBF-Sprecherin gegenüber Euraktiv klar.
Mit dem zentralen Rechtsakt auf EU-Ebene, dem KI-Gesetz (AI Act), ist der KI-Aktionsplan vom BMBF jedoch nicht abgestimmt.
„Der KI-Aktionsplan ist vom AI Act unabhängig zu sehen. Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger hat mehrfach betont: KI braucht klare Regeln, aber keine Überregulierung“, fügte die BMBF-Sprecherin hinzu.
KI „Made in Germany and Europe“
Mit 508 KI-Startups verzeichnet die KI-Landschaft in Deutschland in diesem Jahr bereits einen massiven Zuwachs von 67 Prozent im Vergleich zu 2022. Das geht aus der „German AI Startup Landscape 2023“ Studie von appliedAI Institute for Europe hervor.
Mit einem Verlust von 42 KI-Startups in 2023 verzeichnen KI-Startups eine „extrem“ hohe Überlebensrate im Vergleich zu Nicht-KI-Startups. Laut Studie sind dabei die Hauptstandorte für KI-Startups Berlin und München.
„Ich denke, das ist auch eine Zukunftsfrage, ob wir das als Deutschland schaffen, dieses Thema jetzt hinreichend ernst zu nehmen und dafür zu sorgen, dass wir eine wesentliche Rolle in dieser Entwicklung spielen“, so KI-Experte Bernhard Schölkopf.
Dennoch zählen bemerkenswerte KI-Modelle aus Deutschland zur Minderheit.
„Doch abgesehen von einigen bemerkenswerten Ausnahmen wie Celonis und Aleph Alpha oder DeepL konnte Deutschland bisher kaum mit wirtschaftlichen Erfolgen im KI Bereich punkten. Nur etwa 15 % der deutschen Unternehmen nutzen KI und das muss sich auch ändern, wenn wir das Potenzial wirklich heben wollen“, so Stark-Watzinger.
Gegründet im Jahr 2011, entwickelt die Münchner Firma Celonis, eine KI für die Verbesserung von Geschäftsprozessen bei Firmen.
Aleph Alpha spezialisiert sich auf Sprachmodellen für Industrie und Verwaltung. Erst gestern wurde bekannt, dass das Startup aus Heidelberg durch eine zweite Finanzierungsrunde weitere 500 Millionen Dollar erhält. Zu den Geldgebern gehören IPAI, Bosch, und SAP. Auch finden die Sprachmodelle bereits Anwendung in der baden-württembergischen Landesverwaltung.
Das in Köln gegründete Unternehmen DeepL hat sich mit seinem Übersetzungsdienst, ein Konkurrent von Google Translate, einen Namen gemacht und ist seit Januar ein sogenanntes „Einhorn“-Startup mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar.
Auch erhofft man sich viel vom Supercomputer JUPITER, welcher 2024 in Betrieb gehen soll. Das System von JUPITER ist für größtmögliche Simulationen und KI-Anwendungen in Wissenschaft und Industrie ausgelegt. Mit JUPITER folgt Deutschland, dem finnischen Supercomputer LUMI und dem italienischen Supercomputer LEONARDO.
„Das JUPITER System wird um einen massiven Faktor stärker sein als das bisherige System. JUPITER wird insgesamt im Simulationsbereich mindestens einen Faktor von 25 stärker sein. Das ist also eine ganz enorme Steigerungsrate. München und Stuttgart werden folgen in 2025 und 2026“, so Thomas Lippert, Leiter des Forschungszentrums Jülich.
Nicht ohne Kritik
Während die BMBF-Sprecherin die Verzögerung von zwei Monaten mit der Berücksichtigung der jüngsten KI-Entwicklung begründet, stößt der KI-Aktionsplan dennoch bei der Privatwirtschaft auf Kritik.
„Gleichzeitig ist der Aktionsplan ein Abgesang auf die für einen starken KI-Standort notwendige Verzahnung in der Bundesregierung. Es bleibt das klassische Denken und Handeln in Silos bei einer Technologie, die verändert, wie wir als Wirtschaft und Gesellschaft agieren werden“, kritisierte Dirk Freytag, Präsident des Bundesverbands Digitaler Wirtschaft (BVDW), gegenüber Euractiv.
Der BVDW-Präsident rät, dass KI Anwendung in den Ministerien aktive Nutzung finden muss, um als Auslöser für KI-Projekte zu fungieren.
„Der Aktionsplan ist somit ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Ein großer Wurf sieht jedoch anders aus“, schlussfolgerte Freytag.



