Carsharing auf dem Vormarsch?

Das Carsharing, also die gemeinschaftliche Nutzung von Autos, erfreut sich zunehmender Beliebtheit. [© Michael Andersen (CC BY-SA 2.0)]

Die Bundesregierung will das sogenannte Carsharing offenbar mit Privilegien fördern. Trotz steigender Nutzerzahlen wird das Carsharing einer aktuellen Studie zufolge auch in den kommenden Jahren den privaten Pkw jedoch nicht verdrängen.

Derzeit nutzt rund eine Million Autofahrer in Deutschland die Angebote unterschiedlicher Carsharing-Anbieter. Doch wie steht es um die Zukunft der gemeinschaftlichen Nutzung von Autos Deutschland? Wird der eigene Wagen zum Auslaufmodell? Nein, lautet das Ergebnis einer aktuellen Studie vom TÜV Rheinland, FSP (Fahrzeugsicherheitsprüfung) und Kölner Beratungsgesellschaft BBE Automotive.

Laut Prognose von BBE wird sich der Markt unter den gegenwärtigen Bedingungen bis zum Jahr 2020 auf etwa zwei Millionen Nutzer verdoppeln. Mit „Rückenwind“ wie durch Begünstigungen der Politik, einen festen Platz in Mobilitätsportalen, die Vernetzung unterschiedlicher Anbieter via Apps sowie den Ausbau des Corporate Carsharings (Nutzung von Firmenfuhrparks durch Mitarbeiter) könnte die Zahl der Nutzer sogar auf rund drei Millionen steigen.

Theoretisch bietet Carsharing ein enormes Geschäftspotenzial: Etwa 60 Millionen der rund 80,7 Millionen Deutschen befinden sich im „fahrfähigen Alter“ über 18 Jahre. Davon besitzen rund 75 Prozent einen Führerschein. Wie jedoch Umfragen belegen, können sich lediglich 16 Prozent (sieben Millionen) der 45 Millionen Autofahrer vorstellen, den eigenen Wagen abzuschaffen und nur noch Carsharing zu nutzen.

Aktuell greifen lediglich 1,7 Prozent (knapp eine Million) der Führerscheinbesitzer auf Carsharing-Angebote zurück. Davon springen fünf Prozent regelmäßig wieder ab. Mehr als 50 Prozent nutzen das Angebot maximal einmal pro Monat und 28 Prozent sind bei mehreren Anbietern angemeldet. Analysen von BBE ergeben zudem, dass 66 Prozent auch weiterhin das eigene Auto auf dem Weg zur Arbeit nutzen werden. Nur 34 Prozent sehen hier im Carsharing eine mögliche Alternative.

Wie sieht das Profil eines klassischen Carsharers aus? Laut einer Untersuchung sind 85 Prozent der aktuellen Nutzer auch Fahrradbesitzer, 51 Prozent haben kein Auto im Haushalt, 65 Prozent sind zwischen 35 und 59 Jahre alt, 80 Prozent haben mindestens Abitur, 66 Prozent verfügen über ein Nettoeinkommen von mehr als 3.000 Euro und 74 Prozent sind männlich. Die Zielgruppe des Carsharings sind hauptsächlich die sogenannten Digital Immigrants und die Digital Natives.

Am Wochenende wurde bekannt, dass die Bundesregierung gemeinschaftlich genutzte Autos mit Sonderrechten fördern will. Ein Gesetz zur „Bevorrechtung“ von Carsharing-Fahrzeugen werde derzeit erarbeitet, sagte eine Sprecherin von Verkehrsminister Alexander Dobrindt am Samstag in Berlin. Inhalte und ein konkreter Zeitplan stünden noch nicht fest.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete unter Berufung auf eine interne Vorhabenliste der Regierung, geplant seien besondere Parkmöglichkeiten – ähnlich denen für Taxis. Zudem solle es den Gemeinden ermöglicht werden, auf Parkgebühren bei diesen Fahrzeugen zu verzichten. Begründet würden diese Maßnahmen mit der besonderen Bedeutung des Carsharing für einen nachhaltigen Stadt- und Regionalverkehr.

Der Verkehrssektor ist für 24 Prozent aller CO2-Emissionen in der EU verantwortlich. Der Straßensektor alleine macht 72 Prozent der Verkehrsemissionen in Europa aus.

Kurz nach Weihnachten hatte Dobrindt angekündigt, durch ein flächendeckendes Netz von Strom-Tankstellen an den Autobahnraststätten auch Anreize zum Kauf von Elektroautos setzen zu wollen. Konkretes Ziel der Bundesregierung ist, dass bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen im Einsatz sind.

Hintergrund

Im Februar 2014 hat das EU-Parlament neue EU-Vorgaben für den maximalen Kohlendioxidausstoß von neuen Personenkraftwagen verabschiedet. Für die 100-prozentige Erfüllung des durchschnittlichen Maximalausstoßes von 95 Gramm CO2 pro Kilometer sollen die Hersteller nun ab 2021 sorgen. 2020 muss bereits 95 Prozent des Flottenausstoßes diesen Wert unterschreiten.

Für die Anrechnung von Fahrzeugen mit einem besonders niedrigen CO2-Ausstoß ("super credits") gibt es in den ersten drei Jahren, also bis Ende 2022, die Möglichkeit, insgesamt maximal 7,5 Gramm geltend zu machen. Dies soll flexibel über den Zeitraum verteilt werden können. Ab 2020 soll der Anrechnungs-Faktor 2 gelten und danach gestaffelt von 1,67 im Jahr 2021 über 1,33 im darauffolgenden Jahr auf den Faktor 1 abgeschmolzen werden, der ab 2023 gilt.  Der dadurch erzielbare maximale "CO2-Rabatt" soll bei 2,5 Gramm pro Jahr und Hersteller liegen.

Die Bundesregierung sieht die Umstellung auf neue Antriebstechnologien als eine zentrale Herausforderung an die Mobilität des 21. Jahrhunderts. Deutschland soll Leitmarkt für Elektromobilität werden. Angela Merkel hatte die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) 2010 ins Leben gerufen, um Elektromobilität in Deutschland voran zu bringen und die Markteinführung innovativer Elektrofahrzeuge zu beschleunigen.

Das Elektromobilitätsgesetz soll zum 1. Februar 2015 in Kraft treten. Das dazu nötige Notifizierungsverfahren (Prüfverfahren) durch die Europäische Kommission ist angelaufen. Das Gesetz ist bis zum 30. Juni 2030 befristet. Die Bundesregierung wird das Gesetz insgesamt begleitend evaluieren.

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