Cyber-Angriffe: Bundesregierung immer häufiger im Visier von ausländischen Geheimdiensten

Die Bundesregierung muss täglich rund 3.000 Hacker-Angriffe abwehren. Foto: Davide Restivo (CC BY-SA 2.0)

Die Bundesregierung muss immer öfter Cyber-Attacken ausländischer Geheimdienste wie China und Russland abwehren.

„Wir stellen fest, dass es häufiger Angriffe gibt von Nachrichtendiensten gegen die IT-Infrastruktur der Bundesregierung und gegen deutsche Unternehmen“, sagte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, am Dienstag bei einer Veranstaltung in Berlin.

Von den geschätzten 3000 Angriffen von Hackern oder Kriminellen pro Tag auf das Netz des Bundes sei zwar der überwiegende Teil harmlos. Problematisch seien jedoch etwa fünf Angriffe pro Tag von Geheimdiensten etwa aus China oder Russland. Diese seien so ausgeklügelt, „da kann uns auch was durch die Lappen gehen“, sagte Maaßen.

Schon der Verfassungsschutz zusammen mit dem Bundesinstitut für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hätten Schwierigkeiten, diese Attacken aufzuklären. Firmen hätten diese Probleme daher erst recht. Maßgeschneiderte Angriffe auf die Bundesregierung kämen vor allem zu internationalen Tagungen, wie etwa G20-Treffen vor. Regierungsmitglieder mit wichtiger Berater -Funktion erhielten dann beispielsweise infizierte E-Mails mit PDF-Anhang, die scheinbar von einem Berater einer anderen Nation stammten.

Maaßen betonte, Berlin sei Hauptstadt der politischen Spionage in Europa. Das Ziel seien unter anderem die Außen-, Verteidigungs-, Rüstungs- und Wirtschaftspolitik.
Die meisten großen Unternehmen in Deutschland seien in punkto Sicherheit gut gerüstet, sagte der Verfassungsschutz-Präsident. „Kleine und mittelständische Unternehmen sind für uns eher Sorgenkinder.“ Diese hätten häufig Probleme, ihre schutzbedürftigen „Kronjuwelen“ zu identifizieren. Oft seien aber auch schon „Kleinigkeiten“ wie Telefonverzeichnisse, Kontakte oder Reisen für Cyber-Spione von Interesse.

Dem Bundesnachrichtendienst (BND) ist die Gefahr bewusst. Laut Medienberichten wird der Bereich „Strategische Initiative Technik“ (SIT) mit 300 Millionen Euro bis 2020 ausgestattet werden. Mit dem Programm soll der BND unter anderem soziale Netzwerke im Ausland überwachen und ein Frühwarnsystem für Cyber-Angriffe einrichten.

Doch Hacker-Attacken stellen auch für deutsche Unternehmen zunehmend ein Problem dar. „Die Bedrohung für die Sicherheit unserer Daten und unserer digitalen Infrastrukturen wächst von Jahr zu Jahr“, sagte jüngst Konzernchef Timotheus Höttges. Das Unternehmen verzeichne in diesem Jahr rund eine Millionen Hacker-Angriffe täglich allein auf ihre Netze. Zwei Jahre zuvor waren es nur 300.000.

Laut einer Telekom-Studie zur Cyber-Kriminalität sind neun von zehn deutschen Firmen inzwischen Ziel von Angriffen aus dem Netz. 2013 hätten sich die wirtschaftlichen Schäden weltweit auf bis zu 575 Milliarden Dollar belaufen, sagte Höttges. „Die Hacker arbeiten still, schnell und sie sind brandgefährlich.“

Der Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament, Elmar Brok, forderte deshalb eine „Cyber-EU“, die auch eine Abschreckungs-Komponente umfassen müsse. „Angriff ist eine Methode der Verteidigung – auch im Cyberkrieg“, erklärte Brok.

Der CDU-Politiker forderte, dass sowohl auf Ebene der EU als auch der NATO solche offensiven Fähigkeiten entwickelt werden müssten. Gerade die EU sei die richtige Institution, um die nationalen Initiativen der Mitgliedsländer zu bündeln, da hier die Interessen am meisten übereinstimmten.

„Derzeit machen wir Arbeit doppelt und dreifach“, so Brok. Weltweit hätten 114 Staaten eine eigene Cyber-Sicherheitsstrategie. „Da brauchen wir etwas wie eine Cyber-NATO – oder zumindest eine Cyber-EU“, so der CDU-Politiker.

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