Bundesregierung startet „Pharma-Dialog“

Die Bundesregierung will den Pharma-Standort Deutschland in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Produktion stärken. Foto: PeterFranz (CC BY 2.0)

Die Bundesregierung will im Gespräch mit Vertretern der Arzneimittelhersteller und der Wissenschaft den Pharma-Standort Deutschland stärken. Dazu wurde am Montag ein ressortübergreifender sogenannter Pharma-Dialog gestartet. Dieser dürfe nicht zu einer „Image-Kampagne für die Pharmakonzerne ausarten, warnt die Linke.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Uwe Beckmeyer, haben am Montag den Startschuss für den Pharma-Dialog mit Vertretern der Arzneimittelhersteller und der Wissenschaft gegeben.

Ziel des Pharma-Dialogs ist es, den Pharma-Standort Deutschland in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Produktion zu stärken. Verabredet sind mehrere Dialogrunden, die voraussichtlich im Januar 2016 abgeschlossen sein werden. Die Auftaktveranstaltung dient der Bestandsaufnahme über Deutschland als Forschungs-, Innovations- und Produktionsstandort.

„Unsere steigende Lebenserwartung beruht zu einem großen Teil auf der Entwicklung neuer Medikamente“, erklärte Gröhe. „Damit sich die Patienten auch in Zukunft auf hochwertige Medizin verlassen können, brauchen wir einen starken Pharma-Standort Deutschland. Wir brauchen gute Bedingungen für Forschung und Entwicklung genauso wie einen Austausch über drängende Fragen, wie den Umgang mit Lieferengpässen und den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen. Der Pharma-Dialog bietet uns dafür eine Plattform.“

Die pharmazeutische Industrie in Deutschland erwirtschaftete 2013 ausweislich der amtlichen Statistik über 42,3 Milliarden Euro Umsatz, zwei Drittel davon im Ausland. Die in Deutschland ansässige Pharmaindustrie beschäftigte 2013 über 110.000 Mitarbeiter und investierte über 1,3 Milliarden Euro in Gebäude, Maschinen und Anlagen.

Jeder siebte Euro des Pharma-Umsatzes fließt in Forschung und Entwicklung – soviel wie in keiner anderen Branche. Hinzu kommen direkte und indirekte „Ausstrahlungseffekte“. Auf jeden Beschäftigten in der Pharma-Industrie kommen 1,2 Beschäftigte in nachgelagerten Industrien und Dienstleistungssektoren.

Laut Wanka unterstütze man nicht nur den Standort Deutschland, wenn man die Leistungsfähigkeit der pharmazeutischen Forschung und Entwicklung erhöht. „Wir schaffen außerdem die Voraussetzungen für eine bessere Medizin“, sagte die Forschungsministerin. „Wirkstoffforschung und Arzneimittelentwicklung nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein. Gemeinsam mit Wissenschaft und Arzneimittelherstellern wollen wir die Chancen besser nutzen, die wir in Deutschland durch eine erstklassige Forschungslandschaft haben. Auch deshalb ist dieser Dialog über die Rahmenbedingungen der Arzneimittelentwicklung so wichtig.“

Der Pharma-Dialog dürfe nicht zu einer „Image-Kampagne für die Pharmakonzerne ausarten“ warnt hingegen Kathrin Vogler, Sprecherin für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte der Fraktion Die Linke. „Man muss genau beobachten, ob der Pharma-Dialog Verbesserungen in Versorgung und Forschung bringt oder ob mal wieder der Standortpolitik Vorrang vor der Gesundheitspolitik gegeben wird.“

Laut Gröhe seien Pharmakonzerne Unternehmen, die den Fortschritt vorantreiben, so Vogler. „Doch diesen Anspruch erfüllen die meisten Medikamente, die neu auf den Markt kommen, nicht. Die Liste der politischen Baustellen reicht von einem offenen Studienregister über die Förderung nichtkommerzieller Forschung bis hin zu Versorgungsmodellen in Entwicklungsländern. Um solche Themen voranzubringen, ist ein Pharma-Dialog sinnvoll.“ Dazu habe sie jedoch von Gröhe noch nichts gehört. „Stattdessen sendet er am selben Tag fromme Appelle an die Pharmaindustrie, mehr gesellschaftspolitische Verantwortung zu übernehmen. Da weiß man nicht, ob man weinen oder lachen soll.“

Fakt ist: Es häufen sich die Fälle, wo die Pharmafirmen Medikamente vom Markt zurücknehmen, um sie im Ausland oder unter neuem Namen und neuer Indikation zu einem weit höheren Preis zu verkaufen. Die Pharmaindustrie hat sich ihr Negativimage wirklich erarbeitet. Der Bundesgesundheitsminister täte gut daran, vor einer staatlichen Pharma-PR-Aktion auf Hinweise auf einen echten Mentalitätswandel zu warten.“

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