Deutsche Internetwirtschaft wächst trotz Ukraine-Krieg

“Die Internetwirtschaft ist ein verlässlicher Partner in der Krise,” so Oliver Süme, eco Vorstandsvorsitzender im Pressegespräch am 10. Mai. Die Politik müsse aber dazu beitragen, Unsicherheiten am Markt zu reduzieren. [Laurin Schmid/eco]

Trotz des russischen Angriffskriegs befindet sich die deutsche Digtalbranche weiter auf Wachstumskurs, so ein neuer Bericht des Digitalverbands eco. Die Unsicherheit in der Branche sowie bei den Kund:innen bleibe aber hoch.

Der Bericht “Branchenmonitor Internetwirtschaft” vom Dienstag (10. Mai) von eco und der internationalen Unternehmensberatungsfirma Arthur D. Little beschäftigt sich mit den potenziellen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Internetwirtschaft in Deutschland. 

Im Vergleich zu anderen Branchen seien die Auswirkungen auf die Digitalbranche begrenzt, auch mit anhaltender Inflation sowie sektoriellen Selbsteinschränkungen. Negative Sanktionseffekte werden durch Preiserhöhungen überkompensiert.

“Die Internetwirtschaft ist ein verlässlicher Partner in der Krise,” so Oliver Süme, eco Vorstandsvorsitzender im Pressegespräch am Dienstag. Die Politik müsse aber dazu beitragen, Unsicherheiten am Markt zu reduzieren.

Beispielsweise wären laut eco eine schnelle und verlässliche Ausgestaltung des transatlantischen Datenschutzabkommens oder Maßnahmen zur Stärkung der digitalen Souveränität und Energieunabhängigkeit wünschenswert. 

“Wir in der Politik sind gefordert, die Rahmenbedingungen für das prognostizierte Wachstum zu schaffen und gleichzeitig dem deutschen Mittelstand ein hohes Maß an IT-Sicherheit zu gewährleisten,” so Maik Außendorf, digital-politischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen gegenüber EURACTIV.

Ukrainische IT-Industrie arbeitet trotz Krieg weiter auf Hochtouren

Trotz des verheerenden Krieges in der Ukraine arbeitet der IT-Sektor des Landes weiter auf Hochtouren. Derzeit beläuft sich die Produktion auf rund 80 Prozent des Vorkriegsniveaus. Ob sich dieser Trend jedoch fortsetzt, ist ungewiss.

Wachstumsprognosen

Die Analysten prognostizieren ein stabiles Wachstum der Internetwirtschaft bis 2025 mit einem durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 12,2 %. Das wäre ein Umsatzanstieg von 258 Milliarden Euro.

Ab 2023 wird laut dem Monitor jedoch eine mittelfristige Korrektur-Phase erwartet, weil sich die Nachfrage in einigen Bereichen normalisieren beziehungsweise sich die Krise auf das Ausgabeverhalten auswirken könnte, sodass Verbraucher:innen verzichtbare Ausgaben einschränken. 

Laut dem Bericht hat der vermehrte Übergang zum Homeoffice während der Pandemie schon zu steigenden Umsätzen in der Internetwirtschaft geführt, weil ein signifikanter Anstieg nach Dienstleistungen in vielen Segmenten spürbar war. 

Die andauernde Inflation sowie der Ukraine-Krieg führen nun zu Preissteigerungen und bauen so zumindest kurzfristig den Trend der Umsatzsteigerungen aus. Eco verweist hierbei aber darauf, dass auch Zinsen, Energie- und Produktionskosten teilweise ansteigen. Somit sollten höhere Umsätze nicht mit Profitabilität gleichgesetzt werden.

Ein vorheriger Index des Digitalverbands Bitkom malte ein trüberes Bild zur Zukunft der Digitalbranche in Deutschland, wo sich sowohl die Einschätzungen der Geschäftslage als auch -erwartungen angesichts der russischen Invasion verschlechtert hatten. 

Da sei es “wenig tröstlich, dass das Geschäftsklima in der Digitalbranche weiterhin sehr viel besser ist als in der Gesamtwirtschaft”, so Bitkom-Präsident Achim Berg in einer Pressemitteilung. 

Digitalbranche im Trend

Die angespannte Lage ginge natürlich “nicht spurlos an unserer Branche vorbei”, betonte Süme von eco. Dennoch sehen wir nach wie vor in allen Segmenten Wachstumstendenzen, die zeigen, dass die Digitalisierung kein kurzfristiger Trend ist, sondern wir weiter in die nachhaltige digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft investieren müssen“, so Süme.

Auch der Grünen-Politiker Außendorf betonte, dass die Internetwirtschaft sogar in Krisenzeiten ein starker Motor für die deutsche Wirtschaft sei.  

Jedoch sei es laut Außendorf notwendig, neben der Umstellung der Energieversorgung auch “die bisherige IT-Sicherheitspolitik grundlegend auf den Prüfstand zu stellen und verschiedene (Sofort-) Maßnahmen zur Erhöhung der IT-Sicherheit schnellstmöglich umzusetzen.” Der Koalitionsvertrag biete dafür eine gute Grundlage. 

Das Branchensegment mit der höchsten Wachstumsrate ist laut Bericht  “Services & Applications Dienste”, da besonders Dienste im Bereich der Cybersicherheit in naher Zukunft gefragt sein werden. 

Die Zunahme der Angriffe in Verbindung mit dem Krieg führe dazu, dass sich “die Bereitschaft erhöht, mehr für Cybersicherheitsprodukte auszugeben”. Dies sei auch eine große Chance für lokale Lösungsanbieter. 

Ein massiver Cyberkrieg gegen deutsche Unternehmen sei zwar unwahrscheinlich, jedoch bleiben Unsicherheit und Risiko “hoch und sollten in Zukunft durch sichere und robustere IT-Systeme und Infrastrukturen verhindert werden,” so der Bericht. 

[Bearbeitet von Oliver Noyan]

Subscribe to our newsletters

Subscribe