Der etwas andere Virenschutz: Hacker suchen nach Lösungen gegen COVID-19

Bei diesem "World Hackathon" in Mexiko im Jahr 2017 war Abstandhalten aufgrund von Vireninfektionen offenbar noch kein Thema. [EPA/Ulises Ruiz Basurto]

In einem neuen Projekt wird die internationale Start-up-Szene und Hacker-Gemeinschaft aufgerufen, innovative Lösungen für die alltäglichen Herausforderungen zu finden, die der Coronavirus-Ausbruch mit sich bringt.

Die Initiative Hack the Crisis wurde am Dienstag von der polnischen Regierung und dem Software-Entwicklungsunternehmen DO OK ins Leben gerufen. Unterstützt wird sie von zahlreichen internationalen Technologie-Giganten, darunter Amazon Web Services, Google und Microsoft.

Bei der Vorstellung des Projekts wies Polens Premierminister Mateusz Morawiecki darauf hin, wie wichtig es sei, technologische Fähigkeiten zu nutzen, um die alltäglichen Herausforderungen zu bewältigen, die durch die Coronavirus-Pandemie entstanden sind: „Globale Herausforderungen sind dann gegeben, wenn wir über Grenzen und Generationen hinweg Einigkeit für das Gemeinwohl zeigen müssen. Ich möchte alle Entwickler, Experten und Technologie-Liebhaber einladen, unseren gemeinsamen Kampf gegen das Virus im Cyberspace zu unterstützen.“

Trotz "Puffer" bei Netz-Kapazitäten: Österreich trifft Vorsichtsmaßnahmen

Das Coronavirus hält die Menschen in ihren Häusern, Kommunikation läuft nur noch elektronisch – das belastet die Netze. Allerdings versichert der zweitgrößte Anbieter Österreichs im Gespräch mit EURACTIV: Noch seien die Netze nicht ausgelastet.

Einreichungen für das Projekt können noch bis zu diesem Sonntag (22. März) gemacht werden. Die polnische Regierung will für die effektivsten Lösungen zehn Geldpreise von jeweils bis zu 20.000 Złoty (etwa 4.400 Euro) vergeben. Über die Preisvergabe entscheidet eine internationale Jury.

Start-ups und BürgerInnen gegen Coronavirus

EURACTIV.com sprach am Mittwoch mit einigen Jurymitgliedern, um mehr über das Projekt zu erfahren.

„Mit unserem bestehenden Rahmen für Technologie-Startups in Europa im Rücken wollen wir das Beste aus dieser schrecklichen Situation machen,“ sagte Justyna Orlowska, die Vertreterin des polnischen Premierministers für Regierungstechnologie. „Jedes Start-up-Unternehmen in Europa kann sich in unserem ehrgeizigen Projekt engagieren und versuchen, die innovativsten Lösungen zu finden, um die Schwierigkeiten zu bekämpfen, die durch die Verbreitung des Coronavirus in Europa entstehen.“

Sie fügte hinzu: „Wir wollen auch normale Bürger ermutigen, sich einzubringen und sich für die ausgelobten Preise zu bewerben. Wir suchen nach Lösungen für die schwierigen sozialen Herausforderungen, die die Quarantänezeit, die Millionen von Europäerinnen und Europäer durchleben werden, mit sich bringt.“

Flut an Fake News zu Coronavirus: Alarmsystem der EU im Einsatz

Ein EU-Warnsystem zur Überwachung von Desinformation wurde nach einer Reihe von Fake News rund um den Coronavirus-Ausbruch erstmals genutzt.

Die Teilnehmenden am Hack the Crisis-Projekt werden ermutigt, einige der dringenden Probleme anzusprechen, die in der gegenwärtigen Situation entstehen, beispielsweise im Zusammenhang mit sozialer Isolation, Bildung sowie Desinformation und Fake News.

„Diese Probleme sind nicht schwarz oder weiß; und sie erfordern kreative Lösungen,“ so Antoni Rytel, Orlowskas Stellvertreter, der ebenfalls in der Jury des Wettbewerbs sitzt, gegenüber EURACTIV. „Im Hinblick auf die Desinformation, die derzeit online zirkuliert, kann die Weitergabe solcher Falschinformationen beispielsweise unbeabsichtigt sein – manchmal sind sich die Menschen ihrer Rolle bei der Verbreitung von Fake News einfach nicht bewusst.“

Mehr Tech-Bildung

In dieser Hinsicht scheint es also etwas mehr Sensibilisierung und auch Online-Kompetenzen zu brauchen.

Zum generellen Thema Bildung fügte Rytel hinzu: „Da in naher Zukunft wahrscheinlich weitere Schulen in ganz Europa geschlossen werden, würden wir auch Einreichungen begrüßen, die sich mit den Möglichkeiten der digitalen Bildung und des E-Learning befassen.“

Abschließend betonte er, die sozialen Herausforderungen, denen sich die Menschen in Quarantäne gegenübersehen, erforderten die Entwicklung technologischer Lösungen, die dazu beitragen können, „den Fortbestand der Versorgungsketten zu sichern und den Schwächsten in der Gesellschaft zu helfen“.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

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