Deutsche Medienbranche stellt sich gegen Googles Verzicht auf Cookies

Mit dem am Montag (24. Januar) veröffentlichten Positionspapier wenden sich ein breites Bündnis aus Verbänden der Medien- und Kommunikationswirtschaft gegen die geplante Einstellung von Cookies im Google Chrome Browser. [PixieMe/Shutterstock]

*Dieser Artikel wurde durch ein Statement der Europäischen Kommission ergänzt
Die deutsche Medien- und Werbebranche hat Google für seine geplante Cookie-Blockade kritisiert. Bis Ende 2023 will das Tech-Unternehmen nicht mehr auf Drittanbieter-Cookies zur Datenverarbeitung zurückgreifen, was die Medienhäuser um eine lukrative Einnahmequelle bringen könnte.

Mit dem am Montag (24. Januar) veröffentlichten Positionspapier wenden sich ein breites Bündnis aus Verbänden der Medien- und Kommunikationswirtschaft gegen die geplante Einstellung von Cookies im Google Chrome-Browser.

Die acht Verbände, die mit mehreren hundert Unternehmen beinahe die gesamte Werbe- und Medienbranche in Deutschland  vertreten, wandten sich in ihrem Schreiben direkt an die Europäische Kommission. Aus Sicht der Verbände missbrauche Google durch das Blocken von Cookies die marktbeherrschende Stellung des Chrome Browsers, der einen weltweiten Marktanteil von rund 65 Prozent hält.

Die Beschwerdeführer:innen argumentieren, dass das Blockieren von Cookies im Chrome-Browser Medienunternehmen in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten bringen könnte. Online Publisher könnten dadurch Umsatzeinbußen von bis zu 70 Prozent erleiden.

Die aus den Cookies gewonnen Daten bilden für Online-Medien den Grundstein, um auf Internetnutzer zugeschnittene Werbung schalten zu können.

Während Google weiterhin auf die gesammelten Daten zurückgreifen kann, wird den Werbetreibenden der Zugang zur legalen Datennutzung massiv erschwert.

„Durch das Verhalten missbraucht Google unter dem Deckmantel des Datenschutzes seine Marktmacht und verzerrt den freien Wettbewerb auf den Online-Werbemärkten“, heißt es in dem Schreiben. Die Verfasser werfen Google vor, sich dadurch als „Ersatzgesetzgeber“ aufzuspielen.

Googles argumentiert mit mehr Privatsphäre

Google wiederum argumentiert, die neuen Maßnahmen seien entwickelt worden, um ein „privateres und sichereres Internet“ zu gewährleisten.  „Das Ziel ist es, die Privatsphäre der Nutzer:innen zu schützen, verdecktes Tracking zu verhindern und gleichzeitig ein florierendes, werbefinanziertes, offenes Web zu erhalten“, sagte ein Sprecher von Google gegenüber EURACTIV.

Anstelle von Cookies will der Internetriese in Zukunft auf eine hauseigene Tracking-Technologie setzen. Laut Angaben von Google wird die neue Technologie jedoch nicht auf die individuelle Nachverfolgung von Nutzerverhalten setzen.

Auch Googles Mitbewerber sind bereits zunehmend dazu übergegangen, Cookies auf ihren Browsern zu blockieren, darunter Apple, Microsoft und Mozilla.

Wettbewerbsrechtliche Fälle gegen Google

Die Europäische Kommission hat bereits im Juni 2021 ein Verfahren gegen Google eingeleitet, das ein mögliches wettbewerbswidriges Verhalten des Unternehmens im Bereich der Online-Werbung untersucht.

Das Verfahren richtet sich an Googles Umgang mit Online-Werbeschaltungen, denn „Google ist also auf fast allen Ebenen der Lieferkette für Online-Display-Werbung präsent“, sagte damals die EU-Kommissarin für Wettbewerb, Margrethe Vestager nach der Aufnahme des Verfahrens.

Im Rahmen ihrer laufenden Untersuchung prüft die Kommission auch Googles Ankündigung, auf die hauseigene Tracking-Technologie umzusteigen, und die „Auswirkungen auf die Märkte für Online-Display-Werbung“, so ein Sprecher der Kommission gegenüber EURACTIV.

Allerdings hat Googles geplante Umstellung seiner Tracking-Technologie bereits im Vereinten Königreich für Wirbel gesorgt.

Die britische Behörde für Wettbewerb und Märkte (CMA) leitete Anfang Januar eine Untersuchung gegen Google ein, denn das Einstellen von Cookie-basierten Technologien könnte einen „signifikanten Einfluss“ auf Nachrichten-Webseiten und die Online Werbebranche haben, so die CMA.

Keine Auswirkungen auf das EU-Datenschutz-Regime

Auch nach Einstellen von Cookies im Google-Browser Chrome wird die Verwendung von Tracking-basierten Technologien weiterhin unter die EU-Datenschutzregeln fallen. Aus Datenschützerkreisen wurde im Vorfeld die Befürchtung geäußert, dass die Einführung der neuen Tracking-Devices zu einer Umgehung der EU-Datenschutzregeln führen könnte.

„Was Googles Überlegungen angeht, hat unsere Analyse ergeben, dass sich die EU-Datenschutzgesetzgebung damit nicht umgehen lässt, weil auch bei diesem Verfahren personenbezogene Daten über das Surfverhalten erhoben und verarbeitet werden“, sagte der Europaabgeordnete der Grünen/EFA, Patrick Breyer, gegenüber EURACTIV.

Einen zusätzlichen Regelungsbedarf sieht Breyer daher an dieser Stelle nicht.

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